Versicherungsombudsmann: 13.235 Beschwerden in 2020

Dr. h.c. Wilhelm Schluckebier, Richter am Bundesverfassungsgericht I.Senat von 2006-2017

Immer wieder sind Kunden unzufrieden mit ihrer Versicherung. 13.235 Beschwerden landeten im vergangenen Jahr beim Ombudsmann. Trotz der Corona-Pandemie gab es nur einen leichten Anstieg von 1,8 Prozent. Die meisten Beschwerden verzeichnete wieder einmal die Rechtschutzsparte.

Der Ombudsmann für Versicherungen, Dr. Wilhelm Schluckebier, hat den neuen Jahresbericht vorgestellt. Danach erreichten im vergangenen Jahr 13.235 zulässige Beschwerden die Schlichtungsstelle. Gegenüber 2019 bedeutet das einen leichten Anstieg von 1,8 Prozent.

Der bewege sich allerdings im Rahmen der langjährigen Schwankungsbreite, so Schluckebier. Auffälligste Folge der Corona-Pandemie war der Anstieg von Eingaben in der Reiseversicherung. Hier ging es vor allem um die Erstattung der Beiträge zur Reiseversicherung. Oftmals aufgrund der Stornierung der Reise durch den Veranstalter als Folge der Pandemie.

Ein weiterer Beschwerdepunkt war die die Frage, ob Versicherer die Stornokosten von Reisen übernehmen mussten, von denen die Versicherungsnehmer aufgrund der pandemiebedingten Reisebeschränkungen oder der Sorge, an Covid-19 zu erkranken, zurückgetreten waren.

Hier reklamierten die Versicherer teils fehlende ärztliche Attestierungen des Rücktrittgrundes oder solche nach lediglich telefonischer Kontaktaufnahme mit dem Arzt, was die Beschwerdeführer mit den Einschränkungen aufgrund des Lockdowns erklärten.

Das in der Öffentlichkeit zeitweilig breit diskutierte Regulierungsverhalten in der Betriebsunterbrechungs- und Betriebsschließungsversicherung hat sich laut Schluckebier nicht nennenswert ausgewirkt, weil die Schlichtung auf Beschwerden von Verbrauchern ausgerichtet sei.

Die zulässigen Eingaben in den Sparten im Berichtsjahr sehr unterschiedlich entwickelt haben. Beschwerden zur Lebensversicherung gingen um rund zehn Prozent zurück. Auch in der Hausratversicherung (minus zehn Prozent) und in der privaten Haftpflichtversicherung (minus acht Prozent) gab es von der Versichertenseite weniger Kritik.

Plus 80 Prozent in der Reiseversicherung

Zuwächse verzeichnete der Ombudsmann dagegen bei der Kfz-Kasko (plus 16 Prozent) und -Haftpflichtversicherung (plus zehn Prozent). Auch Beschwerden zur Rechtsschutzversicherung (plus acht Prozent) nahmen wieder zu.

Diese Sparte weist seit fünf Jahren nach Angaben von Schluckebier die meisten Beschwerden auf (3.463). Die vielen kleineren Sparten, die unter „Sonstige Beschwerden“ statistisch erfasst werden, erhöhten sich ebenfalls deutlich (plus 15 Prozent), wobei die dazu zählende Reiseversicherung allein um fast 80 Prozent zulegte.

Die durchschnittliche Verfahrensdauer hat sich trotz der Pandemie um zehnt Prozent weiter verkürzt werden können. Von der Einlegung einer Beschwerde bis zum Verfahrensabschluss vergingen bei zulässigen Eingaben durchschnittlich nur 70 Tage, obwohl die Beteiligten jeweils Gelegenheit erhalten, zu dem Vortrag der anderen Seite Stellung zu nehmen. (dr)

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