Garantieverpflichtungen: Bei 24 Lebensversicherern reicht es nicht (mehr)

Grafik: Policen Direkt
Policen Direkt sieht weitere Indizien dafür, dass die Branche sich auf Konsolidierungskurs befindet: Hauptsächlich auf der Produktebene, daneben gebe es auch Unternehmenszusammenschlüsse.

Bei 24 von 82 Lebensversicherern reichten die 2019 erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen. Das zeigt die aktuelle Analyse des Zweitmarkthändlers Policen Direkt.

Alles in allem sind die Garantieanforderungen der 82 deutschen Lebensversicherer sind rund zwölf Prozent gestiegen. Diese erfüllt die Branche aber stabil, so Policen Direkt. Gleichzeitig scheinen bei einigen Gesellschaften die Pfuffer aber relativ gering.

Untersuchung vor Corona

Dass hier aber bereits im Vorfeld der Covid-19-Krise wenig Puffer existiert haben, zeigt der Blick auf die Finanzstärke der einzelnen Unternehmen. Das geht aus der Policen-Direkt-Analyse der aktuell veröffentlichten Zahlen zur Mindestzuführungsverordnung (MindZV) hervor.

„Beim Blick auf die einzelnen Unternehmen zeigt sich, dass fast die Hälfte der Unternehmen auf Sicht fährt. Sie erfüllen die Anforderungen nur äußerst knapp“, erklärt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV). „Die Branche hat bereits im Vorfeld der Covid-19-Krise um Stabilität gekämpft.“

Dauerhafte Quersubventionierung sichert Garantien

Bei 24 von 82 Lebensversicherern reichen die 2019 (2018: 30) erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen. Aus der Einzelbetrachtung ergibt sich, dass es sich hier nicht immer dieselben Unternehmen handelt, bei denen die Finanzstärke unter 100 Prozent liegt. Diese müssen dann dafür Erträge aus Risiko und Verwaltung in die Rechnung einbeziehen müssen.

„Auf den ersten Blick ist das eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr und damit eine gute Nachricht“, erklärt Kühl. Die Spielräume seien allerdings unverändert eng, so der Experte. Bei insgesamt 40 Gesellschaften (2018: 41) liege diese Kennzahl bei maximal 105 Prozent.

Die Gesamt-Ertragsstärke als eine weitere zentrale Kennzahl aus der Analyse der Pflichtveröffentlichung gemäß Paragraph 15 MindZV zeigt im Vergleich mit der Finanzstärke an, in welchem Maß eine Quersubventionierung stattfindet. Garantieanforderungen werden so aufgrund der niedrigen Kapitalmarkt-Zinsen durch Risikogewinne gesichert, schlussfolgert Policen Direkt.

Wie auch im Vorjahr schafft es die Landeslebenshilfe V.V. a.G. auch mit Verwaltungs- und Risikogewinnen nicht, die Anforderungen zu erfüllen. “Die Gesamt-Ertragsstärke liegt in diesem Fall unter 100 Prozent als Indiz dafür, dass das betroffene Unternehmen noch deutlicher als andere von der Substanz zehre, so Policen Direkt.

Beitragsgarantien fallen und Branche konsolidiert

Policen Direkt sieht zudem weitere Indizien dafür, dass die Branche sich auf Konsolidierungskurs befindet: Hauptsächlich auf der Produktebene, daneben gebe es auch Unternehmenszusammenschlüsse.

Ein Blick auf die Altersvorsorgeprodukte zeige, so Policen Direkt, dass traditionelle Garantien nahezu keine Rolle mehr spielen. “Die klassische Brutto-Beitragsgarantie fällt auf breiter Front”, so Policen-Direkt. Wenn Lebensversicherer das Risiko damit auf ihre Kunden übertrage, wirke das positiv auf die Krisenfestigkeit der Unternehmen; angesichts dauerhaft niedriger Zinsen womöglich auch aus Kundensicht mit Blick auf eine künftig weiter auskömmliche und finanzierbare Altersvorsorge, so die Schlussfolgerung.

„Zeitgemäße Garantiemodelle sind gerade angesichts der niedrigen Zinsen mitunter unumgänglich, in jedem Fall aber erklärungsbedürftig”, lautet der Appell von Policen Direkt Experte Kühl. Allerdings blieben füür die Kunden bleiben sichere Werte und transparente Informationen zur Vertragsentwicklung entscheidend bei der privaten Altersvorsorge.

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