„Wir wollen, dass der Siegeszug dieser digitalen Erfolgsgeschichte weitergeht“

Herr Maschmeyer, Sie haben eine enorme Erfahrung und Vertrieb und verfügen immer noch ein sehr gutes Netzwerk in der Branche. Welche Rolle sehen Sie für sich in dieser Transaktion?

Maschmeyer: Mit Alstin Capital – das ist unser Fonds für Wachstumskapital – investieren meine Partner und ich im Durchschnitt fünf Millionen Euro in ein Start-up. Einige Start Ups suchen uns gezielt, weil sie nicht nur Geld, sondern strategisches Sparring wollen. Das hören wir ganz oft von Insurtech-Unternehmen, die unsere US-Tochter Maschmeyer Group Venture in San Francisco betreut.

Hier sind wir ganz klar gefordert, um strategisches Sparring bei den Produkten anzubieten. Wir kennen die Nöte der Kunden, die Herausforderungen der Versicherungsverwaltung und auch die Wünsche der Berater. Das zweite ist, dass Stephen und Dirk mich gerne als Gateway-Investor haben wollten. Ich kann nicht garantieren, dass eine Kooperation zwischen Versicherern und Neodigital entsteht, aber ich kann garantieren, dass sie miteinander ins Gespräch kommen. Ich öffne Ihnen dafür die Tür.

„Ich öffne Ihnen dafür die Tür“

Voss: Durchgehen müssen wir immer noch selbst. Aber das Wichtige ist, dass man einen Investor findet, der beste Branchenkontakte hat. Denn sonst macht er die falsche Tür auf. Es ist ganz wichtig, hier gezielt die richtige Tür zu öffnen. Natürlich unterhalten wir uns nach den Terminen noch miteinander.

Wie war das, was ist da passiert, welche Fragen wurden gestellt und welche Hindernisse gab es. Und das ist etwas, wovon wir beiderseitig sehr profitieren können. Wir als Start up natürlich noch ein großes Stück mehr. Sie waren ja fast 25 Jahre in der Versicherungsbranche. Gibt es immer noch eine Faszination dafür?

Maschmeyer: Der Reiz war immer der Kundennutzen. Ich habe die unabhängige Finanzberatung erfunden, heute etwas ganz Normales. Aber es würde nicht Check 24 oder Policygenius in den USA geben, wenn wir das nicht analog vorgemacht hätten. Der Wandel, der gerade stattfindet und die Rolle der Insurtechs hierbei, das interessiert mich. Wir glauben, dass in der Versicherung eine gewaltige Veränderung eintritt.

Und als digitaler Investor müssen wir dabei sein. Wir haben uns mit allen vermeintlichen Wettbewerbern getroffen und gesehen, dass oft wenig digitales dahinter steckt. Und haben entdeckt, dass die Neodigital-Lösung oft im Hintergrund läuft. Und da haben wir uns gesagt, warum sollen wir denn in den Vorhang investieren, und nicht gleich direkt in die viel wichtigere Maschine dahinter.

„Ich hoffe, dass ich ein guter Gründervater bin“

Eigentlich war ich immer gut darin, Menschen zu unterstützen: Heute bin ich Gründerförderer und nicht mehr Verkäuferförderer. Ich fühle mich ein bisschen als Gründervater und hoffe, dass ich für meine Gründer ein guter Gründervater bin.

Neodigital bietet bislang Hausrat, Haftpflicht, Unfall, Tierhaftpflicht und Fahrradversicherungen an. Doch es sollen neue Produkte in der Pipeline sein. Wie weit sind Sie dort?

Voss: Unsere bisherigen Sparten sind jetzt so weit digitalisiert und laufen so flüssig, das wir nun das Angebot verbreitern. Bald stehen neue Produkte in der Kfz-, der Wohngebäude- und der Rechtsschutzversicherung auf dem Plan. Die sollen im Winter kommen. Als reguliertes Unternehmen sind wir aber natürlich mit der BaFin entsprechend in der Abstimmung und werden uns nach deren Vorgaben richten.

Werden Sie vom Start weg das komplette Sortiment anbieten?

