Berufsunfähigkeitsversicherung: Das 28-Millionen-Dilemma

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Die Gefahr einer Berufsunfähigkeit ist latent. Ein Viertel aller Berufstätigen in Deutschland wird mindestens einmal im Leben berufsunfähig. Gleichzeitig gibt es gerade einmal 17 Millionen Berufsunfähigkeitsversicherungen. Es hapert an der Sensibilität. Der Preis ist das andere Problem. Eine gute Beratung, innovative Produkte und ein frühzeitiger Einstieg können helfen, das Dilemma der Arbeitskraftabsicherung zu lösen.

Vor wenigen Wochen schlug die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) Alarm. Rund ein Viertel aller Berufstätigen wird mindestens einmal im Leben berufsunfähig. Die niedrige Absicherungsrate ist dramatisch, warnt die DAV. Die Menschen seien sich des Risikos nicht bewusst. In der Tat mahnen und warnen Verbraucherschützer und Versicherer seit Jahren.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft versucht mit Aufklärungskampagnen gezielt, die Irrtümer auszuräumen. Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich zwar die Sensibilität für die finanzielle Absicherung der eigenen Zukunft erhöht. Dennoch gibt es enormen Nachholbedarf.

Die 28 Millionen Frage

Laut DAV gibt es gerade einmal 17 Millionen BU-Verträge in Deutschland. Vor dem Hintergrund von 45 Millionen Berufstätigen bedeutet dies, 28 Millionen Berufstätige sind nicht abgesichert. Für die deutschen Versicherungsmathematiker ist das alarmierend.

Einerseits: Die Wette, dass es gesundheitlich bis zum Eintritt der Rente gut geht, kann man abschließen. Andererseits: Jede vierte Berufstätige, wird mindestens einmal im Leben auf Grund seelischer oder körperlicher Beschwerden berufsunfähig.

„Die Menschen versichern ihr Smartphone, aber nicht ihre Arbeitskraft und damit ihre Existenzgrundlage“, wundert sich Dr. Herber Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der DAV. Dabei sei das Risiko, berufsunfähig zu werden, seit der letzten DAV-Untersuchung vor 20 Jahren erheblich gestiegen.

Insbesondere junge Frauen haben ein deutlich höheres Risiko, berufsunfähig zu werden, dass zeigen die aktuellen Analysen der DAV. Die Wahrscheinlichkeit für Frauen bis zu ihrem 40. Geburtstag berufsunfähig zu werden, ist danach sogar über 30 Prozent gestiegen.

Viele denken häufig an Unfälle als Hauptursache einer Berufsunfähigkeit. Doch das stimmt nicht. Mit gerade einmal acht Prozent sind sie auf Platz vier der Hauptursachen für eine Berufsunfähigkeit, wie eine Studie Analyseunternehmens Morgen & Morgen eindrücklich zeigt. Auf Platz drei folgen mit 17,1 Prozent Krebserkrankungen und anderer bösartige Geschwüre. Auf Platz zwei liegen mit knapp 21 Prozent Erkrankungen des Skelett- oder Bewegungsapparates.

Die Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit ist – in knapp 30 Prozent aller Fälle – allerdings psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen. Insgesamt resultiert derzeit beinahe jeder dritte BU-Leistungsfall (31,88 Prozent) laut einer Untersuchung von Morgen & Morgen aus psychischen Erkrankungen. Noch vor zehn Jahren waren es nur etwa 20 Prozent.

Warum aber hapert es aber bei der praktischen Umsetzung? Die Gründe, auf die existenzielle Absicherung zu verzichten, sind vielfältig: Für 38 Prozent ist es eine Frage des Geldes. Aber immerhin jeder Dritte, ohne Vorsorge gibt an, sich nicht oder nicht genug mit dem Thema beschäftigt zu haben oder zu wenig darüber zu wissen.

Während 88 Prozent die private Berufsunfähigkeitsversicherung kennen, sind andere Angebote wie Grundfähigkeitsversicherung oder Dread Disease, auch als Schwere Krankheiten-Absicherung bekannt, mit jeweils 22 Prozent kaum im Bewusstsein.

Zu teuer, zu kompliziert

Ein weiterer Grund auf den Schutz zu verzichten, ist, dass nicht wenige davon ausgehen, dass es immer noch ein staatliches Sicherungsnetz im Falle einer Berufsunfähigkeit gibt. Eine Umfrage der Metallrente ergab, dass immerhin 58 Prozent der 14 bis 29-Jährigen fälschlicherweise glauben, bei Berufsunfähigkeit durch eine staatliche Rente abgesichert zu sein.

Fakt ist: Eine staatliche Berufsunfähigkeitsrente gibt es für Beschäftigte, die nach 1961 geboren sind, längst nicht mehr. Vielmehr ist es so, dass der Staat mit der Erwerbsminderungsrente nur noch eine Mindestabsicherung bietet.

In einer Kundenbefragung hatte die Zurich Versicherung erfahren, warum Kunden ihre Arbeitskraft nicht absichern. Die Antworten reichten von „Kann ich mir nicht leisten“ bis hin zu „das ist mir zu kompliziert“. Die Aussagen verwundern kaum und decken sich ziemlich genau mit den Ergebnissen und Studien anderer Versicherungsgesellschaften.

Interessanterweise stellt sich für Immobilienbesitzer die Frage beinahe gar nicht. Über 90 Prozent haben eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen. Warum? Zum einen, weil der Baufinanzierer dies fordert und zum anderen, weil die eigene Immobilie oft zu den teuersten Anschaffungen im Leben gehört.

Über 320.000 Euro nehmen die Deutschen im Schnitt auf, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Aber das, was den Traum erst möglich macht, nämlich die eigene Arbeitskraft, die alles finanziert, wird bei der Absicherung gnadenlos vernachlässigt?

Ein 24-jähriger Mann mit einem monatlichen Einkommen von 2.000 Euro und zwölf Monatsgehältern verdient in den nächsten 40 Jahren seines Berufslebens über 1,032 Millionen Euro, zeigt eine Berechnung der Zurich Versicherung.

Was eine gute BU ausmacht…

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.
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