18. Januar 2011, 13:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Keine Policen mehr: Tchibo stoppt Versicherungsvermittlung

Tchibo befindet sich wegen seiner Versicherungsvermittlertätigkeit im Fadenkreuz von Finanzdienstleistern. Nun wurde das Geschäft eingestellt und die Kooperation mit dem Direktversicherer Asstel beendet, wie der Kaffeehändler gegenüber Cash.Online bestätigte.

Business-cafe-tchibo in Keine Policen mehr: Tchibo stoppt Versicherungsvermittlung

Das Unternehmen betont allerdings, mit dieser Entscheidung nicht dem Druck der Vermittlerbranche nachgegeben zu haben. Ursache sei vielmehr eine Änderung im Angebotsmix, in dem nun aufgrund höheren Absatzpotenzials Energie an die Stelle von Assekuranz-Produkten treten soll, erklärte ein Tchibo-Sprecher auf Nachfrage.

Auf das laufende Gerichtsverfahren, in dem sich der Kaffeeröster mit Interessenvertretern der Finanzdienstleistungsbranche auseinandersetzt, habe der Entschluss keinerlei Einfluss. Im Gegenteil sei man an einer grundlegenden Klärung der strittigen Sachverhalte interessiert und habe seine Position keineswegs geändert, so der Sprecher weiter.

Auf der Gegenseite wird der Tchibo-Rückzug aus dem Versicherungsgeschäft indes als großer Erfolg und Konsequenz der eigenen Bemühungen gewertet. “Tchibo gibt auf!”, lautet die Überschrift einer aktuellen Aussendung des Finanzdienstleisterverbands AfW. Nachdem bereits im August 2009 der Vertrieb von Investmentprodukten eingestellt wurde, habe sich das Unternehmen nun offensichtlich “dem massiven Druck” gebeugt, heißt es in der AfW-Mitteilung weiter.

Gemeinsam mit dem Branchendienst “Versicherungstip” hatte der Verband den Wettbewerbsverein WIW gegen den Einzelhändler in Stellung gebracht und bereits im Mai 2010 erstinstanzlich vor dem Landgericht Hamburg erreicht, dass Tchibo ohne behördliche Erlaubnis keine Versicherungen und Investmentprodukte vermitteln darf. Nachdem Tchibo Berufung eingelegt hat, befindet sich das Verfahren aktuell vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht.

Die Interessenvertreter der Finanzdienstleister sind der Auffassung, dass Tchibo mit seiner Vermittlertätigkeit gegen die seit 2007 geltenden, verbraucherschützenden Bestimmungen zur Versicherungsvermittlung verstoße.

Während von Versicherungsvermittlern neben den Informationspflichten eine Mindestqualifikation, eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung sowie eine entsprechende Registrierung verlangt wird, sei Tchibo weder im Versicherungsvermittlerregister eingetragen, noch liege eine entsprechende Gewerbeerlaubnis vor. Darüber hinaus erfülle das Unternehmen eine Reihe an Anforderungen aus der Versicherungsvermittlungsverordnung nicht.

Der Kaffeehändler beruft sich dagegen auf seinen Status als sogenannter Tippgeber. Dieser ist bislang im Gegensatz zu dem eines Versicherungsvermittlers nicht reguliert und bietet dadurch ein Schlupfloch, sich strengeren Anforderungen beim Vertrieb zu entziehen. (hb)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. […] weiter lesen […]

    Pingback von Keine Policen mehr: Tchibo stoppt Versicherungsvermittlung « ECK & OBERG Blog — 25. Januar 2011 @ 08:31

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Haftpflichtkasse muss Gasthaus für Corona-Schließung entschädigen

In der Klagewelle um die Kosten für Gaststätten, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, hat ein weiterer Wirt gegen seine Versicherung gewonnen.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Zinsmargen der Banken bleiben stabil

Die Ausweitung der Geldmenge hat seit Ausbruch der Coronakrise noch einmal Fahrt aufgenommen. Von dieser Entwicklung profitieren insbesondere Banken bzw. Baufinanzierer. Das Geschäft boomt trotz Niedrigzinsen und Pandemie und während Sparer immer öfter mit Strafzinsen konfrontiert werden, schaffen es die Banken bei der Baufinanzierung seit 2012, eine stabile Zinsmarge einzufahren.

mehr ...

Investmentfonds

Impact Investing Risiken werden durch schlechte Messstandards getrübt

Impact Investing läuft Gefahr, durch unterdurchschnittliche Messung und Berichterstattung beeinträchtigt zu werden, so dass die Anleger von den übermäßig positiven Ansprüchen der Asset Manager enttäuscht sind, sagt Brunno Maradei, Global Head of Responsible Investment bei Aegon Asset Management.

mehr ...

Berater

Die unbequeme Wahrheit über Erfolg in der Selbstständigkeit

Wenn Sie als selbstständiger Finanzdienstleister sich wirklich von der Konkurrenz abheben und zu den besten gehören möchten, dann geht das nur außerhalb der Komfortzone. Gastbeitrag von Trainer und Berater Dieter Kiwus

mehr ...

Sachwertanlagen

Finexity bringt dritten digitalen “Club-Deal”

Das Fintech Finexity AG erweitert sein “Club-Deal”-Angebot um ein Neubauprojekt in Hamburg. Das Projekt ist mit einem Volumen von über acht Millionen Euro das bisher größte im Portfolio des Hamburger Unternehmens und steht Investoren mit Anlagesummen ab 100.000 Euro offen.

mehr ...

Recht

Klage gegen EY auf 195 Millionen Euro Schadensersatz

Der Insolvenzverwalter der Maple Bank hat die Wirtschaftsprüfer von EY wegen angeblich falscher Beratung bei den umstrittenen “Cum-Ex”-Geschäften zu Lasten der Staatskasse auf 195 Millionen Euro Schadensersatz verklagt.

mehr ...