Zinsen: Lenkt die Fed bald wieder ein?

Foto: Fürst Fugger Privatbank
Marko Behring, Fürst Fugger Privatbank: „Fed-Chef Jerome Powell dürfte die Euphorie des Marktes kaum gefallen. Er braucht straffere Finanzbedingungen für den Kampf gegen die Inflation.“

Als die US-Notenbank in der vergangenen Woche den Leitzins um 75 Basispunkte erhöhte, blieb die befürchtete negative Reaktion des Markts aus. Im Gegenteil – die Aktienmärkte schienen regelrecht euphorisiert, beobachtete Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank.

„Der Markt setzt darauf, dass die beherzte Leitzinserhöhung der US-Zentralbank jetzt die nötige Luft verschafft, damit sie bei den nächsten Entscheidungsrunden auch wieder etwas vom Gas gehen kann.“

Auch die nachgebenden Zinsen ließen derzeit nicht eine weiterhin so dynamisch agierende Fed vermuten. Vor dem Hintergrund sich eintrübender konjunktureller Rahmenbedingungen spekulieren daher viele Marktteilnehmer auf ein zügiges Einlenken der US-Zentralbank. Dieser im Markt verbreiteten Meinung tritt Behring klar entgegen: „Seit Jahresbeginn kommt dem Kampf gegen die Inflation oberste Priorität bei der Fed zu. Solange die Teuerungsraten jenseits der 5 % liegen, werden wir keine Rückabwicklung der Zinswende sehen – und schon gar keine zügige.“

Was er sich jedoch vorstellen könne, das sei eine etwas moderatere Gangart. Für September erwarte er zwar gegen den gegenwärtigen Marktkonsens nochmals einen beherzten Erhöhungsschritt um 75 Basispunkte, danach dürfte sich die Fed in den noch anstehenden Sitzungen des Jahres aber mit Erhöhungen von 25 Basispunkten begnügen. „Auch wenn nach September die Zinsschritte kleiner werden dürften: Die Zentralbank wird die Zinsen weiter erhöhen – und das mindestens bis zum Jahresende 2022“, stellt Behring klar: „Möglich, dass wir danach eine Phase ohne weitere Erhöhungen sehen, signifikante Senkungen aber kann und wird es erst bei einer deutlich reduzierten Inflation geben – alles andere ist Wunschdenken.“

Ähnlich hätte sich in einem Gastkommentar auf Bloomberg auch William Dudley geäußert, ehehmaliges Mitglied des Offenmarktausschusses, also jenes Gremiums, das über die Zinsschritte der US-Zentralbank entscheide. Die Anleger seien „seltsam optimistisch“ geworden, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Geldpolitik nicht viel weiter straffen müsse. Dieses Wunschdenken sei ebenso unbegründet wie kontraproduktiv.

Für Marko Behring ein ernstzunehmender Hinweis: „Fed-Chef Jerome Powell dürfte die Euphorie des Marktes kaum gefallen. Er braucht straffere Finanzbedingungen für den Kampf gegen die Inflation.“

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