25. Februar 2014, 08:28
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Große Koalition droht Lösung des “Jahrhundertproblems” Pflege zu verspielen

Die Absicherung des massiv gestiegenen Risikos zum Pflege- oder Demenzfall zu werden ist für Politik und Versicherungswirtschaft zu einer der größten Herausforderungen geworden. Die Große Koalition droht die Gelegenheit für einen nachhaltigen Wandel vorbeiziehen zu lassen.

Gastbeitrag von Philipp J. N. Vogel, Vorstand DFV Deutsche Familienversicherung AG

Große Koalition

Wenn eine deutlich schrumpfende Beschäftigtenzahl in einem umlagefinanzierten System für eine derart stark wachsende Anzahl Pflegebedürftiger finanziell aufkommen muss, kann das nicht funktionieren.

Zu Recht war Pflege eines der zentralen Themen der vergangenen Bundestagswahl. Begrüßenswert ist, dass die Politik die Brisanz des Problems offensichtlich erkannt hat und dementsprechend nach neuen Lösungen sucht.

Mit der geförderten Pflegezusatzversicherung hat sie 2013 bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Kritiker mögen hierbei auf die strukturellen Grenzen des sogenannten “Pflege-Bahrs” verweisen, der – das wird bei allen berechtigten Einwänden oft ignoriert – von vornherein nur als Teilabsicherung konzipiert war.

Gleichwohl verfügt das Konzept über wertvolle Bausteine und ist ein wichtiger Impulsgeber dafür, dass in der breiten Öffentlichkeit zunehmend ein Bewusstseinswandel in puncto privater Pflegevorsorge eingesetzt hat.

Aktuelle Pflegereformpläne greifen zu kurz

Die Aufmerksamkeit, die die Große Koalition dem Thema Pflege entgegenbringt, war daher auch dringend geboten. Aber die bislang vorgestellten Ansätze zur Lösung dieses gerade für die deutsche Gesellschaft so gravierenden “Jahrhundertproblems” greifen zu kurz.

Die Politik ist offensichtlich noch immer zu wenig bereit, öffentlich einzugestehen, wie es tatsächlich um die gesetzliche Pflegeversicherung steht. Es besteht daher die Gefahr, dass die angekündigten Änderungen von vielen als “ausreichend” verstanden werden und die Bürger in den eigentlich allmählich überwunden gedachten Glauben zurückverfallen, man brauche selbst nichts zu tun, weil es der Staat schon irgendwie richten werde.

Finanzielle Probleme nicht nachhaltig gelöst

Doch die aktuellen Pläne zur Erhöhung des Beitragssatzes um in der Spitze 0,5 Prozentpunkte oder 24 Prozent im Laufe der Legislaturperiode und zum Aufbau eines bis zum Jahr 2035 auf rund 22 Milliarden Euro anwachsenden Pflegevorsorgefonds können die finanziellen Probleme nicht nachhaltig lösen.

Bei dann erwarteten 3,4 Millionen Pflegebedürftigen stünden für jeden daraus rein rechnerisch gerade mal 6.500 Euro zur Verfügung, um einen dramatischen Anstieg der Beitragssätze zu verhindern – und zwar einmalig.

Wobei noch keineswegs klar ist, in welche Bereiche dieses Geld am Ende wirklich fließen wird. Selbst die Bundesbank, die diesen Fonds verwalten soll, hat den Vorschlag in ihrem Monatsbericht stark kritisiert, weil nach dem Verzehr des Fondsvermögens die vollständige Finanzierungsverantwortung wieder auf den Schultern der künftigen Beitragszahler liege.

Seite zwei: Was von der Politik zu fordern ist

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Carsten Maschmeyer: „Wir wollen, dass der Siegeszug dieser digitalen Erfolgsgeschichte weitergeht“

Der Unternehmer und Ex-AWD-Vorstandsvorsitzender Carsten Maschmeyer ist mit der von ihm gegründeten Venture-Capital-Firma Alstin Capital bei Neodigital eingestiegen. Mit ihm als Partner will sich der digitale Sachversicherer und Dienstleister deutlich breiter aufstellen. Cash.-Redakteur Jörg Droste traf Carsten Maschmeyer und Neodigitalvorstand Stephen Voss und sprach mit ihnen über den Einstieg, ihre Pläne und die Folgen der Coronapandemie für die digitale Transformation und deutschen Versicherungsmarkt.  

mehr ...

Immobilien

Erneuerbare-Energien-Investments statt Immobilien

Die Rendite-Risiko-Schere zwischen Investments in Erneuerbare Energien und Immobilien öffnet sich. „Beide Anlageklassen sind vor allem für institutionelle Investoren eine Alternative zueinander“, sagt Markus W. Voigt, CEO der aream Group. „Während beide ungefähr die gleiche Rendite erwarten lassen, steigt das Risiko bei Immobilien derzeit steil an.“

mehr ...

Investmentfonds

Die Halver-Kolumne: US-Wahl – So viel mehr als nur eine normale Wahl

Der politische Höhepunkt 2020 steht kurz bevor und die Börsen sind nervös. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung der US-Präsidentschaftskandidaten kann man getrost von einer Richtungswahl sprechen. Besonders spannend sind die Fragen, ob bzw. wann es einen Sieger gibt, ein knappes Ergebnis überhaupt akzeptiert oder sogar als Wahlbetrug bezeichnet wird. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Alexander Schlichting wird Vorstands-Chef der Project Beteiligungen AG

Der Aufsichtsrat der Project Beteiligungen AG hat Alexander Schlichting (45) mit Wirkung zum 26. Oktober 2020 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Ottmar Heinen ist “infolge divergierender Ansichten” ausgeschieden. Gleichzeitig verstärkt sich die für den Publikumsvertrieb verantwortliche Project Vermittlungs GmbH mit Christian Grall (34) als weiterem Geschäftsführer.

mehr ...

Sachwertanlagen

Isaria verkauft zwei Wohnanlagen in München an DWS-Spezialfonds

Die Münchner Isaria hat insgesamt 219 Wohnungen für 119,2 Millionen Euro an den Vermögensverwalter DWS für einen institutionellen Spezialfonds veräußert. Das Projekt wird die mittlerweile zur Deutschen Wohnen gehörende Isaria München Projektentwicklungs GmbH im Auftrag der Isaria Wohnbau AG schlüsselfertig erstellen.

mehr ...

Recht

 Pfandkredit: Das schnelle Geld aus dem Pfandleihhaus 

Laut dem Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP) werden jährlich über 630 Millionen Euro an Krediten von rund 250 Mitgliedsbetrieben ausbezahlt. Die etwa eine Million Kunden, die diese unbürokratischen Blitz-Kredite nutzen, kommen aus allen Schichten. In Corona-Zeiten boomt das Geschäft mit Pfandkrediten. Für wen sich eine Pfandleihe lohnt?

mehr ...