5. Juli 2019, 08:15
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Negativzinsbeben in Deutschland und Europa

Das pan-europäische Zinsportal WeltSparen analysiert regelmäßig den Einfluss von der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Sparer in ganz Europa. Kein Ende in Sicht! Kurz vor Ende der Amtszeit von Mario Draghi verlängert er sein Erbe und somit die Negativzinsen in Form von Strafzinsen auf Bankeinlagen – voraussichtlich ab September. Ein Kommentar von Dr. Tamaz Georgadze, CEO von WeltSparen.  

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Für 2020 erwartet die Notenbank eine Inflationsrate von 1,4 Prozent, 2021 dann 1,6 Prozent. Während der jährlichen Notenbankkonferenz in Sintra, Portugal, betonte Draghi: “In den kommenden Wochen wird der EZB-Rat überlegen, wie unsere Instrumente entsprechend der Schwere des Risikos für die Preisstabilität angepasst werden können.”

Für Banken und Sparer bedeutet dies, dass weiterhin Negativzinsen als geldpolitisches Instrument eingesetzt werden. Für BaFin-Chef Felix Hufeld schwächen höhere Strafzinsen deutsche Banken noch stärker und führen zu einem Bankensterben. “Ich vermute, der Druck muss noch steigen”, so Hufeld.

Wer trägt die Schuld?

Schließlich fehle es vielen Geldhäusern an Problembewusstsein und Reformbereitschaft. International sorgte die Ankündigung für Empörung – unter anderem sieht US-Präsident Donald Trump in der EZB-Politik eine Wettbewerbsverzerrung, wobei er die Nachteile des Stimulierungsprogramms für Banken und Verbraucher außer Acht lässt.

An den Märkten sorgten Draghis Worte für erkennbare Ausschläge – ein Negativzinsbeben. An den europäischen Kapitalmärkten sanken die Renditen deutlich. In Deutschland fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein Rekordtief. Die Aktienmärkte reagierten positiv.

Konjunktur im Euroraum schwächt ab, Inflation in Großbritannien setzt Sparern zu

Der EZB-Zielwert bei der Inflation im Euroraum liegt bei knapp unter 2 Prozent. Die Inflation der Eurozone sank im Vergleich zum April um 0,5 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Dementsprechend sind zusätzliche Zinssenkungen und Anleihekäufe seitens der EZB wieder wahrscheinlicher geworden, um die Konjunkturschwäche einzudämmen. Sowohl der Brexit sowie der anhaltende US-Handelskonflikt und der schwellende Konflikt zwischen den USA und dem Iran schwächen zusätzlich die europäische Wirtschaftskraft.

In Großbritannien sinkt die Inflation auf 2,1 Prozent – und ist damit heute bereits höher als in Kontinentaleuropa. Da die aktuelle Verzinsung im Privatkundenbereich bereits signifikant unter dem Inflationswert liegt und britische Banken Guthaben im Durchschnitt nur mit rund einem Drittel des Leitzins der britischen Zentralbank verzinsen, sind Sparer in Großbritannien von dieser Entwicklung besonders hart betroffen.

Rezession: schon da?

Der Geschäftsklimaindex (BCI) in der Eurozone fällt auf ein 4,5 Jahrestief. Lag er im Mai 2018 noch bei 1,44 Punkten erreichte zwölf Monate später im Mai 2019 lediglich 0,3 Punkte – ein Abfall um fast 80 Prozent. Der aktuelle deutsche ifo-Geschäftsklimaindex erreicht mit 97,4 Punkten und somit 0,5 Punkten weniger als im Vormonat Mai 2019 seinen tiefsten Stand seit 2014.

Gemäß dem Ifo-Institut werde sich das Wirtschaftswachstum für Deutschland halbieren. Es erwarte lediglich einen Anstieg um 0,6 Prozent für 2019 gegenüber 1,4 Prozent 2018, was laut ifo vor allem an der Rezession des stark exportorientierten verarbeitenden Gewerbes liege. Dagegen steigt der Einkaufsmanager-Index (PMI) des verarbeitenden Gewerbes in der Eurozone um 0,1 Punkte auf 47,8 Punkte im Juni 2019 leicht an.

Tritt Lagarde in Draghis Fußstapfen oder endet bald die Ära der Negativzinsen?

Am 11. Juni 2014, führte die EZB erstmalig und zur Überraschung aller Negativzinsen ein und stärkte so die Exportkraft der Eurozone. Fünf Jahre später wird eine Wende der Strafzinsen herbeigesehnt. Passend dazu endet am 31. Oktober 2019 – gleichzeitig letzte Frist für den Brexit – die Amtszeit und Ära von Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank.

Den Spekulationen um eine Nachfolge mit der Nominierung von IWF-Chefin Christine Lagarde wurde ein Ende gesetzt. Die aktuelle Fortsetzung der Negativzinspolitik sowie der Schuldenstreit zwischen Italien und der EU heizen kurz vor der Sommerpause die Gemüter an.

Ein Jahr Minuszinsen für Sparer in Europa: Achterbahn, Schlitterpartie oder Stillstand?

Trotz aller Aufs und Abs zeichen die aktuellsten EZB-Daten für viele EU-Länder lediglich eine leichte Veränderung von 0 bis 5 Basispunkten zum Vorjahr. Unter den Niedrigzinsen leiden besonders Deutschland, Luxemburg, Irland, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Slowenien und Litauen. Hier fanden zumindest im letzten halben Jahr keine signifikanten Zinsbewegungen statt.

Eine Ausnahme bilden Österreich und Litauen: Beide verzeichnen einen Sinkflug der Retail-Zinsen. Außerhalb der Eurozone blieben die Zinsen in Polen relativ konstant flach und in Schweden zeichnet sich kürzlich ein Aufwärtstrend ab, jedoch auf dem Niveau vor einem Jahr.

 

Seite 2: Verluste in einzelnen Märkten

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