Voss: Wahrscheinlich noch nicht. Im Bereich Wohngebäude beginnen wir mit einem Produkt, das den Markt breit abdeckt. Danach werden weitere Varianten folgen. Oft heißt es, die Deutschen tendieren zu Sonderlösungen. Fragt man Makler, wieviele seiner Kunden diese nehmen, sind es nur wenige.

Das Gros wählt die Normallösung. Daher werden wir uns in der Wohngebäudeversicherung erst auf die großen Mengen konzentrieren. Das gilt übrigens auch für die Kfz-Versicherung. Wir werden nicht vom Start weg den Telematik-Tarif für einzelne Zielgruppen wie ausschließlich Tesla-Fahrer haben, sondern die Kfz-Versicherung für die breite Masse.

Bei Modellen wie dem Golf gibt es Schadendaten und Schadenerfahrung. Wir sind eine Versicherungsfabrik und die baut für die Masse. Weil das skalierbar ist. Wir sind ganz bewusst keine Manufaktur, da wir wissen, wie schwer die es haben.

Sie sprachen die Wohngebäudeversicherung an. Die Combinded Ratio für die Sparte liegt über die letzten 20 Jahre bei 106 Prozent. Und es gibt namhafte Gesellschaften, die dort etabliert sind. Das sind dicke Bretter, die Sie bohren wollen.

Voss: Wenn Sie nicht anfangen das Brett zu bohren, kommen Sie auch nie durch das Brett durch. Zudem haben wir die Erfahrung in der Wohngebäudeversicherung. Das Wichtige ist, wir sind eine Versicherungsfabrik. Wir schauen nach dem optimalen Prozess und wo sich Kosten sparen lassen.

Sie sagten, dass die Combined Ratio 106 Prozent beträgt. Wir haben eine Kostenquote, die bei rund 15 Prozent liegt. Ziehen Sie die Durchschnittskostenquote im Markt von 25 Prozent ab, wären das 81 Prozent. Und schlagen Sie dann unsere 15 Prozent wieder darauf, wären wir bei 96 Prozent. Und damit besser als der Markt.

Als wir uns das erste Mal unterhielten, hatten Sie gerade die BaFin-Lizenz und 40.000 Kunden. Jetzt stehen Sie bei 150.000 Kunden. Was glauben Sie, wo werden Sie in fünf Jahren stehen?

Voss: Der nächste Schritt wird die vertikale Expansion sein, also Tarife in Kfz, Wohngebäude und Rechtsschutz. Sie werden vielleicht auch ein paar Nischenprodukte in den sonstigen Sachversicherungen sehen. Uns geht es darum, die Technologie, die wir jetzt einsetzen, maximal zu nutzen.

Das kann über die eigene Marke sein. Das wird aber auch über Fremd- und Drittmarkten passieren, der Markt hier in Deutschland ist groß genug. Unser Ziel ist, dass die Neodigital-Technologie in möglichst vielen Maschinenräumen steht. Dann wird auch das Produkt für alle günstiger. Das Produkt wird convenience. Und ich will ein gutes, leistungsfähiges und schnell zu verarbeitendes Produkt, was für denjenigen, der einen Schaden hat, auch entsprechend des Vertrages schnell den Schaden reguliert. Darum geht es.

Und wann sehen wir den Break even bei Ihnen?

Maschmeyer: Wir von Alstin Capital und die anderen Investoren sind nicht auf den schnellen Break even aus. Wir schauen mehr auf die Produktpalette. Das werden wir in den Gesellschafterkonferenzen auch betonen. Es geht langfristig darum, dass Unternehmen wertvoll und unersetzbar zu machen.

Wenn wir uns die Digital-Unternehmen dieser Welt anschauen, dann sind die nicht so erfolgreich, weil sie als erste und am schnellsten den Break even erreicht haben, sondern weil sie für viele Kunden eine Vielzahl von Produkten bieten und international agieren. Wir wollen, dass der Siegeszug dieser digitalen Erfolgsgeschichte weitergeht.

Das Interview führte Jörg Droste

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