Pflege: Privatvorsorge muss Familie ersetzen

Die Bereitschaft zur umfassenden Betreuung von Familienmitgliedern hat stark nachgelassen. Nur noch jeder fünfte Bundesbürger würde einen Angehörigen rund um die Uhr pflegen – vor fünf Jahren waren es noch doppelt so viele. Um den Ausfall der Familie zu kompensieren, muss die Pflegelücke durch private Vorsorge geschlossen werden.  

pflegeZu diesem Ergebnis kommt Studie „Kundenkompass Selbstbestimmung im Alter“ der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut auf der Basis zweier repräsentativer Bürgerbefragungen. Die Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern zeigt zudem, dass der Anteil derer, die ihren Familienmitgliedern die Unterstützung im Pflegefall komplett verweigern, in den vergangenen fünf Jahren von rund sechs auf elf Prozent gestiegen ist.

Angesichts der demografischen Entwicklung und sich verändernder Familienstrukturen werden in Zukunft immer weniger Pflegebedürftige auf die Unterstützung von Angehörigen hoffen können – darüber machen sich die Befragten keine Illusionen. Sie wollen daher vorsorgen – und zwar vor allem, um sich im Pflegefall Assistance-Leistungen finanzieren zu können.

ZQP fordert neue Angebote in der ambulanten Pflege

Dabei rangiert die Haushaltshilfe mit 60 Prozent an erster Stelle. Mehr als jeder Zweite will außerdem sparen, um sich eine bedarfsgerechte Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch ein Nicht-Familienmitglied leisten zu können. “ Wir benötigen in der ambulanten Pflege neue und kreative Angebote, die den unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen gerecht werden und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Betreuung sicherstellen“, so Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

Dass das Thema Pflege längst mitten in der Gesellschaft angekommen ist, bestätigt auch eine weitere Umfrage des F.A.Z.-Instituts, die im Auftrag des Versicherers Gothaer unter mehr als 1.000 Teilnehmern durchgeführt wurde. Um die tatsächlich anfallenden Kosten zu decken, wollen demnach 53 Prozent der 18- bis 29-Jährigen eine private Pflegezusatzversicherung abschließen beziehungsweise haben das bereits getan.

Unter den 30- bis 44-Jährigen ist der Anteil fast ebenso hoch. Insgesamt nutzen 57 Prozent aller Befragten mindestens eine Pflege- beziehungsweise Krankenzusatzversicherung für das Alter oder planen das. (hb)

Foto: Shutterstock

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