Ruhestandsplanung: „Der Staat wird nicht immer so viel Geld haben“

Sollte ein staatlicher Zuschuss eingeführt werden, damit sich die Deutschen intensiver mit der Planung ihres Ruhestands auseinandersetzen? Cash. fragte in der Branche nach.

Uwe-Matthias Müller, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Initiative 50plus.

Im vergangenen Jahr brachte Peter Härtling, Präsident des Bundesverbands der Ruhestandsplaner, einen staatlichen Zuschuss ins Spiel, der dafür sorgen könnte, dass sich alle Bürger eine entsprechende Beratung leisten können. Eine Idee, die in der Branche durchaus goutiert wird.

Umdenken muss stattfinden

„Steuerliche Anreize sind in der privaten Vorsorge ein wichtiges Argument für viele Verbraucher, um das Thema für sich aktiv anzugehen. Auch in der Ruhestandsplanung könnte dies ein zusätzlicher Impuls sein, wenn breitere Bevölkerungsteile angesprochen werden sollen“, meint Ursula Blümer, Expertin für Ruhestandsplanung bei MLP.

Ronald Perschke, Vorstand der Initiative Ruhestandsplanung fordert, dass ein Umdenken stattfinden muss: „Was sicher helfen würde, ist das der Staat mal anfängt, klarer und ehrlicher zu den Themen zu kommunizieren. So werden wir weniger Altersarmut haben als angenommen, aber auch viel mehr Haushalte, die ihren Lebensstandard im Ruhestand nicht sichern können. Standard wird also zukünftig sein, dass man sich im Alter einschränken muss. Will man das nicht, muss man private Vorsorge betreiben, also Sparen.“ Zusätzlich müsse klar kommuniziert werden, dass konzeptionelle Altersvorsorge und Ruhestandsplanung einen Wert hat, wie eine Dienstleistung beim Steuerberater oder Rechtsanwalt. Dabei könne auch ein Beratungszuschuss helfen.

Nicht nah genug am Bürger

Doch nicht alle Branchenkenner sehen die Verantwortung beim Staat. „Der Staat wird nicht immer so viel Geld zur Verfügung haben wie gerade jetzt. Daher sollten wir auf staatlicher Ebene sorgsamer mit den Ressourcen umgehen als dies heute die Regel ist“, mahnt Uwe-Matthias Müller, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Initiative 50plus. Er sieht die Verantwortung bei den Bürgern und bei der Finanzindustrie.

Auch dem üblichen Reflex, das schon jetzt chronisch überlastete deutsche Schulsystem in die Verantwortung zu nehmen und ein Schulfach Finanzbildung zu fordern, mag nicht jeder widerstehen. Letztlich aber sind weder Lehrer noch der Staat nah genug am Bürger, um ihn in der richtigen Lebensphase auf die Notwendigkeit der Ruhestandsplanung hinzuweisen. Das kann nur der Finanzberater leisten – und damit gleichzeitig den Beweis erbringen, dass die persönliche Finanzberatung nicht zu ersetzen ist. (kb)

Foto: Bundesverband Initiative 50plus

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