Riester-Comeback durch Vereinfachung

Die private Altersvorsorge bedarf dringend einer Stärkung. Die Riester-Rente steht mit über 16 Millionen Verträgen bereits auf einem beachtlichen Fundament und hätte durch eine Gemeinschaftsanstrengung von Politik und Anbietern die Chance auf ein Comeback verdient. 

Die Weirich-Kolumne

Professor Dieter Weirich, Sprecher des Deutschen Instituts fuer Altersvorsorge (DIA), vor dem Reichstag, dem Sitz des deutschen Bundestags in Berlin, (12.09.12).
Professor Dieter Weirich, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA): „Statt an unbezahlbaren Zukunftsvisionen wie der Hebung des Rentensicherungsniveaus herumzubasteln, sollten sich die politisch Verantwortlichen mit Konzepten für eine Riester-Frischzellenkur beschäftigen.“

Rente mit 63 nach 45 Versicherungs-Jahren, Mütterrente, Rentenangleichung zwischen Ost und West, Stärkung der Betriebsrenten – mangelnden Eifer bei der Altersvorsorge kann man der Großen Koalition nicht vorwerfen.

Vergessen haben aber die Partner in dieser nun zu Ende gehenden Legislaturperiode, dass die Alterssicherung auf drei Säulen steht, der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge.

Unberechtigte Problematisierung

Die Riester-Rente hätte durch eine Gemeinschaftsanstrengung von Politik und Anbietern durchaus die Chance auf ein Comeback, ist sie doch eine zukunftsgerichtete ordnungspolitische Lösung.

Statt über Verbesserungen bei der Riester-Förderung nachzudenken, wurde diese Form der privaten Vorsorge aber unberechtigterweise problematisiert, auch wenn es im Betriebsrenten-stärkungsgesetz jetzt bescheidene Ansätze zur Attraktivierung dieser Angebote gibt.

So wurde die entsprechende Zulage von 154 auf 165 Euro im Jahr erhöht. Besonders kurios ist die Abneigung in der SPD gegenüber dem Riester-Sparen, handelt es sich bei dieser Innovation doch um einen Impuls zu mehr Eigenverantwortung aus der „politischen Werkstatt“ des früheren Gewerkschaftsführers und SPD-Arbeitsministers Walter Riester.

Er erleidet damit das gleiche Schicksal wie sein damaliger Kanzler Gerhard Schröder, der mit der Agenda 2010 Deutschland vom kranken Mann Europas in den führenden Wirtschafts-Motor des Kontinents verwandelt hat und sich vor seinen Genossen dafür rechtfertigen muss.

Weiterführende Ziele statt Rückabwicklung

Wer wie zahlreiche Sozialpolitiker der SPD und der Linken die Rückabwicklung von Riester forderte und damit die Verbraucher unverantwortlich verunsicherte, braucht sich über die zurückgehende Anziehungskraft der Riester-Offerten nicht zu wundern.

So gab es 2016 den schwächsten Zuwachs seit 2002. Mit 16,542 Millionen abgeschlossenen Riester-Verträgen lag die Anzahl nur noch um 0,4 Prozent über dem Stand von Ende 2015. Die Rentenversicherungen gingen sogar um 0,8 Prozent zurück, die Anzahl der staatlich geförderten Banksparverträge fiel im Vorjahresvergleich sogar um 3,7 Prozent.

Seite zwei: In jeden fünften Riester-Vertrag wird nicht mehr eingezahlt

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