Das Märchen von der schlechten Fonds-Performance

Das ist ohne Frage eine große Summe und ein sicherlich schmerzhafter Verlust für die betroffenen Anleger. Und doch entspricht sie noch nicht einmal fünf Prozent der Summe, die andere Fonds in einem einzigen Jahr an ihre Anleger ausgeschüttet haben (zumal von dem S&K-Schaden nur ein Teil auf geschlossene Fonds entfällt).

Nun gab es in der Tat nicht wenige Pleiten und so mancher Schiffsfonds wird wohl nach der Insolvenz oder dem Notverkauf aus der Statistik gefallen sein (anders ist kaum zu erklären, warum die Ausschüttungen im Gesamtmarkt höher sind als bei Immobilienfonds).

Doch offenbar laufen weitaus mehr Fonds als gemeinhin angenommen gut oder zumindest leidlich ordentlich. Dass geschlossene Fonds generell eine schlechte Performance aufweisen, ist jedenfalls offenkundig ein Märchen. Schließlich reden wir von mehr als 3.500 Fonds – eine gewaltige Datenbasis.

Mindestens 97 Prozent „Altfonds“

Erfasst werden von der Bundesbank grundsätzlich alle vor der Regulierung durch das KAGB im Jahr 2013 aufgelegten geschlossenen Fonds und alle seitdem emittierten geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIF). Da bislang insgesamt keine 100 Publikums-AIF auf den Markt gekommen sind, enthält die Statistik mindestens 97 Prozent „Altfonds“ aus der unregulierten Ära.

Allerdings differenziert sie nicht zwischen Publikums- und Spezial-AIF für institutionelle und Großanleger. Doch vor allem bei den Altfonds dürfte es sich zum allergrößten Teil um Publikumsfonds handeln.

Damit ist auch klar: Die Branche muss spätestens jetzt aufhören, sich durch das ewige Gerede von „Altlasten“ selbst schlecht zu machen. Im Gegenteil: Sie kann den Kritikern nun zwei Zahlen entgegenschleudern: „Im Schnitt 4,6 Prozent p.a., insgesamt 4,8 Milliarden Euro Auszahlung in nur einem Jahr. Und jetzt Sie.“

Einen ausführlichen Bericht über die Performance und die Leistungsbilanzen der Branche lesen Sie im nächsten Cash.-Heft (Ausgabe 12/2016).

P.S. Der nächste Löwer-Kommentar erscheint am 8. November

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag

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