Bürgerversicherung: „Wir spielen um ein hohes Gut“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will eine gesetzliche Krankenversicherung für alle einführen, falls er nach der Bundestagswahl ins Kanzleramt einzieht. Cash. sprach mit Dr. Thilo Schumacher, Vorstand der Axa Krankenversicherung, über die Pläne für eine Bürgerversicherung.

Thilo Schumacher, Axa
Thilo Schumacher: „Wir gehen nicht davon aus, dass es eine Bürgerversicherung geben wird.“

Cash.: Herr Dr. Schumacher, wie beurteilen Sie die Forderungen von SPD, Grünen und Linken nach einem Systemwechsel in der Krankenversicherung?

Schumacher: Ich bin überzeugt, dass das duale Versicherungssystem das richtige für Deutschland ist. Viele halten unser System für eines der besten der Welt. Wir spielen also bei dieser Diskussion um ein hohes Gut. Gerade der Systemwettbewerb zwischen GKV und PKV hat einen wesentlichen Anteil an der hohen Versorgungsqualität im gesamten deutschen Gesundheitswesen: Er zwingt beide Seiten dazu, Leistungsniveau als auch Kosten im Auge zu behalten. Die PKVen sind im Gesundheitswesen darüber hinaus Motor der Innovation, von der GKV-Versicherte ebenfalls profitieren. Die Herausforderung für alle Beteiligten besteht darin, die bisherige gute medizinische Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten.

Die sogenannte Bürgerversicherung bietet hierfür keine Lösung. Und dies trotz steigender Kosten des medizinisch-technischen Fortschritts sowie einer demografischen Entwicklung, die ich auch gerne als „Dreifach-Turbo“ bezeichne. Erstens werden immer weniger Kinder geboren – und diejenigen, die die Baby-Boomer im Alter finanzieren sollen, müssten schon geboren sein. Zweitens haben wir als Resultate in unserer Gesellschaft immer mehr ältere Menschen. Und drittens leben die Menschen auch immer länger. In Hinblick auf das Versorgungsmanagement hat diese Verschiebung der Alterspyramide gravierende Folgen: Die Menschen werden zwar älter, dürfen gleichzeitig aber eigentlich dennoch nicht länger krank sein, damit Gesundheit für alle bezahlbar bleibt.

Vor allem der komplette Verzicht auf Altersrückstellungen verschärft das demographische Problem der Krankenversicherung unnötig noch weiter. Die aktuelle Diskussion um die Bürgerversicherung ist weniger gesundheitspolitisch ausgerichtet, sondern vielmehr ein „sozialpolitisches Projekt“ mit gesellschaftspolitischer Relevanz. Gesundheitsökonomische und (verfassungs-)rechtliche Betrachtungen bleiben dabei bislang häufig im Hintergrund bzw. sind sogar gänzlich ungeklärt. Die Überführung der PKV in das Regelwerk der GKV wäre die faktische Abschaffung der privatwirtschaftlichen Alternative zum sozialstaatlichen Versicherungsschutz. Das Ergebnis wäre eine Einheitsversicherung, in der allein der Staat darüber entscheidet, wie hoch der Beitrag ist und welche Gesundheitsleistungen dem Einzelnen bewilligt werden oder eben nicht.

Seite zwei: „Bürgerversicherung fördert Zwei-Klassen-Medizin“

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