Zinswende: Letzte Chance auf günstigen Immobilienerwerb?

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Die Immobilienpreise steigen seit Jahren und nun droht auch noch eine Zinswende. Ist das Eigenheim überhaupt noch ein lohnendes Investment?

Immobilien galten für viele private Investoren traditionell als sichere Geldanlage mit attraktiven Renditen. Doch in den vergangenen Jahren haben stark steigende Immobilienpreise dem Ruf des Betongolds als rentables Anlageobjekt geschadet. Neben Preissteigerungen im Wohnsegment von zuletzt 10,7 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum schmälern begrenzte Wachstumsprognosen bei Mieten die Renditeaussichten. „Viele Privatanleger zweifeln mittlerweile daran, dass der Kauf einer nicht selbst genutzten Immobilie noch ein lohnendes Investment bzw. eine sichere Altersvorsorge darstellt. Das ist jedoch ein Trugschluss“, erläutert Katharina Heid, Geschäftsführerin der HEID Immobilien GmbH.

Der entscheidende Faktor für diese Einschätzung sind die zuletzt deutlich gestiegenen Inflationsraten. „Die Anhebung des Inflationsziels durch den Rat der Europäischen Zentralbank von unter, aber nahe zwei Prozent auf glatte zwei Prozent ist ein klarer Indikator für künftig steigende Preise auch im Immobiliensektor. Neben den inflationsbedingten Verteuerungen trägt die nur schleppend vorangehende Schaffung von Wohnraum zu einer anhaltenden Angebotsverknappung bei“, so Heid.

Die Inflation in Deutschland lag im Juli so hoch wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Verbraucherpreise um 3,8 Prozent gestiegen, bestätigt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden vorläufige Daten. Auf einem höheren Wert lag die Teuerungsrate zuletzt im Dezember 1993 mit 4,3 Prozent. Im Juni befand sich die Inflation noch bei 2,3 Prozent.

Auch aufgrund explodierender Baukosten werden sich Immobilien in den kommenden Jahren deutlich verteuern. Mittlerweile plant jedes zweite Bauunternehmen Preiserhöhungen vorzunehmen, die den Kaufpreis von Eigentumswohnungen und Wohnhäusern in die Höhe treiben werden. Bereits jetzt haben sich Häuser und Wohnungen in Deutschland kräftig verteuert. Im zweiten Quartal stiegen die Preise für Wohnimmobilien um 10,7 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum, wie der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) aktuell in Berlin mitteilte. Bei Eigentumswohnungen war der Zuwachs mit 12,9 Prozent demnach noch größer als bei Eigenheimen (plus 10,4 Prozent).

Ein entschiedenes Vorgehen gegen eine steigende Inflation seitens der Notenbanken ist indes nicht zu erwarten. Gleichzeitig ist die Kreditvergabe der Banken an hohe Eigenkapitalanforderungen geknüpft und beugt so der Bildung einer Immobilienblase vor. Die Haushaltseinkommen werden sich nach der Pandemie schnell stabilisieren und flächendeckende Kreditausfälle somit unwahrscheinlicher machen.

„Anleger sollten die derzeit noch geringen Kapitalkosten unbedingt nutzen, um Investitionen zu tätigen, bevor sich die Preisspirale weiter nach oben dreht“, rät Katharina Heid. „Entscheidend ist dabei, eine lange Zinsbindung von mindestens zehn Jahren zu vereinbaren. Kapitalnehmer sollten vor allem in dieser Zeit versuchen, möglichst viel von dem Darlehen in Form von Sondertilgungen zurückzuzahlen. Das richtige Timing ist jetzt alles.“

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