Anzeige
27. Oktober 2015, 10:54
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Maklerpflichten sind streng mandatsbezogen

Das OLG Hamm hat in einem Grundsatzurteil entschieden, dass der Maklerauftrag in der Regel auf das vom Kunden angegebene Objekt beschränkt ist. Damit hat das Gericht die Befragungspflicht des Maklers praxisgerecht eingeschränkt.

Gastbeitrag von Jürgen Evers, Kanzlei Blanke Meier Evers Rechtsanwälte

Maklerpflichten sind streng mandatsbezogen

“Risiken, die dem Makler nicht zur Prüfung aufgegeben oder ihm unbekannt seien, lösten grundsätzlich keine entsprechenden vertraglichen Beratungs- und Betreuungspflichten aus. Nur bei augenscheinlichen Gegebenheiten könne dem Makler unter Umständen eine entsprechende Erkundigungspflicht auferlegt sein.”

Der Fall

Ein mit seinem bisherigen Versicherer unzufriedener Kunde hatte einen Makler beauftragt und ihm seinen Versicherungsordner an die Hand gegeben. Die darin enthaltene Wohngebäudeversicherung lief noch knapp drei Jahre. Dass zum Zeitpunkt der Erteilung des Maklerauftrags auf dem Hausgrundstück des Kunden ein unversichertes Zelt mit darin gelagerten Heuballen stand, blieb unerwähnt. Rund sechs Monate später brannte das Zelt ab, woraufhin der Kunde den Makler auf Ersatz des Brandschadens in Anspruch nahm. Nach seiner Ansicht habe er den Makler beauftragt, alle Versicherungen zu überprüfen und Angebote über bessere bzw. preiswertere Versicherungen einzuholen. Seine Ehefrau habe zudem den gemeinsamen Wunsch geäußert, rundum abgesichert zu sein. Der Makler hätte ihm deshalb eine landwirtschaftliche Inhaltsversicherung nahelegen müssen. Das LG wies die Klage ab. Auch die Berufung des Kunden blieb erfolglos.

Auftrag bestimmt Leistungsumfang des Maklers

Der OLG-Senat verneinte eine Schadensersatzpflicht. Eine Pflichtverletzung des Maklers nach Paragraf 63 Satz 1 VVG liege nicht vor. Für die Ermittlung der geschuldeten Maklertätigkeiten sei der Maklervertrag bestimmend. Zwar müssten Makler das Risiko und das Objekt aus eigenem Antrieb untersuchen. Auch komme dem Makler durch seine umfassenden Pflichten eine treuhänder-ähnliche Stellung als Sachwalter zu. Daraus folge aber auch, dass der Maklerauftrag sich regelmäßig auf das aufgegebene Objekt beziehungsweise Risiko beschränke. Es bestehe grundsätzlich keine rechtliche Verpflichtung des Maklers, den Kunden im Rahmen der Anbahnung ungefragt einer umfassenden Analyse seiner gesamten Versicherungssituation zu unterziehen. Soweit keine weitere Abrede bestehe, beschränke sich die Pflicht des Maklers daher auf das konkrete Absicherungsanliegen und die damit verbundenen erkennbaren weiteren Absicherungsbedürfnisse.

Risiken, die dem Makler nicht zur Prüfung aufgegeben oder ihm unbekannt seien, lösten grundsätzlich keine entsprechenden vertraglichen Beratungs- und Betreuungspflichten aus. Nur bei augenscheinlichen Gegebenheiten könne dem Makler unter Umständen eine entsprechende Erkundigungspflicht auferlegt sein.

Eine Risikoanalyse und Bedarfsermittlung schulde der Makler daher nur für die ihm namhaft gemachte Objekte. Allerdings müsse der Makler das Versicherungsanliegen des Kunden anhand der ihm mitgeteilten Umstände korrekt erfassen.

Seite zwei: Sicht objektiven Auftragsempfängers maßgeblich

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 5/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Europäische Aktien – Schwellenländer – digitaler Wandel – Neue Vertriebsregeln

Ab dem 27. April im Handel.

Rendite+ 1/2017 "Sachwertanlagen"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Hitliste der Produktanbieter – Top Five der Segmente – Immobilienmarkt

Versicherungen

Gesundheitsdaten: Verbraucherschützer mahnen Wearables-Anbieter ab

Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) hat Fitness-Armbänder, Smartwatches und Fitness-Apps unter die Lupe genommen. Wegen Mängeln beim Datenschutz haben die Verbraucherschützer neun Anbieter sogenannter Wearables und Apps abgemahnt.

mehr ...

Immobilien

Immobilienverband warnt vor Mangel an Seniorenwohnungen

Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen fordert flexiblere Regelungen für den Bau altersgerechter Wohnungen. Sonst würden die Kosten so stark steigen, dass zu wenig preiswerte Wohnungen am Markt vorhanden seien.

mehr ...

Investmentfonds

USA vor größter Steuerreform in der Historie

An der Wall Street diskutieren viele Börsianer über die weiteren wirtschaftspolitischen Schritte von Donald Trump. Insgesamt bleibt die Stimmung der Investoren positiv. Die Aktienmärkte gewannen in den vergangenen Wochen weiter an Boden.

mehr ...

Berater

Studie: Sparen beruhigt die Deutschen

Auch durch das Zinstief lassen sich die Deutschen nicht vom Sparen abbringen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Die große Mehrheit legt demnach unabhängig von der Höhe der Zinsen monatlich Geld zurück – weil es sie beruhigt.

mehr ...

Sachwertanlagen

G.U.B. Analyse: „B+++“ für Solvium Container Select Plus Nr. 2

Das Hamburger Analysehaus G.U.B. Analyse bewertet die Emission „Container Select Plus Nr. 2“ der Solvium Capital GmbH aus Hamburg mit insgesamt 74 Punkten. Das entspricht dem G.U.B.-Urteil „gut“ (B+++).

mehr ...

Recht

Handyversicherung: Höheres Diebstahlrisiko, höhere Aufmerksamkeit

Damit die Leistung aus einer Handypolice nach einem Diebstahl geltend gemacht werden kann, ist es erforderlich, dass das Handy entsprechend seinem Wert und den äußeren Umständen gesichert wird, so das AG Frankenthal.

mehr ...