Bleibt die Geldpolitik eine Unterstützung?

Wie erwartet, hat die EZB ihre Zinssätze im Juli nicht verändert, ihre nach vorne gerichtete Kommunikation aber in Richtung einer expansiveren Geldpolitik angepasst. So sollen die Zinsen auf ihrem „aktuellen oder einem niedrigeren Niveau“ bleiben. Darüber hinaus hat sie die Vorbereitung eines umfangreichen Lockerungspakets für September angekündigt.

Zum einen soll ein Staffelzinssystem (Tiering) erarbeitet werden, das eine größere Zinssenkung mit möglichst geringen Auswirkungen auf den Bankensektor ermöglicht. Zum anderen wird die Neuauflage des Anleiheankaufprogramms (Quantitative Easing, QE) vorbereitet.

Senkung der Leitzinsen erwartet

Für die EZB-Sitzung im September rechnen wir nun mit einer Senkung der Leitzinsen – bestehend aus Einlagenzins, Hauptrefinanzierungs- und Spitzenrefinanzierungssatz – um 25 Basispunkte, der Einführung des Tieringsystems sowie der Ankündigung neuer Wertpapierkäufe von monatlich 30 Milliarden Euro ab Anfang 2020.

Aufgrund des geringen Umlaufs von Bundesanleihen dürfte die EZB zur Hälfte dieses Betrags Staatsanleihen ankaufen und in gleicher Höhe Unternehmensanleihen und Covered Bonds erwerben.

Falls die Zinssenkung der Fed im weiteren Jahresverlauf zu einer Schwäche des US-Dollars führen sollte, rechnen wir mit einer erneuten Senkung aller drei EZB-Leitzinsen um weitere zehn Basispunkte im Dezember.

Geldpolitik bleibt der entscheidende Einfluss für die Märkte

In Europa ist nach wie vor mit umfangreichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen zu rechnen. Auch in den USA dürfte die Zentralbank ein Unterstützungsfaktor für die Kapitalmärkte bleiben, aber vermutlich in geringerem Ausmaß als zunächst gedacht.

Ein entscheidendes Kriterium wird sein, ob die Währungshüter in der Lage sind, die hohen Markterwartungen kommunikativ einzufangen. Das wird das Kapitalmarktgeschehen im zweiten Halbjahr entscheidend beeinflussen. Klar ist:

Die Währungshüter werden das konjunkturelle Umfeld genau beobachten. Sollte sich die Wirtschaft noch deutlicher eintrüben, dürften sie ihre Maßnahmen entsprechend anpassen.

Foto: Union Investment

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