Wohnimmobilien: „Von bedenklicher Situation weit entfernt“

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Die Angst vor den Folgen der Covid-19 Pandemie scheint vollends in Vergessenheit zu geraten und die Rallye am Markt für Wohnimmobilen hält an. In näherer Zukunft scheint einer Fortsetzung dieser Entwicklung auch nichts im Wege zu stehen, meint die Baufinanzierungsvermittlung Hüttig & Rompf AG.

Fundamentale Faktoren wie das dauerhaft niedrige Zinsniveau und ein anhaltender Nachfrageüberhang nach Wohnraum werden aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren den Markt beherrschen und die Preisentwicklung stützen, wenn nicht sogar weiter befeuern, heißt es in einer Mitteilung von Hüttig & Rompf. Dies zeige sich auch anhand einer aktuellen Auswertung von Marktdaten des Unternehmens. 

Der von Eigennutzern tatsächlich gezahlte, durchschnittliche Kaufpreis betrug demnach im zweiten Quartal 2021 552.000 Euro. Kapitalanleger zahlten im Schnitt 357.000 Euro. Dies entspreche einem Anstieg der Kaufpreise um 16 beziehungsweise 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Im selben Zeitraum wuchsen jedoch auch die Einkommen der angehenden Immobilienbesitzer kräftig. Eigennutzer verdienten 10 Prozent, Kapitalanleger sogar 16 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. „Zurückzuführen ist dies nicht auf einen Anstieg der Einkommen in der Breite, sondern eher auf einen Selektionseffekt“, so die Mitteilung. In der aktuellen Situation beschäftigen sich demnach zunehmend Besserverdiener mit dem Immobilienerwerb und ziehen den Schnitt deutlich nach oben.

Anteil der Kapitalanleger gestiegen

Zudem bleibe der wohnwirtschaftliche Immobilienmarkt aufgrund des Niedrigzinsumfelds weiterhin als Anlageklasse attraktiv. So stieg der Anteil der Kapitalanleger den Angaben zufolge von 17 Prozent im Vorjahresquartal auf nun 24 Prozent an. Diese Gruppe, die traditionell verstärkt auf Eigentumswohnungen setzt, verzeichnete ebenfalls einen deutlichen Anstieg der durchschnittlich erworbenen Wohnfläche.

„Hier beobachten wir einen Anstieg von 82 auf 96 Quadratmeter, was einer Steigerung von rund 17 Prozent entspricht und auch einen Teil der gestiegenen Kaufpreise erklärt“, so Hüttig & Rompf. Gleichzeitig bemerke das Unternehmen auch einen deutlichen prozentualen Rückgang der eingesetzten Eigenmittel in diesem Segment. Der Preissteigerung von 19 Prozent steht demnach lediglich ein Anstieg von sechs Prozent des eingebrachten Eigenkapitals entgegen. Eigennutzer wiesen im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar eine erhöhte Eigenkapitalquote auf.

Einfamilienhäuser machen nur noch 32 Prozent (Q2 2020: 37 Prozent) aller durch Eigennutzer erworbenen Objekte aus. In selbem Maße stieg den Angaben zufolge die Nachfrage nach Wohnungen an. Das sei insofern überraschend, als im Zuge der Pandemie das freistehende Einfamilienhaus häufig als „Wohntraum der Deutschen“ skizziert wurde. Jedoch scheine es aufgrund der besseren Erschwinglichkeit von Wohnungen und der rasanten Kaufpreisentwicklung in vielen Fällen doch nur bei einem Traum geblieben zu sein.

„Von einer bedenklichen Situation noch sehr weit entfernt“

Ditmar Rompf, Vorstandsvorsitzender der Hüttig & Rompf AG: „Während Eigennutzer im aktuellen Marktumfeld vor allem auf Sicherheit setzen, wittern Kapitalanleger die Chance auf weitere Preissteigerungen und setzen verstärkt Fremdkapital ein, um dessen Hebelwirkung zu nutzen. Von einer bedenklichen Situation sind wir jedoch noch sehr weit entfernt, zumindest in Bezug auf das eingesetzte Eigenkapital.“

Rompf weiter: „Aufgrund der Negativzinsen bemerken wir, dass derzeit vermehrt besser situierte Haushalte an uns herantreten, da sie ihre liquiden Mittel unter anderem auch in Immobilien investieren möchten. Weniger Vermögende und einkommensschwache Interessenten warten angesichts der höheren Kaufpreise eher noch ab. Ob sich diese Vorsicht rückblickend betrachtet auszahlen wird, wage ich stark zu bezweifeln. Wahrscheinlich wird es eher so sein, dass die Einstiegshürde bei der rasanten Kaufpreisentwicklung noch höher liegen wird, als es ohnehin schon der Fall ist.“

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