BdV: Jeder vierte Versicherer ist angezählt

Besorgniserregende Ergebnisse zeigt die diesjährige Analyse der Solvenzberichte der Deutschen Lebensversicherer. Der Bund der Versicherten e. V. (BdV) hat auch dieses Jahr gemeinsam mit Zielke Research Consult GmbH die Solvenzberichte des Vorjahres in Hinblick auf einen breiten Kanon von Kennzahlen untersucht.

Axel Kleinlein, Sprecher des BdV-Vorstands.

„Uns besorgt, dass ein Viertel der Versicherungsunternehmen nur durch Übergangsmaßnahmen genügend Solvenz aufweist oder strukturell auf Verlust fährt“, erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

„Zwölf Unternehmen hätten ohne Übergangsmaßnahmen keine ausreichende Solvenz“

Positiv hebt Dr. Carsten Zielke, Geschäftsführender Gesellschafter der Zielke Research Consult GmbH, hervor: „Die Transparenz der Berichte hat erneut zugenommen. Aber Run-Off-Versicherer haben auch weiterhin Probleme damit, mit offenen Karten zu spielen.“ „Unterm Strich gibt es kein Unternehmen, bei dem in allen Prüfpunkten Entwarnung gegeben werden kann“, fasst Kleinlein die Untersuchung zusammen.

Die Solvenzquoten unterscheiden sich stark darin, ob sogenannte Übergangsmaßnahmen angesetzt werden oder nur die reine Solvenz betrachtet wird. „Zwölf Unternehmen hätten ohne Übergangsmaßnahmen keine ausreichende Solvenz“, erklärt Zielke. Auffällig ist, dass besonders solche Unternehmen geringe Solvenz aufweisen, die sich in Abwicklung befinden, also im Run-Off.

„Markt bewegt sich ungesund auseinander“

„Offensichtlich sind die Managerinnen und Manager der Run-Off-Unternehmen in Sachen Solvenz sehr risikofreudig“, erklärt Kleinlein. Mit Blick auf die sinkenden Risikomargen über die gesamte Branche hinweg, ergänzt Zielke: „Die Unternehmen kalkulieren zunehmend auf Kante.“

Auch ist zu beobachten, dass branchenweit zwölf Unternehmen zukünftig keine Gewinne erwarten. „Wir sehen solche Unternehmen in ihrer Resilienz, den Schwierigkeiten der Märkte auf Dauer zu trotzen, gefährdet“, analysiert Kleinlein. Bei den Gewinnerwartungen driftet der Markt zunehmend auseinander. Bei einer Mehrheit der Unternehmen zeigt sich, dass sich je nachdem Verlusterwartungen oder überzogene Gewinnerwartungen verstärken. „Der Markt bewegt sich ungesund auseinander“, kritisiert Kleinlein.

 

Seite 2: Wie Run-Off-Versicherer mit dem Status Quo in Verbindung stehen

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