27. Juli 2019, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Mehr als jede zweite Rente unter 900 Euro

Mehr als jede zweite Altersrente in Deutschland liegt unter 900 Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Rentenversicherung und Bundesregierung betonten am Freitag allerdings: Über das tatsächliche Einkommen sage der Wert nichts aus.

Rente in Mehr als jede zweite Rente unter 900 Euro

Den Angaben zufolge betrugen im vergangenen Jahr 51,4 Prozent der Altersrenten weniger als 900 Euro. Betroffen waren 9,4 Millionen Menschen. Über die Regierungsantwort berichtete zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag), auch der Deutschen Presse-Agentur lag sie vor.

Weitere Alterseinkommen nicht berücksichtigt

58,6 Prozent der Renten lagen unter 1000 und 70,8 Prozent unter 1200 Euro. Es handelt sich um die Zahlbeträge nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag.

Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort schreibt, sind weitere Alterseinkommen und der Haushaltskontext bei den reinen Angaben zur Rente nicht berücksichtigt. Ein Sprecher der Rentenversicherung erläuterte:

“Niedrige Renten beruhen zu einem hohen Anteil darauf, dass Versicherte nur kurze Zeit in die Rentenversicherung eingezahlt haben.”

Dies betreffe etwa Hausfrauen, die nur kurz versichert waren, selbstständig Erwerbstätige, die nach einer Pflichtversicherung keine Beiträge mehr entrichtet haben, oder Personen mit längeren Zeiten eines Auslandsaufenthalts ohne Beitragszahlung.

“Lässt sich nicht leugnen, dass die Rente nicht mehr armutsfest ist”

Aus dem Rentenversicherungsbericht 2018 geht das Haushaltseinkommen hervor. Demnach verfügten Ehepaare bei Haushalten mit einer Person in Rente 2015 in den alten Ländern über ein monatliches Nettoeinkommen von 2572 Euro, in den neuen Ländern von 2257 Euro.

Bei alleinstehenden Männern waren es 1593 Euro, bei Frauen 1422 Euro in den alten und 1389 beziehungsweise 1370 Euro in den neuen Ländern.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann betonte dennoch: “Es lässt sich schlicht nicht leugnen, dass die gesetzliche Rente nicht mehr armutsfest ist.” Viele kämen nur deshalb über die Runden, weil sie sich gezwungenermaßen zur Rente etwas hinzuverdienten.

Vorwurf: Fehlinterpretation der Fakten

Der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Weiß (CDU), warf Zimmermann eine Fehlinterpretation der Fakten vor. Gerade die Menschen mit geringen Renten hätten oft die höchste Gesamtversorgung.

Sehr geringe Renten hätten etwa Beamte im Ruhestand, weil sie oft vor ihrer Verbeamtung einige Zeit als Angestellte beschäftigt waren.

Unterdessen verfügt die gesetzliche Rentenkasse weiter über vergleichsweise große Reserven. Im Juni lag die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage bei 37,97 Milliarden Euro, wie das Bundesversicherungsamt auf seiner Homepage und der “Spiegel” berichtete.

Im Juni 2018 waren es noch rund 3,7 Milliarden Euro weniger. Erste Anzeichen eines langsameren Wachstums zeichneten sich noch nicht in den Rentenfinanzen ab, so der “Spiegel”. (dpa/AFX)

 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Das bringt die Elterngeldreform

Spitzenverdiener sollen künftig keinen Anspruch mehr auf Elterngeld haben, dafür werden Eltern von Frühchen stärker gefördert und die Möglichkeiten für Teilzeitarbeit während des Elterngeldbezugs ausgeweitet. Das sieht ein Gesetzentwurf des Bundesfamilienministeriums vor, den das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hat.

mehr ...

Immobilien

Wüstenrot-Studie: Corona verstärkt Wunsch nach eigenen vier Wänden

Lockdown, „Social distancing“, Home-Office: Die sozialen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie lassen die Bürger nach einer aktuellen Untersuchung von Wüstenrot verstärkt über ihre individuelle Wohnsituation nachdenken. Für 75 Prozent der Hauseigentümer ist ihr Wohneigentum in Corona-Zeiten eher beruhigend oder sehr beruhigend. Jeder fünfte Mieter spielt zugleich verstärkt mit dem Gedanken, Eigentum zu erwerben.

mehr ...

Investmentfonds

EY hatte Wirtschaftsprüferaufsicht wegen Wirecard gewarnt

Im Wirecard-Skandal könnte der Druck auf die unabhängige Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas wachsen. Die Apas prüft die Einhaltung berufsrechtlicher Pflichten von Abschlussprüfern bei Unternehmen von öffentlichem Interesse – dazu gehört auch die Wirecard AG.

mehr ...

Berater

Bundestag beschließt Verlängerung für Anleger-Musterverfahrensgesetz

Der Bundestag hat eine verlängerte Gültigkeit des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes zum Schutz von Aktionären und Anlegern beschlossen. Das Gesetz gilt nun bis zum 31. Dezember 2023.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lutz Kohl wechselt in die Geschäftsführung der HKA 

Mit Wirkung vom 9. September 2020 wurde Lutz Kohl (54) zum Mitglied der Geschäftsführung der HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH berufen, der KVG der Immac. Mit seiner Bestellung wird das Führungsteam der HKA um Geschäftsführer Tim Ruttmann planmäßig erweitert.

mehr ...

Recht

Fondsbranche weist BaFin-Kritik zurück

Der deutsche Fondsverband BVI weist die Kritikder BaFin an den Fondsanbietern entschieden zurück, dass die Umsetzung der neuen Liquiditätswerkzeuge (Rücknahmegrenzen, Swing Pricing, Rücknahmefristen)bei ihnen in den Hintergrund gerückt sei, je weiter die Kursturbulenzen im März zurückliegen.

mehr ...