20. September 2016, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Liebe Fintechs, Verbraucherschutz geht anders!

Ihr Fin- und Insurtechs seht Euch als Innovatoren. Mit kreativen Ideen und neuen Ansätzen wollt Ihr die Branche umkrempeln und die Bedürfnisse der Kunden ins Zentrum rücken. Aber auch wenn man sich im Lager des Kunden wähnt, muss man sich an die Regeln des Verbraucherschutzes halten. Die Pradetto-Kolumne

Liebe Fintechs, Verbraucherschutz geht anders!

“Wenn Insurtechs nicht anfangen, Verbraucher- und Datenschutz ernst zu nehmen, kommt eines schönen Tages eine Bafin, ein arglistiger Wettbewerber oder eben ein Verbraucherschützer daher und terminiert einfach mal das ganze Geschäftsmodell.”

Ich mag Euch Fin- beziehungsweise Insurtech-Teams! Ihr seid meistens ein Haufen cooler junger Leute – unverkrampft, locker und voll sprühender Ideen. Man kann viel von Euch lernen. Am liebsten mag ich Eure Einstellung zum Kunden: Für ihn soll alles einfacher werden. Ihr wollt dem Kunden dienen. Es gibt aber auch eine Kehrseite: Eure Fintech-Welt träumt von der Disruption und besäuft sich an ihrem ach so innovativen Wesen, macht dabei aber jeden einzelnen Fehler neu.

Statt von Erfahrungen profitieren zu wollen, wischt Ihr sie herablassend zur Seite. Einer dieser alten Fehler ist die Einstellung zum Verbraucherschutz. Den haltet Ihr für überflüssig, weil ihr  ja selbst eigentlich der größte und beste Verbraucherschützer seid. Ich kenne das von Maklern. Sie sehen sich als Sachwalter des Mandanten auf der Seite des Kunden und – so viel muss man zugestehen – leben diesen Gedanken wirklich leidenschaftlich.

Schutz für den Kunden ist wichtig

Das geht so weit, dass manche Makler den Kampf des Kunden um eine großzügige Schadenregulierung oder eine aufschlagslose Risikoannahme mit ihren eigenen Interessen verwechseln. Fast beleidigt reagieren Makler deshalb, wenn Verbraucherschützer die Leistung von Maklern kritisieren. Da wird dem Verbraucherschutz die Kompetenz abgesprochen, ihm sogar Parteinahme und eigene monetäre Interessen unterstellt. Das mag teilweise durchaus zutreffen, nur ändert das rein gar nichts an der Aufgabe der Verbraucherschützer.

Es ist ein Irrtum wenn Makler glauben, das Kritik der Verbraucherschützer unangemessen wäre, da sie sich selbst auf Seiten des Verbrauchers wähnen. Aufklärung, Schutz und Wachsamkeit für den Kunden sind wichtig. Diese Aufgabe gibt dem Verbraucherschutz eine Bedeutung, die nahezu eine institutionelle Funktion für die Gesellschaft rechtfertigen und niemand erhebt zu Recht den Anspruch der bessere Kundenschützer zu sein. Denn auch wenn die Verbraucherschützer einmal falsch liegen – und das tun sie ganz sicher nicht selten –, ist es nun einmal ihre Aufgabe den Kunden gerade dort vor Anbietern zu schützen, wo diese durch einen voreingenommenen Blick Kunden bevormunden oder benachteiligen.

Jetzt kommt dann also Ihr und glaubt,die größten Kunden-Interessenvertreter zu sein, weil Ihr verkrustete Strukturen aufbrecht, den Kunden in den Mittelpunkt stellt und guten Service anbietet. Dabei habt Ihr zweifelsohne mit vielem Recht. Greift etablierte Gedanken an! Nur weil etwas seit 300 Jahren eingespielt ist, bedeutet dies nicht, dass dies angesichts neuer technischer Möglichkeiten immer noch der sinnvollste Weg ist. Allerdings wischt Ihr Revoluzzer dabei auch gerne alles weg, was Kundenschutz ausmacht.

Seite zwei: Der Zweck heiligt die Mittel?

Weiter lesen: 1 2

2 Kommentare

  1. Herr Pradetto formuliert ja schmissig, schmeisst aber Fintechs undifferenziert in eine Topf. Es gibt mittlerweile viele seriöse, BaFin-regulierte Fintechs, deren Standards weit über die von Maklern und Vermittlern hinausgehen und entsprechen Lob von Verbraucherschutzverbänden ernten.

