22. August 2017, 06:00
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“Bürgerversicherung ist ein schönes Wort für Entmündigung”

Eine einheitliche Bürgerversicherung soll nach dem Willen der SPD für mehr Gerechtigkeit im Gesundheitssystem sorgen. Im Interview mit Cash. findet Dr. Walter Botermann, Vorstandschef der Hallesche Krankenversicherung, deutliche Worte im Bezug auf diese Forderungen.

Bürgerversicherung: Ein schönes Wort für Entmündigung

Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender des Alte Leipziger-Hallesche Konzerns

Cash.: Herr Dr. Botermann, wie beurteilen Sie die Forderung der SPD nach einem Systemwechsel in der Krankenversicherung, also die Einführung einer Bürgerversicherung, die das bisherige duale System ersetzt?

Botermann: Bürgerversicherung ist ein schönes Wort für Entmündigung und steht für ein staatlich gesteuertes Einheitssystem. Die bisherige duale Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems hat zu einer qualitativ hohen Versorgung aller Versicherten geführt.

Länder mit staatlichen Versicherungssystemen wie Großbritannien, Niederlande und Spanien haben demgegenüber ein Gesundheitssystem, das zwischen denjenigen, die wirtschaftlich in der Lage sind, ihre Leistungen selbst zu bezahlen und den im staatlichen System Versicherten scharf trennt.

Diese staatlichen Systeme sind qualitativ erheblich schlechter als unser duales System und können nicht als Vorbild dienen.

Kaum irgendwo sonst lasse sich das Gefühl von Ungerechtigkeit so hautnah erleben wie bei der Besserbehandlung der Besserverdienenden in den Arztpraxen, argumentieren Befürworter der Bürgerversicherung. Was halten Sie von diesem Argument?

Botermann: Ich bin mir nicht sicher, ob diese oft propagierte Ungleichbehandlung tatsächlich existiert. Die medizinische Versorgung ist beispielsweise im Notfall gleich. Es kommt der gleiche Notarzt mit denselben Notfallgeräten und bringt den Patienten in dieselbe Notaufnahme im Krankenhaus.

Die eingerichteten Terminzentren für gesetzlich versicherte Patienten verzeichnen eine sehr geringe Nachfrage, gleiches gilt auch für die von einigen Krankenkassen eingeführten Termincenter.

Darüber hinaus kann ich mir nicht vorstellen, dass die gesetzlichen Krankenkassen, die einen Marktanteil von 90 Prozent in Deutschland besitzen, für ihre Kunden einen Termin im ambulanten Bereich nicht durchsetzen können.

Seite zwei: Wahrnehmung zulasten der PKV

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3 Kommentare

  1. Volle Zustimmung! Betrachtet man bereits heute, wie unterschiedlich die Leistungszusagen sind, wie unterschiedlich die Finanzpolster der einzelnen Kassen sind und wie lange alleine schon die Wartezeiten bei der Begutachtung sind, sind wir kurz vor der Entmündigung.

    Kommentar von Frank Dietrich — 23. August 2017 @ 08:35

  2. Vor allem sind doch alle Politiker privat versichert, das ist doch mal ein Witz!

    Kommentar von Jan Lanc — 22. August 2017 @ 10:04

  3. Leider ist die Entmündigung der Bürger bei unseren Politikern in Mode gekommen. Es ist schon bezeichnend, dass es keinen einzigen Politiker gibt, der als Ziel die Versorgung aller Bürger auf Privatversicherten-Niveau hat. Alle Politiker wollen nur, dass alle Bürger gleich schlecht versorgt werden.

    Kommentar von R. André Klotz — 22. August 2017 @ 07:16

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