KfW: „Die Investitionsdynamik bleibt mau“

Im Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen wurden nach Schätzungen von KfW Research zuletzt positive Zuwachsraten erzielt. Dennoch geht KfW-Chefvolkswirt Zeuner nicht von einer nachhaltigen Belebung des Kreditneugeschäfts aus. Außergewöhnliche politische Risiken dämpfen demnach die Investitionsbereitschaft.

Herr Dr. Jörg Zeuner, Direktor der KfW, Abteilungsleiter Volkswirtschaft und Chefvolkswirt
Jörg Zeuner: „Ich erwarte nicht, dass das Kreditneugeschäft mit Unternehmen in diesem Jahr nachhaltig aus seiner Seitwärtsbewegung ausbrechen kann.“

Nach Schätzungen von KfW-Research hat das Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen im vierten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent zugelegt. Auch im ersten Halbjahr 2017 dürften die Zuwachsraten demnach positiv ausfallen. Dennoch sei eine „kräftige Erholung“ nicht zu erwarten, so der aktuelle KfW-Kreditmarktausblick.

Dieser rechnet im Gegenteil damit, dass der Rückenwind am Kreditmarkt bereits ab Jahresmitte wieder abflauen wird, da er auf der Erwartung steigender Kreditkosten beruhe und nicht auf anziehenden Unternehmensinvestitionen. Diese sind demnach im Schlussquartal 2016 zum dritten Mal in Folge preisbereinigt zurückgegangen.

KfW: Politische Risiken dämpfen Investitionsbereitschaft

Nach Ansicht der Experten der KfW-Bankengruppe decken die Unternehmen ihren absehbaren Finanzierungsbedarf derzeit eher früher als später, da sie mit steigenden Kreditkosten rechnen. Das sei auf die Zinswende in den USA und die Spekulationen um eine geldpolitische Trendwende in der Eurozone aufgrund sinkender Deflationsgefahren zurückzuführen.

„Die Investitionsdynamik bleibt mau – trotz guter Stimmung in der Wirtschaft, robuster Konjunktur, ausgezeichneter Finanzierungsbedingungen und zunehmender Kapazitätsauslastung der Unternehmen“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe.

Die außergewöhnlichen politischen Risiken – hauptsächlich die Unsicherheit hinsichtlich künftiger Wirtschaftsbeziehungen zu USA und Großbritannien – erschwerten den Unternehmen die langfristige Planung und dämpften die Investitionsbereitschaft. „Ich erwarte nicht, dass das Kreditneugeschäft mit Unternehmen in diesem Jahr nachhaltig aus seiner seit 2011 zu beobachtenden Seitwärtsbewegung ausbrechen kann,“ so Zeuner. (jb)

Foto: KfW Bildarchiv / Gaby Gerste

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