Pfandbriefrendite im Minus – Banken stellen sich auf negative Zinsen ein

Ein Kredit, für den Banken keine Zinsen verlangen oder gar Geld drauflegen? Ein Traum. Aktuell wird dieser Traum von der Baufinanzierung mit negativen Zinsen vielleicht Realität. Die Anzeichen: Die Renditen für Pfandbriefe mit zehn Jahren Restlaufzeit sanken im August 2019 erstmals unter die Nulllinie.

Die Werte schwankten zwischen -0,03 und -017 Prozent. Die Pfandbriefkurve dient gemeinhin als Indikator für die Zinsen der Baufinanzierung. Zudem macht der harte Wettbewerb den Banken zu schaffen.

Die Branche rechnet

„Wir gehen davon aus, dass die Anbieter die Vergabe von Baukrediten mit negativen Zinsen durchaus in Erwägung ziehen. Ausschließen will es derzeit niemand“, erklärt Mario Hess, Finanzexperte vom Fachportal Kreditvergleich.net. „Allerdings erwarten wir auch, dass entsprechende Kredite nur einem begrenzten Kundenkreis zur Verfügung stehen und die Sollzinsbindung wahrscheinlich sehr kurz ausfällt.“

Als Marketing-Gag zu teuer

Während Minuszinsen bei Privatkrediten gerne als Marketing-Gag abgetan werden und begrenzte Volumen (meist 1.000 Euro pro Kunde) umfassen, erweist sich eine Baufinanzierung mit Zinsen unter dem Nullpunkt schnell als teure Angelegenheit für den Kreditgeber. „Die durchschnittliche Finanzierungssumme in diesem Bereich lag Mitte 2019 bei rund 260.000 Euro.

Werden nur 0,50 Prozent Minuszinsen für 10 Jahre festgeschrieben, legt die Bank hier etwa 12.000 Euro drauf – nur für einen Kunden“, so Hess weiter. Das berge diverse Risiken. Irgendwann ließen sich die Kosten nicht mehr durch den Werbeeffekt einer Minuszins-Baufinanzierung aufwiegen. Generell machten negative Zinsen geschäftlich für die Banken wenig Sinn.

Aus Bankensicht dürfte außerdem nur eine kurze Sollzinsbindung vertretbar sein, an denen Kunden eigentlich derzeit kein Interesse haben sollten.

Langfristige Zinsen sichern

„Wir raten dazu, die historisch niedrigen Zinsen für eine Zinsbindung von 15, 20 oder 25 Jahren zu nutzen und absolute Zinssicherheit zu genießen. Lieber niedrige Zinsen für lange Zeit, als ein kurzer ‚Bonus‘ und danach bleibt nur die Hoffnung auf günstige Anschlusszinsen“, schließt der Zinsexperte.

Foto: Picture Alliance

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