„bAV-System wird komplexer und die Vermittlung schwerer“

Die Assekuranz sieht die geplante Betriebsrenten-Reform kritisch – doch wie wird sie von Beratern beurteilt? Macht sie die Vermittlung von bAV-Produkten leichter oder schwerer? Cash.Online hat mit Elke Scholz-Krause, geschäftsführende Gesellschafterin der Finanzberatung ESK Cityfinanz GmbH, gesprochen.

"BU aufgrund psychischer Erkrankungen ist in den letzten rund zehn Jahren stark angestiegen."
Elke Scholz-Krause: „Das ganze bAV-System wird wieder einmal komplexer.“

Cash.Online: Betriebsrenten sollen vor allem bei Geringverdienern und in kleineren Betrieben weiter verbreitet werden. Wird dieses Ziel mit der bAV-Reform erreicht?

Scholz-Krause: Aus meiner Sicht ist diese Möglichkeit zwar theoretisch vorhanden, ob tatsächlich bei Geringverdienern eine weitere Verbreitung erreicht werden kann, wage ich zu bezweifeln. Das ganze System der bAV wird wieder einmal komplexer, denn es wird eine bAV Welt I und eine bAV Welt II geben. Eine Unterscheidung zwischen „freier“ bAV und bAV im Sozialpartnermodell wird einen hohen Beratungsbedarf hervorrufen. Doch wer soll diese komplexe Beratung durchführen? Kleine Betriebe werden sich einen bAV-Experten kaum leisten können, für den ein Honorar gezahlt werden muss.

Schauen wir uns allein das Beispiel der Förderung für Geringverdiener an. Der Arbeitgeber kann 30 Prozent seiner Aufwendungen steuerlich geltend machen, aber die Beiträge müssen in ein ungezillmertes Produkt fließen. Das heißt, es soll wieder einmal am Vertrieb gespart werden – also an der Beratung.

Tatsache ist, dass kaum ein kleiner Betrieb in der Lage sein wird, das noch komplexere System zu verstehen – also wird sich wenig verändern. Jede Firma, die sich eine fundierte Beratung auf Honorar leisten kann bzw. möchte, wird dazu beitragen, dass ihre Geringverdiener im Unternehmen für eine größere Verbreitung sorgen werden – aber ob das die „Masse“ ist, darf bezweifelt werden.

Seite zwei: bAV-System wird noch komplexer

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