15. Februar 2011, 12:40
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Fondspolicen: Garantie ist nicht gleich Garantie

Die internen Zahlen des GDV für die ersten drei Quartale 2010 sind ebenso ernüchternd: Die Einbrüche setzten sich bis auf das Einmalbeitragsgeschäft fort. So ging die versicherte Summe bei Neuverträgen von Fondsrenten mit laufender Beitragszahlung um 4,6 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2009 zurück. Damit lässt sich der Abwärtstrend im Massengeschäft jedoch nicht stoppen.

„Viele Versicherer setzen nun auf moderne Garantiekonzepte, um den Absatz wieder anzukurbeln“, hat Towers-Watson-Berater Marcel Schmitz beobachtet. Vor allem Hybridprodukte beziehungsweise dynamische Hybridprodukte sollen es richten. „Das Wirrwarr lässt sich mit herkömmlichen Methoden aber nicht mehr vergleichen“, sagt Dr. Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA). Deshalb hat das Berliner Institut für jedes Produkt 10.000 zufällige Kapitalmarktsimulationen erstellt.

„Dabei werden die unterschiedlichen Garantiemodelle der Produkte, aber auch sämtliche Produktkosten berücksichtigt“, erklärt Finanzplaner Ortmann. Das Besondere: „Wir beziehen auch die Kapitalanlagekosten ein, sodass die aktuell sehr beliebten Tricksereien zum ‚Tuning‘ der illustrierten Ablaufleistung aufgedeckt werden“, so der Experte. Folge: Die dargestellte Rendite weist damit die mögliche Beitragsrendite nach Kosten und unter Berücksichtigung des Garantiemodells aus.

Dynamische Hybridprodukte wurden bei der Garantieerzeugung 2009 deutlich häufiger genannt als früher. „Traditionelle Garantiefonds verloren dagegen an Bedeutung“, so Schmitz. Wurde 2008 noch jede zweite Garantie im Bereich FRV und FLV durch Garantiefonds erzeugt, so ging deren Anteil 2009 um zwölf Prozentpunkte zurück. Einen starken Anstieg verzeichneten dynamische Hybridkonzepte, deren Anteil von neun auf 25 Prozent anstieg. Jede vierte Garantie in diesem Bereich geht auf klassische Hybridkonzepte zurück.

Hybridkonzepte sind Trumpf

Auch bei fondsgebundenen Riester- und Basisrenten seien Hybridkonzepte Trumpf: Drei von vier Gesellschaften setzen auf die klassische oder die dynamische Variante dieser Form. Als erste Variante kamen schon Anfang des vergangenen Jahrzehnts statische Hybride auf den Markt. Bei ihnen wird das Kundengeld in festen Proportionen in eine freie Fondsanlage und das stark regulierte Sicherungsvermögen (Deckungsstock) des Versicherers verteilt, mit dem die Garantie erwirtschaftet wird. Weil die Aufteilung der Töpfe schon bei Vertragsabschluss starr festgelegt wird, kann die Police nicht auf Kapitalmarktentwicklungen reagieren.

Deshalb haben Versicherer mit Hilfe von Fondsgesellschaften später dynamische Hybride erdacht, von denen sie sich eine effizientere Bereitstellung der Garantien versprechen. Bei ihnen wird das Kapital auf drei Töpfe verteilt – den klassischen Deckungsstock, einen Wertsicherungsfonds und freie Fonds.

Somit wird trotz Garantie noch Geld in freie Fonds investiert. Verliert der Fonds an Wert, wird zur Sicherung Geld in die konservativen Töpfe umgeschichtet. Im unglücklichsten Fall entwickelt sich der Markt so schlecht, dass nur noch Neubeiträge in Fonds investiert werden können. Allerdings gelingt die freie Fondsanlage bei dynamischen Hybriden anfangs so gut wie gar nicht, obwohl die Anbieter gerade dieses Potenzial anpreisen. Die Bruttobeitragsgarantie fordert ihren Tribut: Nur das Geld, das nicht für die Garantie benötigt wird, kann in freie Fonds gesteckt werden. Theoretisch sind dies ungefähr 20 Prozent des Beitrags. Da jedoch die Kosten der Police gerade zu Vertragsbeginn ins Gewicht fallen, bleibt anfangs meist gar nichts für die freie Fondsanlage übrig.

Seite 3: Was bringen Variable Annuities?

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