25. Juli 2019, 12:30
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Muskelspiele statt Hirnschmalz

Wenn sich Investoren, die Wert auf internationale Risikostreuung legen, auf der Welt umschauen, kommen sie aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Ein Kommentar von Michael Beck, Leiter Asset Management beim Bankhaus Ellwanger & Geiger. 

Michael-Beck in Muskelspiele statt Hirnschmalz

Michael Beck, Ellwanger & Geiger

Iraner und Briten lassen die Muskeln spielen und beschlagnahmen sich gegenseitig Tanker, chinesische Schlägerbanden haben sich ihres Hirnschmalzes entledigt und schlagen in Hongkong auf Demonstranten ein, egal ob schwangere Frauen oder Kinder darunter sind, und die israelische Regierung befeuert die sowieso schon extrem hohen Spannungen dadurch, dass sie zivile Häuser einreißt, die vermeintlich zu nah an Absperrungen gebaut sind.

Trump, Johnson & die Twitterpolitik

Dass ein gewählter US-Präsident seinen Wahlkampf mit rassistischen Twitter-Tiraden gegenüber gewählten Volksvertreterinnen bestreitet, verwundert dabei kaum noch, stellt aber einen neuen Tiefpunkt seiner Amtszeit dar.

Die internationalen Finanzmärkte scheint dies alles nicht zu tangieren, sie setzen ihre sommerliche Seitwärtsbewegung unter leichten Schwankungen fort. Selbst die Tatsache, dass nun Boris Johnson als ausgewiesener Brexit-Hardliner die Nachfolge Theresa Mays als britischer Premierminister antritt, lässt die Märkte kalt.

Er möchte zwar in den Verhandlungen mit der EU als starker Max auftreten, dürfte aber dieselbe Gummiwand vorfinden wie seine Vorgängerin. Und wer der Klügere im Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt sein wird, steht in den Sternen.

Historisches Zinstief scheint nicht tief genug

Man möchte meinen, dass unter diesen Voraussetzungen eine Aktienmarktkorrektur die nächste jagen sollte. Aber es ist nicht lähmende Hitze, die sich wie Blei über die Märkte legt, es sind vielmehr die Beruhigungsmittel der Zentralbanken, die die Finanzmärkte in den Schlaf wiegen.

Im Gegensatz zu den Zinserhöhungsängsten Ende letzten Jahres hat sich nun die Erkenntnis oder vielmehr die Erwartung festgesetzt, dass die historischen Zinstiefs noch nicht historisch genug sind.

Die EZB dürfte ihren Einlagenzins deutlich von –0,40 % auf mind. –0,70 % absenken und die US-Fed könnte ebenfalls einen ersten Leitzinsschritt nach unten vornehmen. Eigentlich waren dort zu Beginn des Jahres drei bis vier Leitzinserhöhungen erwartet worden. Nun stützen diese niedrigen Zinsen zuzüglich weiterer Zinssenkungserwartungen die Aktienmärkte vehement.

Zentralbanken treten bereits als Aktienkäufer auf

Das Vertrauen in den Zentralbank-Bizeps ist ungebrochen, der starke Geldpolitikarm hält die Märkte beim Gipfelsturm über dem Abgrund sicher fest. Oder ist das Vertrauen nicht mehr ganz so ausgeprägt? Warum sonst steigen Edelmetalle heimlich, still und leise auf mehrjährige Höchststände. Interessanterweise sind es die Zentralbanken selbst, die als Goldkäufer auftreten.

Ob sie ihrer eigenen Politik misstrauen? Einige Zentralbanken treten bereits als Aktienkäufer auf (z. B. Schweiz und Japan). Neben der Wiederaufnahme von Anleihenkäufen, die eigentlich im September auslaufen sollten, könnte dies eine Option sein, auf ausgeprägte Konjunktureinbrüche zu reagieren.

EZB könnte agieren

Auch wenn sich die Zinsen auf historischen Tiefs befinden, bleiben der Europäischen Zentralbank EZB noch einige Mittel, um zu agieren. Solange dies so bleibt, wird auch das Vertrauen in die Kompetenz der Zentralbanken bleiben.

Voraussetzung ist, dass sie unabhängig bleiben. Im Sinne aller Investoren sollte man sich dafür überaus intensiv einsetzen.

 

Foto: Ellwanger & Geiger

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