bAV: „Gute Bestandsarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor“

Schlanke Verwaltungsabläufe und geringe Kosten – so stellen sich die meisten Firmen eine moderne bAV-Lösung vor. Fünf Experten diskutieren über Gegenwart und Zukunft der Betriebsrente und über den zentralen Faktor Kommunikation.

Obere Reihe von links: Dr. Stefanie Alt, Geschäftsführerin der NBB und Vorstand der Nürnberger Pensionsgesellschaften; Klaus-Peter Dorn, Vertriebsdirektor Prokurist, Württembergische Vertriebsservice GmbH; Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement.
Untere Reihe von links: Dr. Henriette M. Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH und Martin Bockelmann, Geschäftsführer xbAV GmbH.

Cash.: Für die Unternehmen sei die Betriebsrente eine gute Möglichkeit, um Fachkräfte an sich zu binden. Diese gute Idee habe sich allerdings in Deutschland zu einem Modell mit einigen gravierenden Mängeln entwickelt, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Die Bundesregierung müsste die Altersvorsorge über die Firma deshalb grundlegend reformieren. Stimmen Sie zu?

Dr. Henriette M. Meissner, Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH: In der Tat bedarf es grundlegender Veränderungen in der bAV. Aus Arbeitnehmersicht sollte vor allem die doppelte Verbeitragung in der Sozialversicherung sowie die Anrechnung auf die Grundsicherung beendet werden – schließlich sollen ja gerade die Niedriglohnsektoren stärker angesprochen werden. Für Arbeitgeber sind aus meiner Sicht überbordende Verwaltungsabläufe der größte Hemmschuh. Ich schaue mal in Richtung xbAV, die ja auch hier am Tisch vertreten ist: Bildlich gesprochen wünscht man sich in der bAV die Abkehr vom 19. Jahrhundert in Form des althergebrachten BGB-Rechts hin zu einem Recht, das es erlaubt, die Verwaltung elektronisch mit wenigen Mausklicks über ein Smartphone oder ein Tablet zu organisieren. Die Abläufe müssen schlanker werden – und da muss der Gesetzgeber ran.

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Dr. Stefanie Alt, Nürnberger Pensionsgesellschaften: Da gebe ich Frau Dr. Meissner recht. Gleichwohl sind Vermittler auch im heutigen Umfeld durchaus in der Lage, die bAV für die Unternehmen effizient zu organisieren, indem sie eine Versorgungsordnung etablieren. Auf alle Fälle sollte es vermieden werden, dass in einem kleinen Unternehmen mit 30 Mitarbeitern – leicht zugespitzt formuliert – 30 verschiedene Versicherungsunternehmen platziert sind. Wenn der Vermittler das Versorgungsumfeld gemeinsam mit der Personalabteilung gestaltet, entsteht für den Arbeitgeber ein echter Mehrwert.

Klaus-Peter Dorn, Württembergische Vertriebsservice GmbH: Ich denke, man muss gar nicht allzu viel in der bAV verändern, denn die heute etablierten Systeme haben über Jahre hinweg bewiesen, dass sie tragfähig und auch innovativ sind. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber das Gefühl bekommt, dass sich die bAV auch für ihn lohnt. Und das ist eigentlich eine vertriebliche Aufgabe. Dabei muss man, da stimme ich Frau Dr. Alt voll zu, das Gesamtversorgungskonzept betrachten. Der Makler sollte sich im Idealfall als ein Risikomanager für die Firma verstehen. Es geht hier auch um die Frage: Wie gehe ich mit einer meiner wichtigsten Ressourcen im Unternehmen – den Mitarbeitern – um? Hier ist ein Gesamtansatz erforderlich, der eben nicht nur die bAV betrifft, sondern auch das betriebliche Gesundheitsmanagement. Wenn dem Arbeitgeber beispielsweise der Nutzen von verkürzten Ausfallzeiten verständlich dargelegt wird, fühlt er sich abgeholt und wird sich womöglich für ein Gesamtversorgungssystem entscheiden.

Seite zwei: „Verwaltungsaufwand ist der große Hemmschuh“

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