24. Juni 2019, 10:46
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„Notenbanken mutieren zu Endlagern für Staatsschulden”

EZB-Chef Mario Draghi hat mit seiner „Sintra-Rede“ schlaglichtartig gezeigt: Die großen Notenbanken werden zu Gefangenen ihrer eigenen Politik und bewegen sich immer schneller in Richtung monetärer „overkill“. Weltweit steigt die Bereitschaft zu noch mehr „alternativer Geldpolitik“. Neue monetäre Theorien ebenso wie Konzepte für sehr tiefe Negativzinsen und gezielte Vorschläge zur Abschaffung von Bargeld haben Hochkonjunktur. Ein Gastbeitrag von Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute.

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Erstmals wird dabei auch ein echtes Tabu-Thema gebrochen: die offene Monetisierung staatlicher Ausgaben und Schulden über die Notenpresse. Welche Konsequenzen drohen, analysiert das FERI Cognitive Finance Institute in einer aktuellen Studie. „Notenbanken verlieren ihre Unabhängigkeit und werden zu staatlichen ‚Bad Banks‘. Sie mutieren zu Endlagern für Staatschulden und sollen durch Gelddrucken ökonomische Probleme lösen“, fasst Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute, die Studie zusammen.

Umbruch der bestehenden Geld- und Währungsordnung

Die wichtigsten dieser neuen Ideen sind bekannt als „Modern Monetary Theory“ (MMT) und „Overt Monetary Financing“ (OMF): Während MMT mit neu gedrucktem Geld laufende staatliche Ausgaben und utopische Zukunftsprojekte finanzieren will, sollen bei OMF Staatsschulden und andere Altlasten dauerhaft von den Notenbanken übernommen werden. Bislang unumstößliche Regeln einer soliden Geldwirtschaft – wie etwa das Verbot offener Staatsfinanzierung durch Notenbanken – würden dabei ausgeblendet und als unbedeutend oder altmodisch diskreditiert, so eine Kernaussage der Studie. „Mit diesen Ansätzen wird die bestehende Geld- und Währungsordnung nicht nur massiv in Frage gestellt, sondern gezielt zum Umsturz freigegeben“, warnt Rapp.

Japan und USA als Vorreiter für monetäre Verwässerung

Die genannten Ansätze hätten eines gemeinsam: Sie alle forderten eine noch stärkere Geldschöpfung durch Notenbanken als schon bislang der Fall. Speziell Japan und die USA seien die Vorreiter. In Japan lägen bereits heute 49 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz der Notenbank. „Japan wird damit zum ersten Testfall für OMF – als ‚Endlager‘ für Japans ausufernde Staatsschulden“, erklärt Rapp.

In den USA favorisiere die Demokratische Partei seit kurzem das MMT-Konzept, das auf eine laufende Staatsfinanzierung durch die Notenpresse abziele. „Zwei der wichtigsten Länder der Welt sind damit klar auf dem Weg in ein Regime staatlich organisierten Gelddruckens – mit alarmierenden Folgen für die Integrität des Finanzsystems und die Solidität von Geldwerten“, betont Rapp. „Und zuletzt hat Mario Draghi deutlich gemacht, dass auch die Euro-Zone ähnliche Wege einschlagen solle“.

Neue Risiken für Investoren

Die Risiken derart entfesselter Notenbankpolitik lägen in ungezügelter Staatsverschuldung, späteren Inflationsschüben sowie einer langfristigen Zerrüttung ganzer Finanzsysteme. Investoren und Vermögensinhaber seien gut beraten, die neuen monetären Tricks zu durchschauen und sich frühzeitig auf gravierende Konsequenzen einzustellen.

Diese Inhalte sind Gegenstand der aktuellen Studie des FERI Cognitive Finance Institute: „Modern Monetary Theory und OMF – Monetäre Verwässerung und Monetisierung auf dem Vormarsch“. Diese Arbeit schließt unmittelbar an eine frühere Studie des Instituts zum Thema „Overt Monetary Financing“ (OMF) an, die bereits 2017 gemeinsam mit Prof. Richard Werner, einem weltweit anerkannten Experten für „unkonventionelle Geldpolitik“, erstellt wurde.

 

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Wenn die Staaten sich über die Notenpressen der Zentralbanken finanzieren können, dann brauchen sie doch die Steuereinnahmen von uns nicht mehr. Also können die Steuern abgeschafft werden mit all den Kosten, die deren Eintreibung verursacht. Finanzbeamte in die Produktion, dafür sollten wir mal ein Volksbegehren lostreten.

    Kommentar von A. Priori — 25. Juni 2019 @ 23:30

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