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15. Juni 2018, 13:41
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P&R-Pleite: Erste Klagen gegen Vermittler eingereicht

Die auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei CLLB hat nach eigenen Angaben erste Klagen auf Schadensersatz gegen einzelne Vermittler von P&R-Containern bei verschiedenen Gerichten eingereicht. Die endgültige Eröffnung der Insolvenzverfahren über die Vermögen der P&R-Gesellschaften steht derweil noch immer aus.

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Fast zwei Drittel der 1,6 Millionen Container, die P&R an Anleger verkauft hat, gibt es gar nicht.

Hintergrund ist laut CLLB, dass aufgrund der “spärlichen Berichterstattung” durch P&R eine Plausibilitätsprüfung viele Jahre überhaupt nicht möglich gewesen sei. Aufgrund der von P&R zur Verfügung gestellten Informationen habe über einen langen Zeitraum hinweg nicht ordentlich geprüft werden können, inwieweit das Geschäftsmodell überhaupt und vor allem für die Zukunft tragfähig ist.

“Auf diesen Umstand hätten die Anleger von den Vermittlern aber hingewiesen werden müssen”, sagte Rechtsanwalt Franz Braun, Partner bei CLLB. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs müsse der Anleger vom Anlagevermittler darüber informiert werden, wenn eine Plausibilitätsprüfung nicht durchgeführt wurde oder gar nicht möglich ist. Ein “renommierter Brancheninformationsdienst” habe sich deshalb immer wieder kritisch mit P&R auseinandergesetzt und vor Haftungsrisiken für die Vermittler gewarnt.

“Schneeballsystemähnliche Struktur”

“Aus meiner Sicht realisieren sich genau diese Risiken jetzt gerade”, so Braun. Zwar habe sich die Informationspolitik von P&R aufgrund gesetzlicher Vorgaben in jüngerer Zeit verbessert. Eine Plausibilitätsprüfung sei in den meisten Fällen aber trotzdem nicht erfolgt. “Sonst wäre die schneeballsystemähnliche Struktur auch aufgefallen – und auch darüber hätten die Anlagevermittler die jeweiligen Anleger aufklären müssen.” (kb)

Foto: Picture Alliance

 

3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Müller,

    sicher gibt es viele Anwälte, die Mandanten in aussichtslose Klagen schicken, Jedoch, Ihre Aussage “In der Regel hat m.E. ein erfahrener Vermittler mehr Wissen und Informationsquellen als genau diese Anwälte.” wird durch die zahlreichen Pleiten der letzten Jahre (Phoenix, Infinus, S&K, Captura, P&R, Piccor, etc.) doch arg widerlegt. Zumindest wenn der Vermittler diese Anlagen vermittelt hat. In allen Fällen konnte man als “erfahrener Vermittler” sehr schnell erahnen und errechnen, dass es nicht plausibel ist. Ich bin auch seit über 20 Jahren im Markt tätig, was nun P&R angeht, da war ganz klar spürbar, dass es nicht “mit rechten Dingen” zugehen kann. Wir und viele gute Kollegen haben das keinem Kunden angeraten und sehen uns einmal mehr bestätigt. Von daher folge ich in diesem Fall der Argumentation des Anwalts, und denke die Plausibiliätsprüfung hätte die Vermittlung unmöglich gemacht, also ist Sie nicht erfolgt. Und was das DEXTRO Rating angeht … das alleine als Quelle zu nutzen ist wohl nicht ausreichend, und welche Rolle “Ratingagenturen” in dr Bankenpleite gespielt haben ist ja auch bekannt. Kritische stimmen wie die von Herrn Loipfinger, ein ausgewiesener Experte, konnte man auch wahrnehmen und selbst nachdenken über den angeblichen Marktanteil von P&R am Gesamtweltmarktbestand, nachdenken über den vollkommen überhöhten Preis pro Container und nachdenken darüber, warum so intranparent publiziert wurde, hätte auch zum Ergebnis führen müssen, das nicht zu vermitteln.

    Ich glaube auch nicht, dass Anwälte ein wirklich gutes Produkt, oder zumindest eines mit ausreichend Angaben versehenes, bewerten können. Aber darum geht es hier ja nicht, es geht darum, dass man P&R gar nicht bewerten konnte! Außer das man bis zu einem gewissen Zeitpunkt sagen konnte, “bisher ist immer alles gutgegangen”… aber das konnte man über alle Schneeballsysteme bis zum Zusammenbruch sagen ….
    Mit Besten Grüßen

    Kommentar von InSane — 20. Juni 2018 @ 03:41

  2. Sehr geehrter Herr Müller,
    Sie sind leider falsch informiert. Die Berufsbezeichnung Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht wurde von der Bundesrechtsanwaltskammer eingeführt. Rechtsanwälte können den Titel durch das Bestehen eines Fachanwaltslehrgangs und den Nachweis einer vorgegebenen Mindestanzahl von tatsächlich bearbeiteten Fällen erwerben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Kim Brodtmann
    Ressortleiter Berater, Recht & Steuern

    Kommentar von brodtmann — 18. Juni 2018 @ 16:20

  3. Dieser Anwalt ist falsch informiert. Dextro hat in seiner letzten Stabilitätsanalyse vom 10. November 2017 geschrieben:
    “Im Allgemeinen bewerten wir das Investitionsangebot als plausibel”.
    Hier ist wieder der klassische Fall des Mandantenfangs mit Internetwerbung, Presseäußerungen und gezielter Fehlinformation zu konstatieren. Dieses schadet den Anlegern und der Branche.
    Wann kümmern sich die Anwaltskammern um solch “seriöse Anwälte”?
    Es sind doch wohl selbst ernannte “Spezialisten”. Meines Wissens gibt es den “Fachanwalt für Kapitalmarktrecht” nicht. Ich meine als Studiengangszweig – nicht als “Kurs” oder “Lehrgang”. Letztere sind m.E. von den Themen her völlig ungeeignet dafür, daß ein Anwalt sich alle nötigen Kenntnisse zu FinVermV und AIFM Produkten aneignet. In der Regel hat m.E. ein erfahrener Vermittler mehr Wissen und Informationsquellen als genau diese Anwälte.

    Kommentar von Andreas Müller — 18. Juni 2018 @ 13:21

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