Anzeige
12. März 2013, 10:36
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Hamburger Mietmarkt teilt sich an der Alster

Hamburg gilt neben München und mittlerweile auch Berlin als Paradebeispiel städtischer Wohnungsnot. Neben massiven Preisanstiegen in gefragten Lagen gibt es in der Hansestadt aber auch Stadtviertel, in denen die Neuvertragsmieten noch immer unter dem Mietspiegel liegen, so eine aktuelle Analyse der Rics Professional Group Residential.

Hamburg-shutt 386736251 in Hamburger Mietmarkt teilt sich an der Alster

Der Hamburger Mietmarkt zählt in seiner Gesamtheit betrachtet zu den teuersten in Deutschland. Insbesondere in den Innenstadtquartieren wird es für Normalverdiener immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Dieser Umstand hat bereits die Politik auf den Plan gerufen. Der Hamburger Senat möchte dem entgegenwirken und unter anderem die Neuvertragsmieten deckeln. Der Frage, ob es sich dabei um eine stadtweite Entwicklung der Mietpreise handelt ist, die Royal Institution of Chartered Surveyors (Rics) Professional Group Residential nachgegangen.

Deren Auswertung zeigt, dass in den einzelnen Hamburger Stadtteilen mitunter eine unterschiedliche Dynamik herrscht. Während in Hamm-Süd und Wilhelmsburg die Angebotsmieten mit 6,09 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 7,09 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Mietspiegelniveau liegen, zeigt sich in den vielen Quartieren ein anderes Bild. So werden laut Datenbasis aktuell in St. Georg, Eimsbüttel, Ottensen, Winterhude oder Eppendorf Angebotsmieten oberhalb 30 bis 45 Prozent des Mietspiegelmittelwertes verlangt.

Spaltung des Hamburger Mietmarktes

Die Auswertung spiegelt den Autoren zufolge zudem, dass es in Hamburg keine flächendeckende Verknappung von Wohnraum gibt, sondern bestimmte Quartiere bei Wohnungssuchenden stärker nachgefragt sind als andere. “In der Vermietung erleben wir das täglich. Während in Altona-Altstadt oder Eimsbüttel bis zu 100 geeignete Bewerber auf eine Wohnung kommen, sind es in Dulsberg, Hamm oder Horn teilweise nur bis zu vier. Und dies trotz deutlich niedrigerer Mietforderungen”, sagt Oliver Moll, der Vorsitzende der Rics Professional Group Residential.

Die Spaltung des Hamburger Immobilienmarktes verläuft demnach zwischen Ost und West: Während es einerseits erschwinglichen Wohnraum in den östlichen und südlichen Bereichen der Stadt gäbe, konzentriert sich die Nachfrage auf einen Gürtel westlich der Alster. Diese stark nachgefragten Quartiere punkten den Studienautoren zufolge vor allem durch eine zentrale Lage, eine gute Infrastruktur und ein ausgewogene soziodemografische Bevölkerungsstruktur. Dies treibe die Preise.

“Es ist der leidvollen Geschichte der Stadt geschuldet, dass sich die Quartiere mit dem Bestand aus der Jahrhundertwende in einem Gürtel westlich der Alster befinden und die neueren Baujahre östlich der Alster. Dort lagen die traditionellen Arbeiterquartiere, die nach dem Krieg sehr schnell und günstig wieder aufgebaut werden mussten. Hierdurch konnte aber keine echte Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes erfolgen, da die Mieten gebunden waren”, erklärt Moll.

Diese Historie präge den Hamburger Mietmarkt bis heute: “In den westlichen Stadtteilen entwickelte sich über die Jahre quartierweise eine erhöhte Nachfrage, die zu einem punktuellen Modernisierungsschub und Eigentumsbildung im Bestand führte. Dies begann in den 1960er Jahren im damals maroden Eppendorf, setzte sich dann nach Eimsbüttel fort und findet heute im Schanzenviertel sein vorläufiges Ende”, so der Rics-Experte weiter.

Laut der Analyse gibt es in Hamburg durchaus noch erschwinglichen Wohnraum. Dieses Potenzial sollte nach Meinung der Studienautoren bei der politischen Debatte um bezahlbaren Wohnraum nicht vergessen werden. “Es ist wichtig darüber nachzudenken, wie man die wenig nachgefragten Quartiere für Wohnungssuchende attraktiver macht. Wer nur die gefragten In-Quartiere im Blick hat und dort die Mieten deckeln will, verbessert die Situation der Wohnungssuchenden nicht. Denn jede Wohnung kann nur einmal vergeben werden und den Zuschlag bekommt im Zweifel immer der Mieter mit der besten Bonität, der sich dann über eine günstigere Miete freuen kann”, erklärt Jan Hebecker, Leiter der Transparenzoffensive Immobilienwirtschaft.

Hintergrund: Die Analyse des Hamburger Mietmarktes wurde im Februar 2013 von der Rics Professional Group Residential durchgeführt. Dabei wurden Angebotsmieten von Immobilienscout24 im Hinblick auf die örtliche Bebauungsstruktur einzelner Mietspiegelfelder angepasst und mit dem entsprechenden Niveau des Hamburger Mietspiegels verglichen. Die Analyse ist ein Projekt der “Transparenzoffensive Immobilienwirtschaft”. Weitere Informationen zur Transparenzoffensive unter www.transparenzoffensive.net. (te)

Foto: shutterstock.com

 

 

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Insurtechs: Über 80 Millionen US-Dollar für deutsche Start-ups

Im Jahr 2016 haben die deutschen Insurtechs in Finanzierungsrunden mehr als 80 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das geht aus einer Untersuchung des Münchener Fintech-Start-ups Finanzchef24 hervor. Demnach hat sich das Finanzeriungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

mehr ...

Immobilien

Baufi Secure: Neues Absicherungsprodukt für Immobiliendarlehen

Was geschieht, wenn Immobilienkäufer ihre Darlehensraten aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr bedienen können? Das Produkt Baufi Secure will die Immobilienfinanzierung flexibel absichern.

mehr ...

Investmentfonds

Merck Finck sieht Rückenwind für Aktien

Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump sind vermehrt kritische Stimmen von der Investmentseite laut geworden. Merck Finck blickt der kommenden Handelswoche dennoch optimistisch entgegen.

mehr ...

Berater

WhoFinance und Defino bauen Kooperation aus

Wie das Bewertungsportal WhoFinance und das Defino Institut für Finanznorm mitteilen, haben sie ihre beiden Portale eng miteinander vernetzt. Dadurch sollen Finanzberater und Vermittler künftig die Qualität ihrer Beratung noch besser im Internet darstellen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric zieht positive Bilanz für 2016

Quadoro Doric hat mit der kernsanierten Büroimmobilie Trappenburch in Utrecht eine weitere Immobilie für den offenen Spezial-AIF Vescore Sustainable Real Estate Europe übernommen und damit das Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.

mehr ...

Recht

LV-Verträge als Kreditsicherung: Widerspruchsrecht verwirkt

Werden Lebensversicherungsverträge zur Immobilienfinanzierung eingesetzt, kann das Widerspruchsrecht des Versicherten verwirkt sein, auch wenn die Widerspruchsbelehrungen der Policen nicht korrekt sind. Knackpunkt ist die Bedeutung der Policen als Sicherungsmittel.

mehr ...