„Die Diskussion um einen späteren Renteneintritt ist sinnvoll“

In Berlin wird derzeit über einen späteren Renteneintritt debattiert. Wie würde sich dies auf die „zweite Halbzeit des Lebens“ auswirken – also auf das Verhältnis von Ansparphase zu Entsparphase?

Die Auswirkungen sind vielfältiger Natur: Zunächst einmal ist diese Diskussion richtig und sinnvoll, auch wenn wir in Deutschland weltweit die Einzigen sind, die diesen Weg bisher bereits konsequent gegangen sind und ihn noch weiter gehen werden.

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Einerseits nämlich ist absolut nicht einzusehen, warum die deutliche Ausdehnung der Rentenbezugszeiten – die Lebenserwartung nimmt stetig um circa 20 Prozent zu, das heißt pro Dekade um zwei Jahre – bei gleichzeitiger Ausdünnung der Gruppe der unter 60-Jährigen die Regelaltersgrenze unverändert lassen sollte, wenn gleichzeitig der Arbeitsmarkt eine längere Erwerbsphase ermöglicht.

Eine solche Entwicklung ist auch aus dem Blickwinkel der privaten und betrieblichen Altersvorsorge erfreulich und begrüßenswert, denn sie ermöglicht den Menschen – noch dazu in der gegenwärtigen Niedrigstzinsphase – erleichterte Ansparbedingungen.

Wie wirken sich die erleichterten Ansparbedingungen in der Praxis aus?

Spart zum Beispiel eine heute 50-jährige Person 100 Euro monatlich langfristig mit einem Zinssatz von 1,5 Prozent bis zum 67. Lebensjahr in der Schicht 3 und finanziert sie sich damit eine Leibrente mittlerer Art und Güte, so bekommt sie gegenwärtig circa 100 Euro Monatsrente – also genau so viel wie ihr Beitrag. Würde das Rentenbeginnalter von 67 auf 70 verschoben, ließen sich mit 100 Euro Monatsbeitrag hingegen 133 Euro Monatsrente finanzieren.

Der Finanzierungsstress bei der privaten Vorsorge würde also abnehmen, was auch unter dem Gesichtspunkt vorteilhaft ist, dass sich sehr viele Menschen erst nach Vollendung ihres 40. Lebensjahres zum ersten Mal zu einer privaten Vorsorge durchringen können. Würde man das Angebot staatlich geförderter Altersvorsorge der Schichten 1 und 2 nutzen, würde ein späterer Renteneintritt sogar ein noch besseres Verhältnis aus Eigenbeitrag und
verfügbarer Rente bewirken.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Michael Sommer

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen Cash.-Magazin 06/2016.

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