Anzeige
23. Oktober 2013, 08:15
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schleichwerbung: Rechtliche Probleme bei Finanzbewertungsportalen

Kunden verlassen sich bei ihrer Kaufentscheidung auf die Erfahrungsberichte anderer. Bei Online-Bewertungsportalen sollte erkennbar sein, wenn ein positiver Beitrag zu einem Unternehmen von dem Unternehmen selbst stammt – sonst drohen rechtliche Konsequenzen.

Gastbeitrag von Thorsten Klinger, Hogan Lovells International LLP

Schleichwerbung

“Es sollte darauf geachtet werden, dass bei unternehmensbezogenen positiven Beiträgen in Diskussions- und Bewertungsforen die Zugehörigkeit des Verfassers zum Unternehmen gegebenenfalls hinreichend deutlich herausgestellt wird.”

Wir kennen das alle: Vor der Entscheidung für ein Hotel oder der Buchung eines Urlaubs wird schnell noch einmal im Internet überprüft, wie anderen das Domizil gefallen hat und wie Service, Restaurant und Räumlichkeiten aus eigener Erfahrung von Dritten beurteilt werden.

Weil Verbraucher und Kunden sich von den persönlichen Erfahrungsberichten anderer eine möglichst ungeschönte und bestenfalls realistische Einschätzung versprechen, informieren sie sich längst nicht mehr nur über die Webseite der anbietenden Unternehmen, sondern meist zusätzlich auch über Diskussions- und Bewertungsportale, sowie Wikipedia oder Blogs.

Das gilt natürlich auch für die Finanzdienstleistungsbranche, wo Kunden ihre Erfahrungen mit Finanzdienstleistern über Portale wie etwa WhoFinance austauschen können.

Erhöhtes Kundenvertrauen bei persönlichen Erfahrungen

Gerade weil Kunden den persönlichen Erfahrungen anderer ein erhöhtes Vertrauen entgegenbringen, sollte aber erkennbar sein, wenn ein positiver Beitrag zu einem bestimmten Unternehmen von dem Unternehmen selbst stammt.

Dann handelt es sich nämlich im rechtlichen Sinn um Werbung, die auch als solche gekennzeichnet werden muss. Werbung, die nicht als solche zu erkennen ist, kann als Schleichwerbung abgemahnt werden.

Bei offiziellen Statements von Unternehmen lässt sich die Gefahr der Schleichwerbung leicht vermeiden, in dem erkennbar darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen eigenen Beitrag des beworbenen Unternehmens handelt.

Eine Gefahr besteht aber, wenn sich Mitarbeiter des Unternehmens ohne Kennzeichnung mit beruflichem Bezug in Portalen und Foren positiv zu ihrem Arbeitgeber äußern. Soweit dies nicht zu rein privaten Zwecken geschieht, kann das Unternehmen für die Handlungen seiner Mitarbeiter verantwortlich gemacht werden.

Schleichwerbung in Blogeinträgen

So hatte die Entscheidung des Landgerichts Hamburg vom 24. April 2012 (Az.: 312 O 715/11) den Blogbeitrag eines Mitarbeiters einer Rechtsschutzversicherung zum Gegenstand. Dieser hatte in Erwiderung eines kritischen Blogeintrags zu seinem Arbeitgeber einen Kommentar verfasst, der die in Rede stehende Rechtsschutzversicherung als “die beste Rechtsschutzversicherung” bezeichnete und zusätzlich ein Versicherungspaket bewarb.

Der Kommentar war dabei nur unter Nennung des Vornamens aus dem Firmennetzwerk der Rechtsschutzversicherung abgegeben worden.

Obwohl der Mitarbeiter hierzu nie beauftragt worden war, beurteilte das Gericht den Kommentar als verbotene Schleichwerbung und sprach ein Verbot gegenüber der Rechtsschutzversicherung aus.

Denn mangels Kenntlichmachung der Zugehörigkeit zum Unternehmen sei bei den übrigen Nutzern der Eindruck entstanden, es handele sich bei der Äußerung des Mitarbeiters um den privaten Bericht eines Versicherungsnehmers.

Seite zwei: Firma steht für berufliche Handlungen des Mitarbeiters ein

Weiter lesen: 1 2

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Ab dem 22. November im Handel.

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Versicherungen

DVAG: Die Zukunft des Maklers

Wie steht es um die Zukunft der Versicherungsmakler? Ein Indikator dafür sind die Preise, die für einen Maklerbestand bezahlt werden, etwa von einem Unternehmensnachfolger, sagt Dr. Helge Lach von der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG).

mehr ...

Immobilien

USA: NAHB-Hausmarktindex fällt auf tiefsten Stand seit August 2016

Die Lage am US-Häusermarkt hat sich im November merklich eingetrübt. Der NAHB-Hausmarktindex sei um acht Punkte auf 60 Punkte gefallen, teilte die National Association of Home Builders (NAHB) in Washington mit.

mehr ...

Investmentfonds

Multi Asset: Vorsicht, Märkte am Scheideweg!

Durch Marktkorrekturen und die gestiegene Volatilität in diesem Jahr sind Anlageentscheidungen anspruchsvoller geworden – auch für solche Investoren, die auf eine ausgewogene Mischung von Anlageklassen in ihrem Portfolio achten. Thomas Kruse, Amundi Deutschland, sagt, warum der Fokus auf Qualität in Zukunft noch wichtiger wird.

mehr ...

Berater

Wirecard erwartet auch 2019 kräftigen Gewinnanstieg

Der Zahlungsabwickler Wirecard ist wegen des Booms im Onlinehandel auch für das kommende Jahr optimistisch. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde 2019 in einer Bandbreite von 740 bis 800 Millionen Euro erwartet.

mehr ...

Sachwertanlagen

Nur Augenhöhe wird erneut nicht reichen

Der Verband ZIA hat die Vorgaben des früheren BSI für Performanceberichte der Fondsanbieter als Verbandsstandard aufgehoben. Er wiederholt damit womöglich einen Fehler, den die Branche schon bei den Prospekten gemacht hat. Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

Wirbel um Krankenkassen-Klagen geht weiter – gegenseitige Kritik

Angesichts der Klagewelle um Behandlungskosten haben sowohl Vertreter der Kliniken als auch die Seite der Krankenkassen ihr Vorgehen verteidigt. Der Klageweg sei in einem Rechtsstaat nicht verwerflich, teilte am Freitag die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland in Eisenberg mit.

mehr ...