„Nicht jede Klausel macht Sinn“

Die geringe Verbreitung von BU-Policen ist auch deshalb so ärgerlich für die Versicherer, weil ihre Produkte nach Einschätzung von Analysten noch nie so leistungsfähig waren wie heute. Doch es gibt auch Kritikpunkte.

Michael Franke: "Wichtig ist eine durchgängig hohe Qualität der Bedingungen."
Michael Franke: „Wichtig ist eine durchgängig hohe Qualität der Bedingungen.“

Das Missverhältnis ist offensichtlich: Zwar ist statistisch gesehen jeder fünfte Bundesbürger vom Schicksal betroffen, berufsunfähig zu werden. Doch nur etwa ein Fünftel der Deutschen verfügt über eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung. Offenbar verdrängen viele Deutsche das Risiko – oder sie vertrauen auf die Leistungen der gesetzlichen Berufsunfähigkeitsrente. Die liegt aber oft unter einem Drittel des letzten regulären Monatsgehalts und reicht nicht aus, um den bisherigen Lebensstandard zu wahren.

Schuld an der geringen Marktdurchdringung von BU-Policen sind aber nicht nur die Kunden, sondern auch die Versicherer, wie Ellen Ludwig betont, Geschäftsführerin des Analysehauses Ascore: „Einerseits liegt das natürlich am Kunden, der nicht die Notwendigkeit für den Abschluss einer BU sieht oder zu lange gewartet hat, sprich zu alt ist, Vorerkrankungen hat und eventuell andere Versicherungen vorgezogen hat oder nicht das nötige Kleingeld aufbringen kann. Denn eine BU kostet ein bisschen was. Es liegt aber auch an den Versicherern, die in den letzten zehn Jahren einen Wettbewerb um die guten Kunden, also die ganz gesunden in der Risikoberufsgruppe 1 und 2, gestartet haben. Um diese gab es einen richtigen Kampf, die anderen wurden eher links liegen gelassen.“ Das Problem ist also auch hausgemacht.

Gestiegene Transparenz

Die geringe Verbreitung ist auch deshalb so ärgerlich für die Versicherer, weil ihre BU-Policen noch nie so leistungsfähig waren wie heute. Das sagt jedenfalls Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke & Bornberg. Er muss es wissen, denn seine Analysegesellschaft führt regelmäßig BU-Ratings durch. „1995, als unser erstes Rating entstand, gab es gerade einmal zwei Berufsgruppen – eine für kaufmännisch tätige und die andere für körperlich arbeitende Menschen. Frauen mussten pauschal 50 Prozent mehr zahlen als Männer und Tarifstandards lagen noch in weiter Ferne. Diese Zeiten sind passé“, erklärt er. Nicht zuletzt als Ergebnis kritischer Ratings und gestiegener Transparenz hätten sich verbraucherfreundliche Standards im Markt etabliert.

Seite zwei: Folgen des schleppenden Absatzes

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