10. September 2019, 10:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Stimmung nun auch im Mittelstand unterkühlt

Die in den Großunternehmen schon länger unterkühlte Stimmung greift mit rund einem halben Jahr Verzögerung nun auch auf den deutschen Mittelstand über. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen fällt im August um 4,2 Zähler auf -1,5 Saldenpunkte – das erste Ergebnis unterhalb der Nulllinie seit Februar 2015.

Shutterstock 520964260 in Stimmung nun auch im Mittelstand unterkühlt

Beide Klimakomponenten belegen die schwindende konjunkturelle Widerstandskraft: Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage verringert sich um beachtliche 5,1 Zähler auf jetzt noch 10,1 Saldenpunkte. Gleichzeitig sinken die mittelständischen Geschäftserwartungen um ebenfalls sehr deutliche 3,5 Zähler gegenüber Juli.

Mit nunmehr -12,3 Saldenpunkten rutschen sie noch tiefer ins Minus und nähern sich damit den schon seit dem Frühjahr ausgesprochen pessimistischen Erwartungen der großen Unternehmen an. Auch in den Großunternehmen kühlt das Geschäftsklima im August weiter ab (-2,5 Zähler auf -13,1 Saldenpunkte). Sowohl deren Geschäftslageurteile als auch deren Geschäftserwartungen notieren schwächer (-2,7 Zähler auf -8,3 Saldenpunkte bzw. -2,4 Zähler auf -17,9 Saldenpunkte).

Folgen der handelspolitischen Konflikte treffen ein

Der anhaltende Verfall der Lageurteile in Großunternehmen und Mittelstand lässt ein schwaches drittes Quartal befürchten, nachdem die Wirtschaftsleistung schon im zweiten Quartal leicht rückläufig war. Die Erwartungen beider Unternehmensgrößenklassen bringen darüber hinaus einen sehr pessimistischen Blick auf die kommenden sechs Monate zum Ausdruck.

Konnte der in der Breite auf das Inland fokussierte Mittelstand bislang von der noch relativ soliden Binnennachfrage profitieren, so bekommt auch er allmählich die direkten und indirekten Folgen des heftigen außenwirtschaftlichen Gegenwinds einschließlich der handelspolitischen Unwägbarkeiten zu spüren.

Die Binnenwirtschaft hat sich an der außenwirtschaftlichen Schwäche angesteckt. Von diesen Ansteckungseffekten betroffen sind in erster Linie der an der Schnittstelle von In- und Auslandsmärkten tätige Großhandel und nun auch die Dienstleistungen.

Verarbeitendes Gewerbe leidet am stärksten

Vor allem die industrienahen Unternehmensdienstleistungen dürften leiden. Denn in keinem anderen Wirtschaftsbereich ist das Geschäftsklima momentan so schlecht wie im exportstarken
Verarbeitenden Gewerbe (Mittelständler: -2,1 Zähler auf -13,3 Saldenpunkte; Großunternehmen: +1,2 Zähler auf -22,4 Saldenpunkte).

Ihm machen nicht nur die flaue Weltkonjunktur, die Eskalation der Handelskonflikte und der Brexit Sorgen. Die auf zyklische Investitionsgüter spezialisierte deutsche Industrie hat es auch deshalb schwer, weil viele Unternehmen in Deutschland und weltweit Investitionsentscheidungen zurzeit aufschieben dürften, bis sich der Nebel der politischen Unsicherheit zumindest wieder etwas lichtet.

Brexit-Schäden bleiben im Rahmen

“Mit zunehmender Deutlichkeit zeichnet sich für Deutschland eine technische Rezession ab: Nachdem die Wirtschaftsleistung bereits im zweiten Quartal um 0,1 % nachgegeben hat, erwarte ich zumindest für das dritte Quartal einen weiteren leichten Rückgang”, sagt Dr. Klaus Borger, Ökonom bei KfW Research.

“Dank des guten Jahresstarts dürfte das Realwachstum im Gesamtjahr 2019 gleichwohl noch 0,4 % betragen und sich im kommenden Jahr leicht auf 0,6 % erholen. Dabei gehe ich davon aus, dass die Brexit-Schäden letztlich begrenzt bleiben, selbst bei einem noch immer möglichen Ausscheiden des Vereinigten Königreichs ohne Vertrag.”

Zudem sollten sich die Handelskonflikte im Vorfeld der für den 3. November 2020 terminierten US-Wahl zumindest etwas entspannen, weil die Trump-Administration im Wahlkampf sicherlich mit guten Konjunktur- und Aktienmarktzahlen glänzen wolle, vermutet Borger.

Foto: Shutterstock

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas-Cook-Kunden sollen Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden

Das Justizministerium hat Pauschalreise-Kunden der insolventen Thomas Cook aufgefordert, ihre Ansprüche nicht nur bei der Versicherung, sondern auch beim Insolvenzverwalter anzumelden. Das sei Voraussetzung dafür, das versprochene Geld vom Bund zu erhalten, teilte das Ministerium am Freitag mit.

mehr ...

Immobilien

Neues Finanzierungskonzept: Sorgenfrei im Alter

Viele Menschen möchten sich im Rentenalter Wünsche und Träume erfüllen. Die notwendigen Geldmittel stecken dabei oftmals im Eigenheim fest. Um sich mithilfe der Immobilie den Lebensabend zu finanzieren, gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Welche das sind und welche Vor- und Nachteile sie bieten, zeigt der Vergleich der Immobilienverkaufsmodelle.

mehr ...

Investmentfonds

Blockchain: Welche neuen Investment-Chancen die Technologie bietet

Die meisten Anleger verbinden mit „Blockchain“ Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. Tatsächlich hat die Blockchain-Technologie als dezentrales, nichtmanipulierbares digitales Datenregister das Potenzial, die gesamte Geschäftswelt umzuwälzen. Welche Vorteile, aber auch Risiken bietet die Blockchain, in welche Unternehmenstypen sollte man investieren? Thilo Wolf von BNY Mellon Investment Management, kennt die Antworten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

Datenkrake Schufa: Was weiß die Schufa?

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, hat 360 Millionen Daten von 60 Millionen Deutschen erfasst. Wer einen Handyvertrag abschließt, Miet-, Kauf- oder Leasingverträge unterzeichnet oder einen Kredit aufnimmt, kann von der Schufa erfasst werden. Verbraucher haben nach Artikel 15 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen Anspruch darauf, zu erfahren, welche personenbezogenen Daten gespeichert werden. Was die Schufa weiß und darf.

mehr ...