27. September 2019, 08:00
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Schock für Sparer: Sparkasse München kündigt 28.000 Sparverträge

Das war einmal: «Wenn’s ums Geld geht – Sparkasse». Die Niedrigzinspolitik der EZB führt den alten Werbespruch ad absurdum. Heute sind Sparer für Sparkassen eine Belastung – immer mehr Geldhäuser wollen teure Kunden loswerden. Die Münchner Sparkasse kündigt als bislang größtes kommunales Finanzinstitut in Deutschland auf einen Schlag 28.000 Prämiensparverträge.

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Die fünftgrößte Sparkasse in Deutschland begründet dies mit den Kosten durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Außerdem behalten sich die Münchner Sparkassenchefs vor, ab 1. Oktober von Neukunden mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro auf Giro- oder Cashkonto Strafzinsen zu verlangen.

Kündigung wegen Höchstzins?

Der Sinn dieser Ankündigung: Damit will die Sparkasse verhindern, dass ihre Einlagen zu stark wachsen. Darüber hatten zuerst Münchner Zeitungen berichtet.

Die Münchner Sparkasse ist nicht die erste, aber bislang größte Sparkasse, die mit drastischen Schritten versucht, die Auswirkungen der Nullzinspolitik abzumildern. Bundesweiter Vorreiter war die Leipziger Sparkasse, in Bayern hatte zuletzt die Nürnberger Sparkasse im Juli 21.000 Prämiensparverträge gekündigt. Dabei handelt es sich um lukrative Sparverträge ohne feste Laufzeit, die nach 15 Jahren die Höchstverzinsung erreicht haben.

BGH urteilte bereits 

Im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geurteilt, dass langjährige Prämiensparer die Kündigung ihrer Altverträge durch die Sparkassen hinnehmen müssen, wenn sie die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft haben. In dem Fall hatten Kunden der Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt geklagt, die drei entsprechende Verträge aus den Jahren 1996 und 2004 weiterführen wollten.

Ein aktueller Anlass aus Sicht der Münchner Sparkasse für die Kündigung der Sparverträge: Bei der EZB müssen Banken seit langem Strafzinsen für ihre Einlagen zahlen. Am 12. September hatte die EZB diesen Negativzinssatz von 0,4 auf 0,5 Prozent erhöht. Für Banken bedeutet das: Je mehr Geld sie bei der EZB parken, desto teurer – und je mehr Geld die Kunden bei einer Bank anlegen, desto höher die Kosten.

Über die Ursachen

Die Münchner Sparkasse hat insgesamt 800.000 Kunden, die Kündigung der Prämiensparverträge betrifft drei Prozent der Kundschaft. Sparkassen leben ebenso wie Volks- und Raiffeisenbanken unter anderem von der Zinsspanne zwischen niedrigeren Einlagezinsen und höheren Kreditzinsen.

Wegen der Nullzinspolitik schrumpft diese Spanne immer weiter, die Kreditzinsen sind mittlerweile so niedrig, dass viele Banken Mühe haben, ihre Kosten zu decken. Da die Zinsspanne alljährlich sinkt, bleibt ungeachtet steigender Bilanzsummen unter dem Strich immer weniger übrig. Bei den bayerischen Sparkassen sanken die Nettogewinne 2018 um 4,5 Prozent auf 343 Millionen Euro.

 

Seite 2: Düsteres Zukunftsszenario

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1 Kommentar

  1. Jetzt rächt es sich, dass die Kunden auch der Sparkassen glauben das die Regierung Ahnung hat, von dem was die da so hinsichtlich der Geldpolitik treibt. Auch im Bundestag sitzen verständige Menschen wie z.B. Herr Boehringer MdB der seit langem warnt, dass diese Geld-Politik Deutschland schweren Schaden zufügen wird. Aber es wird einfach weiter “Wir schaffen das” postuliert. Die Zeche zahlen die Sparer. Und wenn unsere Wirtschaft jetzt weiter in dei Rezession schlittert, dann wird die nächste Regierung aus 4-5 Parteien bestehen müssen – weil die AFD ja angeblich nicht regierungsfähig ist. Zustände wie in Italien stehen uns bevor.

    Kommentar von Patrik Welt — 27. September 2019 @ 18:10

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