6. Dezember 2016, 06:13
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bAV-Reform: Arbeitslosigkeit für Vermittler?

Die Chancen, dass die Große Koalition nach den zähen Verhandlungen mit Gewerkschaften und Arbeitgebern noch große Änderungen an ihrem Gesetzentwurf vornehmen wird, sind eher gering. Somit bleibt die Frage, welche Möglichkeiten sich künftig bAV-Vermittlern bieten werden.

Nahles-Rente

Fabian von Löbbecke, HDI: “Wenn die Nahles-Rente käme, könnte sie viele bAV-Vermittler arbeitslos machen, da eine Beratung durch Experten bei ihr nicht vorgesehen ist – um Kosten zu sparen.”

Dr. Stefanie Alt, Vorstand der Nürnberger Pensionsgesellschaften, erwartet, dass sich Vermittlung und Beratung jedenfalls nicht vereinfachen werden: “Im Grunde steht für den Arbeitnehmer zunächst die Finanzierbarkeit als zentrales Kriterium im Raum. Das heißt, auf welchen Teil seines Lohns kann und will er langfristig verzichten und welchen Beitrag kann er angesichts der individuellen Belastungsgrenze in einem bAV-Vertrag anlegen. Darüber hinaus müssen die durchaus komplexen Rahmenbedingungen der bAV erklärt werden, denn sie werden häufig nicht richtig verstanden und damit die Vorteile der bAV im Vergleich zu anderen Vorsorgeformen verkannt.”

Aufgabe des Vermittlers sei es, hier ein Vertrauensverhältnis herzustellen. “Den Arbeitnehmer bewegt die Frage, ob sich ein Engagement unter seinen individuellen Voraussetzungen überhaupt lohnt, ob die Leistung auch nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ausreichend hoch ist, ob die Leistung durch Anrechnung auf die Grundsicherung verpuffen wird und Ähnliches”, so Alt weiter.

All dies müsse der Vermittler leisten. “Eine wahrlich nicht einfache Aufgabe angesichts der Komplexität der Materie”, so Alt. Durch die bAV-Reform dürfte sie noch anspruchsvoller werden.

Große Chancen in der bAV

Nach Einschätzung Fabian von Löbbeckes, Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für die bAV bei HDI, bieten sich für Vermittler grundsätzlich große Chancen in der bAV.

Seite zwei: bAV-Vermittler obsolet

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3 Kommentare

  1. In der Tat ist man im politischen Berlin von den Nöten der Bürger und Arbeitnehmer sehr weit weg.
    Eigentlich sollte man als bAV – Spezialist keine Angst haben, denn die bisherige bAV wird ja nicht gänzlich abgeschafft sondern es kommt ein zusätzliches kaum noch zu vermittelndes Bürokratiemonster hinzu.
    Das bietet doch die Möglichkeit den Arbeitnehmer eine Gegenüberstellung anzubieten , bei der die Vor- und Nachteile dargestellt werden.Natürlich sollte man bei dieser Geschichte den Arbeitgeber und die Versicherer nicht ganz vergessen, denn die werden beide kein gesteigertes Interesse daran haben eventuelle Garantien wie bei einer bolZ oder einer bzML einzugehen.
    Hier liegt für mich der Pferdefuss, denn warum sollte ein AG oder eine Versicherung eine Garantie übernehmen, wenn es eine haftungsfreie Zone gibt und der AN das komplette Anlagerisiko ganz alleine zutragen hat, dass einer ober -SOZI sowas einfällt und das dann noch als sozialen Akt zu verkaufen entbehrt jedweder Diskussion. Das passende Zitat hierzu : Denn sie wissen nicht was sie tun !!!
    Bin gespannt wie lange es seitens der Versicherungen überhaupt noch Tarife mit Garantiezusagen gibt, denn der Trend ist ja heute schon hin zu FLV´s mit Beitragsgarantie. Viele Versicherer bieten schon heute keine solchen Tarife mehr an. So wird aus der durchaus vernünftigen bAV eine Zockebude und die vermeintliche bAV – Rente verkommt für den AN zum Optionsschein. Kann gut gehen aber auch nicht, bin mal gespannt wer den Arbeitnehmern das Totalverlustrisiko erklärt. es ist doch die Frage warum wird die bAV von so vielen nicht angenommen trotz angebotener freiwilliger Zuschüssen des AG ? Bei vielen reicht der verbleibende Nettoverdienst gerade von Monatsanfang bis Monatsende , da ist ein zusätzlicher Gehaltsverzicht einfach nicht drin.
    Gerade bei der Zielgruppe der Geringverdiener ist dies ja sehr ausgeprägt vorzufinden.
    Aus meiner Sicht ist dies ein durch die Hintertür veranstaltetes Rettungsprogramm für die stark angeschlagene Versicherungswirtschaft , den noch eine LVRG würde viel zu hohe Wellen schlagen und wäre auch nicht durchzusetzen.
    Uwe Hummel Fachberater bAV ebs

    Kommentar von Uwe Hummel — 6. Dezember 2016 @ 10:19

  2. Hat Frau Nahles sich überhaupt schon einmal mit einem normalen Arbeiter in Deutschland ein Gespräch gesucht und nachgefragt, wie das mit der bAV in Deutschland funktioniert. Wie sieht es im Rentenbezug aus? Lohnt eine versicherungsförmige bAV überhaupt nach Abzug von Steuer und vollem Beitragsanteil für KV und PV ? Hätte die Politik Rückrad gezeigt, hätte sie das System der bAV für den Verbraucher vereinfacht und nicht wie nun geschehen wird, verkompliziert. Aber so sind wir Deutschen eben. Wir müssen das Rad immer wieder neu erfinden.

    Kommentar von H. Kehmer — 6. Dezember 2016 @ 08:38

  3. Ist es nicht schon jetzt besser arbeitslos zu sein als diese Produkte zu verkaufen? Was ist denn z. B. mit dem § 314 VAG (der alte §89), ist dieser Paragraf inzwischen abgeschafft worden? Was macht denn der Kunde, der seine versprochene Rente nicht erhält? Verklagt der Kunde dann den Arbeitgeber und der danach zusammen mit dem Kunden den Vermittler, weil das mehr Aussicht auf Erfolg hat als die Versicherung zu verklagen? Die Versicherungen sind nicht verklagbar, sie haben doch den §314 VAG bei der Politik durchgesetzt.

    Kommentar von H. Braun — 6. Dezember 2016 @ 08:25

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