25. Juni 2014, 12:12
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Studie: Beratungsprotokolle mit großen Defiziten

Beratungsprotokolle im Geldanlage- und Versicherungsbereich entsprechen oft nicht den gesetzlichen Vorgaben. Nur nach jedem vierten Beratungsgespräch erhielten Kunden eine Dokumentation. Dies ergab eine Auswertung von 130 Bertungsgesprächen mit Testkunden, die das ITA Institut für Transparenz im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz durchführte.

Beratungsprotokolle mit großen Defiziten

Mark Ortmann: “Man sollte darüber nachdenken, der Bafin die laufende Überwachung der Vermittler zu übertragen.”

Laut der heute veröffentlichten Studie “Evaluierung der Beratungsdokumentation im Geldanlage- und Versicherungsbereich” händigten Versicherungsvermittler am seltensten Dokumentationen an die Testkunden aus, Honorarberater taten dies am häufigsten.

“Ergebnisse zum Teil erschreckend”

Damit trenne sich die Spreu aber noch lange nicht vom Weizen, teilt das ITA in Berlin mit. Weder die Berater im Anlage- noch die Vermittler im Versicherungsbereich hätten sich durchweg an die gesetzlichen Vorgaben gehalten.

“Das Ergebnis der Untersuchung ist zum Teil erschreckend”, fassen die Studienmacher zusammen. Wesentliche Gesprächsinhalte wie die Empfehlung eines Produkts und die dazugehörige Begründung wurden “teilweise gar nicht dokumentiert”, heißt es. Andere Gesprächsinhalte wurden laut ITA unvollständig wiedergegeben.

Dokumentationsvorschriften für Versicherungsvermittler nicht so klar wie im Anlagebereich

Zwar ärgert sich ITA-Geschäftsführer Dr. Mark Ortmann darüber, dass “offenbar insbesondere nicht alle Versicherungsvermittler die Dokumentationspflichten ernst nehmen”. Gleichwohl hält der Experte den Vermittlern zugute, dass die Dokumentationsvorschriften im Versicherungsbereich nicht so klar seien wie im Anlagebereich. Das ITA regt daher an, die gesetzlichen Vorgaben im Versicherungsbereich zu konkretisieren und an die Vorgaben im Anlagebereich anzupassen.

“Es macht Sinn, gleiche Regeln für gleiche Produkte aufzustellen”, betont Ortmann. “Insbesondere Anlageprodukte im Versicherungsmantel sollten nicht anders behandelt werden als Direktanlagen.” Speziell für Banken schlägt das Institut Erleichterungen bei der Protokollierung vor, die allerdings an klare Vorgaben gekoppelt sein sollten.

“Unterschriftsfeld bringt Kunden in eine ungünstige Position”

Weiter kritisiert das ITA, dass drei Viertel (75,9 Prozent) aller untersuchten Dokumentationen ein Unterschriftsfeld für den Kunden vorsehen. In neun von zehn Fällen würde sich der Kunde mit seiner Unterschrift in eine “ungünstige Position” bringen, da er damit entweder die Richtigkeit des Inhalts bestätige oder eine “Blanko-Unterschrift” leiste. Die Experten wünschen sich deshalb einen Hinweis, der die Kunden auf die Bedeutung seiner Unterschrift aufmerksam macht.

Beratungsdokumentationen für Verbraucher sind Ortmann zufolge sehr wichtig. Zum einen dienten sie dazu, Produkte miteinander zu vergleichen und aufgrund dessen eine bessere Entscheidung treffen zu können. Zum anderen fassten sie die Beratung zusammen und könnten im Falle einer Falschberatung die Beweisführung erleichtern.

ITA wünscht sich Überwachung durch die Bafin

Um eine bessere Überwachung zu erreichen, wünscht sich das ITA eine Verlagerung der Überwachungskompetenzen zu Gunsten der Finanzaufsichtsbehörde Bafin: “Man sollte darüber nachdenken, der Bafin die laufende Überwachung der Vermittler zu übertragen”, empfiehlt Ortmann. Bei den Gewerbebehörden und Industrie- und Handelskammern sei die laufende Überwachung der Vermittler hingegen “nicht optimal angesiedelt”. (lk)

Foto: ITA

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Laubrinus: “Digitalisierung? Ja, bitte!”

Jörg Laubrinus, Vertriebscoach und Geschäftsführer der Mission Freiheit GmbH, sprach auf dem 2. Digital Day, veranstaltet von Cash., darüber, wie er sich der Digitalisierung stellen wollte. Pragmatisch, unterhaltsam und lebensnah schilderte der Unternehmer aus Leidenschaft, welche Gedanken ihn bewegt haben, was ihm widerfahren ist – und wie er seine Lösung gefunden hat. Der Vortrag als Film

mehr ...

Immobilien

Nachhaltige Finanzen: EU-Taxonomie schießt über das Ziel hinaus

Medienberichten zufolge haben sich Vertreter des Europäischen Parlaments und des unter der finnischen Ratspräsidentschaft stehenden Rates der Europäischen Union auf eine Taxonomie-Verordnung geeinigt, wonach allgemein verbindlich festgelegt wird, welche Investments in der EU als nachhaltig gelten. Der Kompromiss umfasst einige bisher äußerst kontrovers diskutierte Punkte.

mehr ...

Investmentfonds

Anteil fauler Kredite steigt in Deutschland

Als notleidende beziehungsweise faule Kredite werden Darlehen bezeichnet, deren Rückzahlung mehr als 90 Tage in Verzug sind. In Europa summieren sich entsprechende Kredite aktuell auf ein Volumen von 562 Milliarden Euro. In Deutschland ist der Anteil zuletzt gestiegen.

mehr ...

Berater

Steuerfalle Gemeinschaftskonto

Eheleute nehmen tagtäglich untereinander Vermögensverschiebungen vor. Ein Ehegatte zahlt beispielsweise den Kredit einer gemeinsam erworbenen, vermieteten Immobilie alleine ab oder nur ein Ehegatte nimmt Einzahlungen auf ein Gemeinschaftskonto vor. Kaum ein Ehegatte ist sich allerdings bewusst, dass z.B. die Auszahlung seiner Lebensversicherung oder des Gewinns aus einem Unternehmensverkauf auf ein Gemeinschaftskonto steuerlich gesehen eine Schenkung an den anderen Ehegatten darstellt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Primus Valor schließt Fonds 9 mit 100 Millionen Euro Anlegergeld

Der Asset Manager Primus Valor hat den Publikums-AIF ImmoChance Deutschland 9 Renovation (ICD 9 R+) nach mehreren Erhöhungen des Zielvolumens mit dem maximal möglichen Eigenkapital geschlossen. Der Schluss-Spurt verlief rasant.

mehr ...

Recht

Neue Musterklage gegen Doppelbesteuerung bei Renten

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) unterstützt die Klage eines Ruheständlers gegen die Zweifachbesteuerung von Renten. Von dieser Musterklage profitieren auch andere Senioren, die nun nicht selbst klagen müssen.

mehr ...