Signal Iduna tritt auf die Kostenbremse

Der Versicherungskonzern Signal Iduna will ein „Effizienzsteigerungsprogramm“ auflegen, um die Kosten zu drücken. Nicht zuletzt das geplante Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) erhöht den Druck auf die Assekuranz, ihre Kostenstruktur auf den Prüfstand zu stellen. Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann sieht in dem Reformwerk eine „massive Überforderung“ der Branche.

Signal-Iduna-Chef Leitermann wäre es lieber, wenn die Bundesregierung den Höchstrechnungszins erst zum 1. Januar 2016 absenkt.

Die Kosten für die Umsetzung des LVRG übersteige eine Milliarde Euro, sagte Leitermann auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Hamburg, die er erstmals als Vorstandschef leitete. Das überfordere die Branche massiv, so Leitermann.

Unter anderem verlangt das LVRG von den Lebensversicherern, ihre Kunden stärker an den Risikoüberschüssen zu beteiligen. Dies sei eine „kontraproduktive“ Entwicklung, sagte der Signal-Iduna-Chef, da das Gesetz ursprünglich darauf ausgelegt worden sei, die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer zu stärken. Doch viele der im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen seien eindeutig gegen die Versicherer gerichtet, so Leitermann.

Rechnungszinsänderung: Leitermann hadert mit geringer Vorlaufzeit

Für Unmut sorgt vor allem der Zeitpunkt der Absenkung des Höchstrechnungszinses. Der Signal-Iduna-Chef hätte es lieber gesehen, wenn die Reduzierung von 1,75 auf 1,25 Prozent erst zum 1. Januar 2016 kommt – und nicht, wie von der Bundesregierung beabsichtigt, bereits zu Beginn des kommenden Jahres. Dies sei „Unfug“, so Leitermann, da es der Branche „untragbare Kosten“ aufbürde.

Die Absenkung des Rechnungszinses erfordere die Einführung einer neuen Tarifgeneration, erklärte die ausscheidende Vorständin Marlies Hirschberg-Tafel, wodurch für die Signal Iduna Kosten in Millionenhöhe entstünden.

Medienberichten, wonach der Konzern seine Kostenbasis bis 2017 jährlich um 100 Millionen Euro reduzieren möchte, wollte Leitermann nicht bestätigen – doch ein Dementi blieb ebenfalls aus. Er wolle für das geplante Effizienzsteigerungsprogramm keine Grenze setzen, betonte der Vorstandschef. Demnach sei auch möglich, dass Einsparungen von mehr als 100 Millionen Euro im Jahr angestrebt werden.

Keine Beteiligungsverkäufe geplant

Ende August, spätestens im September, soll eine Entscheidung zur konkreten Ausgestaltung der Sparmaßnahmen fallen. Wie viele der insgesamt rund 13.000 Arbeitsplätzen an den beiden Standorten Dortmund und Hamburg durch das Programm gefährdet sind, ist noch offen.

Nur soviel ließ sich Leitermann entlocken: Frei werdende Stellen könnten nicht wieder besetzt werden. Mit diesem Vorgehen sei man in der Vergangenheit gut klar gekommen, betonte der Versicherungsmanager. Beteiligungsverkäufe seien hingegen kein Thema. Unter anderem engagiert sich der Konzern in Ungarn und Rumänien. Für die Signal Iduna ist es nicht das erste Kostenprojekt: So sank die Stellenzahl in den vergangenen vier Jahren um 900.

Leitermann zufrieden mit Geschäftsjahr 2013, LVRG sorgt für Unwägbarkeiten in 2014

Leitermann erklärte weiter, dass er auf „ein gutes Geschäftsjahr“ zurückschaue. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen demnach um 1,9 Prozent auf 5,56 Milliarden Euro, bei einem Jahresüberschuss von 132 Millionen Euro (minus 17 Prozent). Für 2014 rechnet er mit einem moderaten Wachstum. Zwar gebe es noch Unwägbrakeiten im Zusammenhang mit dem geplanten LVRG, so Leitermann, man sei aber derzeit noch positiv gestimmt. (lk)

Foto: Signal Iduna

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