Anzeige
27. November 2017, 13:57
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Zentrales Anliegen”: Neue Diskussion um Bürgerversicherung

Nachdem die SPD am Abend der Bundestagswahl verkündet hatte, in die Opposition gehen zu wollen, schien das Thema Bürgerversicherung vom Tisch. Das könnte sich nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen nun ändern. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach fordert bereits vor möglichen Verhandlungen über eine Neuauflage der Großen Koalition eine Bürgerversicherung.

Lauterbach SPD in Zentrales Anliegen: Neue Diskussion um Bürgerversicherung

Karl Lauterbach, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

Sie sei “zentrales Anliegen” seiner Partei, sagte er der “Passauer Neuen Presse” vom Montag. “Wir wollen eine Bürgerversicherung mit einem gemeinsamen Versicherungsmarkt ohne Zwei-Klassen-Medizin”, so Lauterbach.

Nach dem Wahlprogramm der SPD soll eine gesetzliche Krankenversicherung für alle eingeführt werden. Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte dies bereits vor dem offiziellen Wahlkampfauftakt seiner Partei als “wichtiges Projekt” bezeichnet.

Betriebsräte reagieren prompt

Die Betriebsratsinitiative “Bürgerversicherung? Nein danke!”, der nach eigenen Angaben über 1.000 Betriebsräte aus Unternehmen der privaten Krankenversicherungen angehören, reagierte prompt auf die Äußerungen Lauterbachs und wies auf mögliche negative Folgen einer Bürgerversicherung hin.

“Allein mehr als 50.000 Arbeitsplätze gingen kurzfristig in der privaten Krankenversicherung bei Einführung einer Einheitskasse verloren“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative. Darüber hinaus würden auch in zahlreichen Arztpraxen, Abrechnungsstellen und bei weiteren Gesundheitsdienstleistern Arbeitsplätze vernichtet.

“Die Gesundheitsversorgung würde für alle schlechter. Akzeptablen Gesundheitsschutz könnten sich dann nur noch die besser Verdienenden leisten. Darin sind sich selbst zahlreiche SPD-Politiker einig, mit denen wir in diesem Jahr gesprochen haben”, erklärte Peter Abend, Sprecher der Betriebsratsinitiative.

Warnung vor Systembruch

Auch der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Uwe Laue, meldete sich umgehend zu Wort: “Wir werden in der Welt um unser Gesundheitssystem beneidet. Die Deutschen sind damit heute so zufrieden wie seit Jahrzehnten nicht. Ganz anders in den Ländern, wo es die ‘Bürgerversicherung’ gibt. Hier müssen Patienten oft monatelang auf Operationen warten.” Ein Systembruch zu einer Einheitskasse würde seiner Meinung nach nur Verlierer erzeugen.

Sollten sich Union und SPD tatsächlich darauf verständigen, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, dürfte das Thema Bürgerversicherung weiter an Fahrt aufnehmen. (kb)

Foto: spdfraktion.de (Susie Knoll/Florian Jänicke)

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

3 Kommentare

  1. Es wäre mal interessant zu erfahren, wieviele Bundestagsabgeordnete dank eines Beamtenstatusses privat zum Arzt gehen? Es handelt sich hier mal anscheinend wieder um eine Neiddebatte.

