Vergleich der Altersvorsorgesysteme: Deutschland nur auf Rang 14

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Deutschland ist zwar Exportweltmeister, das Altersvorsorgesystem dagegen nur oberes Mittelmaß. Im einem internationalen Vergleich der Unternehmensberatung Mercer kommt Deutschland auf Platz 14 von 43 Staaten. Spitzenreiter ist Island vor den Niederlanden, Dänemark, Israel und Norwegen.

Im Vergleich von 43 Altersvorsorgesystemen weltweit belegt Deutschland in der Gesamtbewertung Rang 14 (67.9 Punkte). Das isländische Altersvorsorgesystem wurde bei seiner Premiere im 13. jährlichen Mercer CFA Institute Global Pension Index (MCGPI) als das beste System ausgezeichnet.

Die Niederlande und Dänemark haben den zweiten beziehungsweise dritten Platz in der Rangliste erreicht, nachdem sie ein Jahrzehnt lang um den ersten Platz gekämpft haben. Die Studie zeigt auch, dass das „Gender Pension Gap“ – das geschlechtsspezifische Rentengefälle – in allen untersuchten Rentensystemen vorhanden ist und dass es mit gezielten Maßnahmen möglich ist, die Rentenlücke zu reduzieren.  

Es gibt Nachbesserungsbedarf

In der Gesamtbewertung liegt Deutschland bei 67.9 Punkten (2020: 67.3 Punkte). Beim Sub-Index Angemessenheit erreicht Deutschland 79.3 Punkte und beim Faktor Integrität sehr gute 81.2 Punkte, beim Faktor Nachhaltigkeit allerdings nur 45.4 Punkte.

Das Ranking der Altersvorsorgesysteme in alphabetischer Reihenfolge/Quelle: Mercer

„Der MCGPI zeigt, dass das Altersvorsorgesystem in Deutschland insgesamt positiv bewertet wird und unser Rentensystem in den Bereichen Angemessenheit und Integrität sehr stabil ist und wir uns in den letzten Jahren kontinuierlich verbessern konnten. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit besteht Nachholbedarf, die Ausfinanzierung über ein Kapitaldeckungsverfahren würde dies erheblich verbessern“, erklärt Norman Dreger, CEO bei Mercer Deutschland.

Kapitaldeckungsverfahren gefordert

„Außerdem sollte die betriebliche Altersversorgung weiter gestärkt werden, denn nur so kann gewährleitstet werden, dass das System auch in Zukunft finanzierbar bleibt. Um die Rentenlücke zu verringern, müssen Frauen ebenfalls angemessen an der betrieblichen Altersversorgung beteiligt werden“, so Dreger.

Weitere Empfehlungen, die sich aus den Studienergebnissen für Deutschland ergeben: Erhöhung der Mindestrente für einkommensschwache Rentnerinnen und Rentner. Eine Ergänzung des umlagefinanzierten Systems durch kapitalgedeckte Modelle sowie eine Erhöhung der Teilnahmequoten in der betrieblichen Altersversorgung

Pandemie hat die Ungleichheit verschärft

„Die Pandemie hat die sozioökonomische Ungleichheit in vielen Teilen der Welt verschärft. Aus der Perspektive langfristiger Investitionen befinden wir uns in einem extrem schwierigen Umfeld mit historisch niedrigen Zinsen und in einigen Fällen negativen Renditen, die sich eindeutig auf die Erträge auswirken“, erläutert Martin Hermann, Pension Expert, CFA Society Germany.

„Erschwerend kommt hinzu, dass es in Deutschland noch immer keinen sinnvollen regulatorischen und steuerlichen Rahmen gibt, um das umlagefinanzierte System durch ein kapitalgedecktes System zu ergänzen. Zusätzlich kommt die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz nur stockend voran. Das ist besonders bedauerlich, da diese die geschlechtsspezifische Rentenlücke zum Teil schließen könnte“, so Hermann.

Weltweite Rentensystem-Studie

Der MCGPI ist eine umfassende Studie zu den weltweiten Rentensystemen, in denen zwei Drittel (65 Prozent) der Weltbevölkerung leben. Der MCGPI vergleicht die Altersversorgungssysteme in der ganzen Welt, zeigt Mängel in den einzelnen Systemen auf und schlägt mögliche Verbesserungen vor, die zu angemesseneren und nachhaltigeren Altersversorgungsleistungen führen.

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