VZBZ: Millionen-Schaden durch teure Riester-Verträge

Ineffiziente Riester-Verträge, zu hohe Dispozinsen und Fremdabhebegebühren verursachen den Bundesbürgern finanzielle Schäden in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr. Das zeigen Berechnungen der Stiftung Warentest und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBZ). Um solchen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, wollen die beiden Organisationen, dass der Verbraucherschutz in der Finanzaufsicht verankert wird.

finanzieller schaden verlust„Die Beispiele zeigen systematisches Marktversagen zulasten der Verbraucher. Einzelmaßnahmen reichen da nicht aus. Die Bundesregierung muss den Verbraucherschutz endlich auch in Deutschland effektiv in der Finanzaufsicht verankern“, fordert VZBZ-Vorstand Gerd Billen.

Besonders dramatisch sollen die finanziellen Schäden für Verbraucher bei der privaten Altersvorsorge sein. Die Vergleiche der Stiftung Warentest zeigten, dass viele Riester-Produkte zu teuer sind.

Falle die durchschnittliche Rendite dadurch nur ein Prozent niedriger aus, seien die Verluste enorm, so die Prüfer. Beziehe man dies auf die staatlichen Zulagen, die bis einschließlich 2009 gezahlt wurden (gut sechs Milliarden Euro), summierten sich die Verluste für die Verbraucher auf 115 Millionen Euro. Nehme man weiter eine konstante Zulagen-Summe von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr an, so stiegen die Verluste bis 2020 auf mehr als drei Milliarden Euro, bis 2030 sogar auf über elf Milliarden Euro.

Ein weiteres Ärgernis haben VZBZ und Stiftung Warentest überhöhte Dispozinsen ausgemacht. Während die Leitzinsen, zu denen sich die Geschäftsbanken mit Liquidität versorgen, im Zuge der Finanzkrise historische Tiefststände erreichten, seien , die durchschnittlichen Zinsen für Überziehungskredite an private Haushalte im gleichen Zeitraum nur von 11,98 auf 10,28 Prozent gesunken.

Die Differenz zwischen der Absenkung des Leitzinses und der Dispozinsen beträgt der Studie zufolge 1,55 Prozentpunkte. Das Kreditvolumen lag im Februar 2010 bei rund 41,8 Milliarden Euro. Bezogen auf diese Summe entsteht den Verbrauchern ein finanzieller Schaden von etwa 650 Millionen Euro im Jahr.

Auch die Schäden durch teure Fremdabhebegebühren seien immens, so die Verbraucherschützer. Laut Europäischer Zentralbank würden in Deutschland pro Jahr rund zwei Milliarden Mal Geld am Automaten abgehoben. Unterstelle man ein Prozent Fremdabhebungen, so fänden jährlich 20 Millionen Transaktionen statt, bei denen Gebühren anfallen.

Der Analyse zufolge betragen die Kosten für eine Fremdabhebung mittlerweile durchschnittlich sieben Euro. Gehe man davon aus, dass die tatsächliche Belastung der Banken bei maximal zwei Euro liegt, so entstünde den Verbrauchern pro Abhebung ein Schaden von fünf Euro. Hochgerechnet auf alle Transaktionen seien das 100 Millionen Euro pro Jahr. (hb)

Foto: Shutterstock

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