22. September 2016, 08:00
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Daten automatisch per Knopfdruck? Ein mühsamer Weg!

Robo-Advisor, vollständig automatisierter Datenaustausch, mehr Beratungseffizienz durch Digitalisierung – gut klingende Schlagwörter, die die Augen der Vermittler zum Leuchten bringen. In der Banking-Welt ist vieles davon bereits umsetzbar. Die Versicherungswirtschaft kämpft noch mit der Disitalisierung. Die Haff-Kolumne

Daten automatisch per Knopfdruck? Ein mühsamer Weg!

“Vieles hängt davon ab, dass sich alle Markteilnehmer zügig auf Standards einigen, diese umsetzen und verlässliche IT-Lösungen entwickeln.”

Konto- und Depotdaten elektronisch auszutauschen ist relativ einfach. Durch Gesetze und Richtlinien sorgt sogar die EU dafür, dass – nach eigener Aussage – “Wettbewerb, Innovation und Sicherheit” gefördert werden. Damit entsteht nicht nur ein verbindliches Umfeld für den Zahlungsverkehr und die elektronische Datenverfügbarkeit, sondern auch die Basis für den aktuellen Fintech-Boom. Die Zugriffsmöglichkeiten erlauben es neuen Anbietern mit innovativen Lösungen auf den Markt zu kommen.

Versicherungsdaten weniger klar strukturiert

Davon ist beim Pendant “Insurtech” vergleichsweise wenig zu spüren. Die Versicherungswirtschaft kämpft mit der Digitalisierung und deren Umsetzung in der Praxis. Oder überhaupt an möglichen Standards zum Datenaustausch. Vieles liegt dabei an der Art der Daten selbst. Bankdaten sind im Vergleich zu Versicherungsdaten klar strukturiert. Eine Lastschrift ist festgelegt auf beispielsweise Datumsangabe, Buchungstext und Betrag. Wertpapiere durchlaufen Genehmigungsverfahren und können über Kennnummern gefunden werden.

Gut gepflegte Datenbanken bieten hierzu alle möglichen Hintergrundinformationen. Relevante Parameter sind vorgegeben und für die Verarbeitung vorbereitet. Im Gegensatz dazu können Versicherungsbedingungen (fast) beliebig gestaltet sein. Verschiedenste Tarifgenerationen, Maklerkonzepte und Sonderklauseln sind nur ein paar der Möglichkeiten. Hinter den Angaben zu Sparte, Versicherungsbeginn und Versicherungsumfang verstecken sich viele Informationen, die schwer auf einen Nenner zu bringen ist.

Markteilnehmer müssen sich zügig auf Standards einigen

Es wird komplex, wenn es darum geht herauszufinden, was genau ein Kunde in welcher Form versichert hat und wie dies elektronisch übermittelt werden kann. Ein weites Feld von der Datenqualität bis hin zur Verfügbarkeit. Bankanwendungen sind darauf ausgerichtet rund um die Uhr abrufbar zu sein. Diesen Eindruck gewinnt man von technischen Lösungen auf Versichererseite nicht immer. Verständlich, war dies in der Vergangenheit auch nicht notwendig. In Zukunft wird genau dies aber notwendige Grundlage für eine reibungslose Zusammenarbeit.

Ebenso wie die Möglichkeit Daten strukturiert und mit den nötigen Hintergrundinfos zu Versicherungsdetails erhalten zu können. Der Weg bis zur vollautomatischen Kundenberatung “auf Knopfdruck” wird noch mühsam sein. Vieles hängt davon ab, dass sich alle Markteilnehmer zügig auf Standards einigen, diese umsetzen und verlässliche IT-Lösungen entwickeln. Bis dahin bleibt dem Versicherungsvermittler nur der neidvolle Blick auf die Möglichkeiten in anderen Bereichen – und er muss sich bei Automatisierungs-Lücken mit eigenen Lösungen behelfen.

Tobias Haff ist COO des B2B-Insurtech-Unternehmens massUp. Davor hat er Procheck24, den B2B-Bereich des Vergleichsportals Check24, aufgebaut. Bereits seit 1997 entwickelt er Internetprojekte mit dem Fokus auf Finanzdienstleistungen. Er hat den Markt für unabhängige Ratenkreditvermittlung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt, Produktinnovationen zur Einkommensabsicherung und Online-Vertriebstools für Finanzvermittler erfolgreich am Markt eingeführt.

Foto: Tobias Haff

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