    Kommentar von Loranz — 20. Oktober 2016 @ 03:09

  2. Lieber Herr Pradetto, ich bin kein Freund von plakativen Aussagen, seien sie auch nur zum Zweck geäußert, die Menschen aufzurütteln. ABER: Hier muss ich Ihnen durchaus Recht geben. Wie kann es sein, dass eine ganze Branche unter der steigenden Regulierungswut leidet und tausende von Arbeitplätzen verschwinden; auf der anderen Seite aber die so genannten “innovativen” Insuretechs all´ diese Regelungen einfach über Bord werfen und sich massiv gegen geltendes Recht stellen. Hierbei ist es völlig egal, ob die geltenden Regelungen sinnvoll oder zum Nutzen des Kunden sind. Sie sind da und JEDER muss sich daran halten! Das hier der Gesetzgeber nicht wesentlich entschiedener auftritt und einschreitet BEVOR solche APP´s und Produkte an den Markt gehen ist mir völlig unverständlich. Ich denke die gesamte Branche ist sich einig, dass die momentan herrschende Überregulierung der Finanzbranche in keinster Weise dem Kunden geholfen hat, im Gegenteil. Dem Kunden hilft Ehrlichkeit und ein funktionierender Service auf allen modernen Ebenen. Hier wäre eine Chance für Insuretechs, aber massiv gegen Gesetze zu verstossen, schädigt nicht nur Ihrem eigenen Ruf, sondern leider, mal wieder den Ruf der gesamten Branche und ist somit mehr als kontraproduktiv. Schade, denn eine Mischung aus innovativer Technologie und juristisch einwandfreier Abwicklung der Kundenprozesse, wäre das, was die Menschen brauchen und wollen. Ihnen Herr Pradetto vielen Dank für die klare Sicht auf dieses Thema und die offenen Worte an dieser Stelle. Vielleicht braucht es in Deutschland mehr Menschen, die sich trauen das zu sagen, was sie meinen UND auch zu Ihren Worten stehen. Danke.

    Kommentar von Uwe Kaufmann — 21. September 2016 @ 08:10

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Über ein Drittel kann die Garantieverpflichtungen nicht erfüllen

Bei 30 von 84 Lebensversicherern reichen die 2018 (2017: 39) erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen. Diese Unternehmen müssen dafür Erträge aus Risiko und Verwaltung in die Rechnung einbeziehen. Das zeigt die Policen Direkt-Analyse der aktuell veröffentlichten Zahlen zur Mindestzuführungsverordnung.

mehr ...

Immobilien

Betriebskostenabrechnung: 5 Tipps für Vermieter

Heizung, Wasser, Abwasser, Müllentsorgung, Versicherungen, Gebäudereinigung, Verwaltungskosten, Leerstand und mehr: Was ist umlagefähig, was nicht? Vor dieser Frage stehen Eigentümer von Mietimmobilien spätestens dann, wenn sie die jährliche Betriebskostenabrechnung erstellen und bestimmte Mindestanforderungen beachten müssen. Gerade Vermieter von kleineren Immobilien, die diese selbst verwalten, werden dabei vor einige Herausforderungen gestellt. Der Full-Service Immobiliendienstleister McMakler fasst daher zusammen, was zu einer rechtssicheren und ordnungsgemäßen Betriebskostenabrechnung gehört.

mehr ...

Investmentfonds

Deutschland auf einem guten Weg zum “Krypto-Heaven”

Die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses nach der gestrigen Sitzung schafft Klarheit zu einigen Fragen, die seit Veröffentlichung der Referenten- und Regierungsentwürfe diskutiert worden waren. Der Finanzausschuss spricht sich für eine Streichung des viel diskutierten „Trennungsgebots“ aus, wonach das Kryptoverwahrgeschäft und andere regulierte Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen nicht aus der gleichen rechtlichen Einheit heraus angeboten werden könnten.

mehr ...

Berater

Was Frauen gegen Altersarmut tun können

Nadine Kostka von der Finanzberatung Sommese gibt zehn Tipps für Frauen, um gezielt gegen Altersarmut vorzubeugen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marvest startet drittes Crowdinvesting-Projekt

Die auf den maritimen Sektor spezialisierte Online-Plattform Marvest hat ihr drittes Projekt für Investoren veröffentlicht. Die Anleger können über eine “Schwarmfinanzierung” in ein Darlehen für einen Mehrzweckfrachter investieren. 

mehr ...

Recht

Blitzer-Urteil: Messungen von privaten Dienstleistern sind rechtswidrig

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat in einer Grundsatzentscheidung bestätigt, dass Verkehrsüberwachungen durch private Dienstleister gesetzeswidrig sind und auf einer solchen Grundlage keine Bußgeldbescheide erlassen werden dürfen (Beschluss vom 6.11.2019, Az. 2 Ss-OWi 942/19).

mehr ...