19. Juni 2014, 08:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Signal Iduna tritt auf die Kostenbremse

Der Versicherungskonzern Signal Iduna will ein “Effizienzsteigerungsprogramm” auflegen, um die Kosten zu drücken. Nicht zuletzt das geplante Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) erhöht den Druck auf die Assekuranz, ihre Kostenstruktur auf den Prüfstand zu stellen. Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann sieht in dem Reformwerk eine “massive Überforderung” der Branche.

Signal Iduna tritt auf die Kostenbremse

Signal-Iduna-Chef Leitermann wäre es lieber, wenn die Bundesregierung den Höchstrechnungszins erst zum 1. Januar 2016 absenkt.

Die Kosten für die Umsetzung des LVRG übersteige eine Milliarde Euro, sagte Leitermann auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Hamburg, die er erstmals als Vorstandschef leitete. Das überfordere die Branche massiv, so Leitermann.

Unter anderem verlangt das LVRG von den Lebensversicherern, ihre Kunden stärker an den Risikoüberschüssen zu beteiligen. Dies sei eine “kontraproduktive” Entwicklung, sagte der Signal-Iduna-Chef, da das Gesetz ursprünglich darauf ausgelegt worden sei, die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer zu stärken. Doch viele der im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen seien eindeutig gegen die Versicherer gerichtet, so Leitermann.

Rechnungszinsänderung: Leitermann hadert mit geringer Vorlaufzeit

Für Unmut sorgt vor allem der Zeitpunkt der Absenkung des Höchstrechnungszinses. Der Signal-Iduna-Chef hätte es lieber gesehen, wenn die Reduzierung von 1,75 auf 1,25 Prozent erst zum 1. Januar 2016 kommt – und nicht, wie von der Bundesregierung beabsichtigt, bereits zu Beginn des kommenden Jahres. Dies sei “Unfug”, so Leitermann, da es der Branche “untragbare Kosten” aufbürde.

Die Absenkung des Rechnungszinses erfordere die Einführung einer neuen Tarifgeneration, erklärte die ausscheidende Vorständin Marlies Hirschberg-Tafel, wodurch für die Signal Iduna Kosten in Millionenhöhe entstünden.

Medienberichten, wonach der Konzern seine Kostenbasis bis 2017 jährlich um 100 Millionen Euro reduzieren möchte, wollte Leitermann nicht bestätigen – doch ein Dementi blieb ebenfalls aus. Er wolle für das geplante Effizienzsteigerungsprogramm keine Grenze setzen, betonte der Vorstandschef. Demnach sei auch möglich, dass Einsparungen von mehr als 100 Millionen Euro im Jahr angestrebt werden.

Keine Beteiligungsverkäufe geplant

Ende August, spätestens im September, soll eine Entscheidung zur konkreten Ausgestaltung der Sparmaßnahmen fallen. Wie viele der insgesamt rund 13.000 Arbeitsplätzen an den beiden Standorten Dortmund und Hamburg durch das Programm gefährdet sind, ist noch offen.

Nur soviel ließ sich Leitermann entlocken: Frei werdende Stellen könnten nicht wieder besetzt werden. Mit diesem Vorgehen sei man in der Vergangenheit gut klar gekommen, betonte der Versicherungsmanager. Beteiligungsverkäufe seien hingegen kein Thema. Unter anderem engagiert sich der Konzern in Ungarn und Rumänien. Für die Signal Iduna ist es nicht das erste Kostenprojekt: So sank die Stellenzahl in den vergangenen vier Jahren um 900.

Leitermann zufrieden mit Geschäftsjahr 2013, LVRG sorgt für Unwägbarkeiten in 2014

Leitermann erklärte weiter, dass er auf “ein gutes Geschäftsjahr” zurückschaue. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen demnach um 1,9 Prozent auf 5,56 Milliarden Euro, bei einem Jahresüberschuss von 132 Millionen Euro (minus 17 Prozent). Für 2014 rechnet er mit einem moderaten Wachstum. Zwar gebe es noch Unwägbrakeiten im Zusammenhang mit dem geplanten LVRG, so Leitermann, man sei aber derzeit noch positiv gestimmt. (lk)

Foto: Signal Iduna

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Getsurance muss Insolvenz anmelden

Alles geht digital, lautete das Motto der Brüder Viktor und Johannes Becher bei der Gründung ihres Insurtechs Getsurance im Jahr 2016. Jetzt hat das Berliner Insurtech Insolvenz angemeldet. Die Geschäfte laufen derweil erst einmal weiter.

mehr ...

Immobilien

Wird der Immobilienkauf durch Corona schwieriger?

Höhere Preise, knappes Angebot – und jetzt auch noch Corona: Gut jeder zweite Bundesbürger (52 Prozent) vertritt die Meinung, dass der Erwerb von Wohneigentum in den vergangenen zehn Jahren schwieriger geworden ist. Drei Viertel glauben, dass es durch die Corona-Krise sogar noch schwerer werden wird, den Traum vom eigenen Zuhause zu verwirklichen. Insgesamt machen sich zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) aktuell Sorgen über die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Interhyp mit Statista unter 1.000 Bundesbürgern.

mehr ...

Investmentfonds

Schwellenländeranleihen auf Erholungskurs? 5 Fragen und Antworten für Anleger

Weltweit kämpfen Volkswirtschaften mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, die insbesondere mit Blick auf die Schwellenländer für zahlreiche negative Schlagzeilen gesorgt hat. Doch häufig werden Schwellenländer fälschlicherweise als homogenes Anlageuniversum betrachtet. In diesem Q&A stellt Alejandro Arevalo, Fondsmanager im Bereich Emerging Markets Debt bei Jupiter Asset Management, einige Missverständnisse zu Anlagen in Schwellenländeranleihen richtig und erklärt, wo er derzeit die attraktivsten Chancen sieht.

mehr ...

Berater

Fonds Finanz erweitert Produktportfolio um hauseigenen Edelmetalltarif „EasyGoSi“

Deutschlands größter Maklerpool ermöglicht seinen angebundenen Maklern mit „EasyGoSi“ ab sofort die einfache und sichere Vermittlung der beiden Edelmetalle Gold und Silber. Die Vermittlung ist erlaubnisfrei und unterliegt keinen weiteren Auflagen nach § 34f der Gewerbeordnung oder anderen Dokumentationspflichten. Mit dem neuen Tarif reagiert die Fonds Finanz auf den Bedarf der Vermittlerkunden, die in den derzeit wirtschaftlich unsicheren Zeiten vermehrt in die Edelmetalle Gold und Silber investieren möchten.

mehr ...

Sachwertanlagen

LHI Gruppe erwirbt ersten Solarpark in Dänemark

Für einen seiner Investmentfonds für Institutionelle Investoren, hat der Asset Manager LHI aus Pullach i. Isartal im Norden Jütlands, etwa drei Kilometer vor der Küste, einen Solarpark vom Entwickler European Energy A/S erworben.

mehr ...

Recht

Quarantäne: Rechte und Pflichten in der Zwangspause 

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, müssen Personen, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, in Isolierung. Diese Zwangspause ist eine behördlich angeordnete Maßnahme. Doch auch der bloße Verdacht einer Infektion mit dem Coronavirus kann dazu führen, dass eine Quarantäne nötig wird. Welche Regeln es für die sogenannte “Absonderung” gibt.

mehr ...