USA: Niedrige Zinsen und moderates Wachstum

Die US-Notenbank Fed wird ihre Politik niedriger Zinsen auf absehbare Zeit beibehalten. Das sagte der oberste US-Notenbanker Ben Bernanke gestern im Economic Club in New York. Jedoch beobachte die Fed die Währungsmärkte und werde bei sich ändernden ökonomischen Vorzeichen auch ihre Zinspolitik anpassen, so Bernanke. Für 2010 erwartet er ein moderates Wirtschaftswachstum.

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Zwar seien die wirtschaftlichen Bedingungen besser als noch vor einem Jahr. Indes gebe es weiterhin große Herausforderungen, so der Zentralbank-Chef. Konkret sprach er die eingeschränkte Kreditvergabe und den schwachen Arbeitsmarkt an. Privathaushalte und kleine Unternehmen kämen nur schwer an Kredite, da sich die Vergabe der Banken in diesem Jahr stark eingeschränkt habe. Viele Unternehmen sehen ihre Kreditlinien reduziert oder gestrichen, so Bernanke. Indes nehme die Geschwindigkeit dieser Negativentwicklung ab. Zudem räumte er ein, dass auch die Nachfrage nach Darlehen gesunken sei.

Neben der Kreditvergabe bereitet auch der Arbeitsmarkt Sorgen. Seit Dezember 2007 habe die US-Wirtschaft rund acht Millionen Jobs im Privatsektor verloren und die Arbeitslosenrate sei von weniger als fünf auf mehr als zehn Prozent gestiegen, so Bernanke. Dies seien die größten rezessiven Einbrüche der Nachkriegszeit. Nicht zuletzt aus diesem Grund bestehe keine Inflationsgefahr.

„Die Arbeitslosigkeit wird ihren Höchststand in den USA wohl im ersten Quartal 2010 erreichen. Daher wäre es verfrüht, die Phase niedriger Zinsen jetzt zu beenden“, sagte Volker Dosch, Fondsmanager des DWS US Aktien Typ 0 gegenüber cash-online. Seiner Ansicht nach stellen die Inflationserwartungen ein größeres Problem für die US-Notenbank dar. „Steigen die Erwartungen, könnte sich die Fed gezwungen sehen, die Zinsen zu erhöhen, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren“, so Dosch.

Mit anhaltend niedrigen US-Zinsen steigt das Geschäft mit den sogenannten Carry Trades. Anleger verschulden sich in US-Dollar und legen das Geld in Ländern mit höheren Zinsen an. „Davon profitieren in erster Linie die Emerging Markets“, so Dosch. Seiner Einschätzung nach wird dieses Geschäft so lange anhalten, wie Marktteilnehmer von niedrigen US-Zinsen überzeugt sind.

Wie attraktiv das Geschäft mit den Währungen sein kann, zeigt beispielsweise der Blick auf Brasilien. Dort liegen die Leitzinsen derzeit bei 8,75 Prozent, in den USA hingegen bei maximal 0,25 Prozent. Hinzu kommt: Die ersten Notenbanken beginnen bereits, ihre Zinsen wieder zu erhöhen. So geschehen jüngst in Norwegen (um 0,25 Punkte auf 1,5 Prozent) und Australien (ebenfalls um 0,25 Punkte auf 3,5 Prozent).

„Steigt das Volumen von Carry Trades erhöht das den Druck auf den US-Dollar“, so Dosch. Nicht zuletzt aus diesem Grund sieht er den Dollar daher in der Tendenz schwächer. Ein schwächerer Dollar wiederum würde gleichzeitig die amerikanische Exportwirtschaft stärken. (mo)

Foto: Shutterstock

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