    Kommentar von Eugen Klaholz — 30. November 2017 @ 08:41

  2. Die SPD hat schon das schlechteste Ergebnis aller Zeiten und kann es nicht lassen sich weiter unbeliebt zu machen.

    Kommentar von Jan Lanc — 28. November 2017 @ 19:05

  3. Da haben der liebe Hr. Lauterbach und die SPD wohl einige wichtige Faktoren übersehen.
    Viele Ärzte sind nur mit den Einnahmen der Privaten Krankenversicherung überlebensfähig! Rund 8% Privatversicherte decken über 20% der Krankenhauskosten ab. Beamte die überwiegend Privat- versichert sind werden deutlich älter. Das bedeutet extrem hohe Kosten, auch wegen Demenz und anderen Alterskrankheiten-Knochenbrüchen etc., die GKV -Beiträge für alle deutlich teurer machen werden.
    Resümee: Finanzpolitisch eine Katastrophe. Auch das ewige Gejammer der Bevorzugung stimmt oft nicht. So war ich in den letzten Jahren beim Hautarzt, Allgemeinmediziner und beim Zahnarzt, ohne den geringsten Vorteil!!
    Selbst bei einem Vorteil, München hat mit die höchste Ärztedichte der Welt, wenn man zum Arzt geht stellt man trotzdem fest das viele Wartezimmer voll sind. Das hat auch mit einer wesentlich höheren Inanspruchnahme zu tun-Weltweit führend!. Der Vermögende wird sich immer die notwendige Zusatzversicherung leisten können, oder zahlt es locker aus seinem Einkommen. In den Wartezimmern wird sich genauso wenig ändern wie SUV-Porsche Fahrer/innen ab sofort nicht nur mehr die Öffis benützen bzw. statt in eine Riesenvilla in eine 3 Zimmer Wohnung einfacher Art zu ziehen. Ich meine das keineswegs überheblich. Generell sollten die Parteien soziale Politik im Sinne Erhards und Geisler dringend verfolgen, da ich andernfalls evtl. eine Eskalierung von Konflikten die nicht immer gewaltfrei sein müssen, erwarte. Wenn ich die Bevorzugung oder Ungleichheit in der Bevölkerung abschaffen will. ist die PKV wohl das letzte, das man in Augenschein nehmen sollte, wie oben angeführt.

    Kommentar von Wilfried Strassnig Versicherungsmakler — 27. November 2017 @ 21:15

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Demografie: Was Finanz- und Versicherungswirtschaft tun müssen

Von den Herausforderungen des demografischen Wandels ist die gesamte Wirtschaft betroffen. In der Finanz- und Versicherungsbranche sind die Auswirkungen allerdings besonders gravierend. Ein Kommentar von Ulrike Hanisch, Campus Institut.

mehr ...

Immobilien

BGH: Kündigungsschutz für langjährige Mieter

Nach 37 Jahren in ihrer Wohnung sollen Mieter aus Bochum ausziehen – vor dem Bundesgerichtshof (BGH) wehren sie sich am Mittwoch um 10.00 Uhr gegen die Kündigung. Das Haus hatte bis 2012 der Stadt gehört, dann wurde es verkauft.

mehr ...

Investmentfonds

Ölpreise steigen wieder

Nach den Verlusten der vergangenen Wochen, ziehen die Ölpreise wieder an. Das liegt unter anderem an dem knapperen Angebot. Ob die Opec-Mitglieder ihre Fördermenge in nächster Zeit reduzieren, ist unentschieden. Russland und Saudi-Arabien sind unterschiedlicher Meinung.

mehr ...

Berater

NordLB: Sachsen-Anhalt könnte Anteile verringern

Im Ringen um eine Zukunft der angeschlagenen Norddeutschen Landesbank (NordLB) hat Sachsen-Anhalt als Miteigentümer noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Es würden alle denkbaren Optionen geprüft, sagte Finanzminister André Schröder (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

mehr ...

Sachwertanlagen

INP kauft drei weitere Pflegeheime

Die INP-Gruppe aus Hamburg hat drei Pflegeeinrichtungen der Wolf-Gruppe aus Eschwege, Hessen, übernommen. Zwei der drei Immobilien wurden für den offenen Spezial-AIF “INP Deutsche Pflege Invest” erworben, die dritte für einen Publikumsfonds.

mehr ...

Recht

Spahns Rentenvorstoß: “Mit vollen Taschen ist gut schenken”

Nicht nur aus den Reihen des Koalitionspartners SPD kommt Gegenwind für den jüngsten Vorstoß von Bundesgsundheitsminister Jens Spahn. Auch der DGB, der Sozialverband VdK und die Deutsche Rentenversicherung kritisieren Spahns Vorstoß, Kinderlose für höhere Rentenbeiträge zur Kasse zu bitten.

mehr ...