8. Juli 2013, 08:53

Immobilienblase in Deutschland?

Gibt man im Sommer 2013 in diverse Suchmaschinen das Wort Immobilienblase ein, erhält man rund 460.000 Einträge. Gibt es sie oder nicht? Ein Blick auf die Fakten hilft.

Die Beyerle-Kolumne

Immobilienblase

Gibt man im Sommer 2013 in diverse Suchmaschinen das Wort „Immobilienblase“ ein, erhält man rund 460.000 Einträge. Verglichen mit dem Vorjahr 2012 eine Steigerung um rund 35 Prozent. Illustre Angebote macht der Computer – fast eine kleine Reise durch die Welt. Im Warenkorb liegen „Immobilienblase Deutschland, Niederlande, Schweiz, Berlin, Hamburg, München und China“. Und die deutliche Mehrzahl der Artikel und Beiträge sind als Frage formuliert: „Gibt es eine….?“ Wie es scheint, drückt sich bei den Fragenden ein latent ungutes Gefühl aus.

Doch fast genau so interessant ist die hohe Anzahl derjenigen Antwortenden welche eine Immobilienblase „für Deutschland“ vehement verneint. Welcher Schwarm hat nun recht? Der, der es negiert, oder der, der es kommen sieht? Was ist denn eigentlich eine Blase?

Immobilienblase: Abkopplung vom realen Wachstum

Eine sogenannte Spekulationsblase bezeichnet einen überkauften Markt – in erster Linie im Börsen-, Rohstoff- oder aber auch im Immobilienbereich –, der sich von der realen Wirtschaftsentwicklung völlig abkoppelt. Eine spekulative Blase am Immobilienmarkt entsteht erst dann, wenn die Expansion an den Märkten sich vom bisherigen mit realem Wachstum unterlegten Markt entfernt. Ist dies der Fall, spricht man von einer Immobilienblase.

Und gibt es diese aktuell in Deutschland? Ja, aber sicher, eine fundamentale in einigen wenigen Stadtvierteln – nein, denn noch sind keine spekulativen Überhitzungen sichtbar. Weitere Argumente:

Viele Spekulanten: Ähnlich wie vor dem Börsencrash im Jahr 2000 tummeln sich auf den deutschen Immobilienmärkten Spekulanten. Sie hoffen darauf, dass die Preise weiter steigen und sie auf Pump gekaufte Häuser und Wohnungen mit kräftigem Gewinn verkaufen können.

Falsch: Heute ist die Sicherheitsdoktrin und nicht die Wertsteigerungsdoktrin die maßgebliche Komponente.

Niedrige Zinsen: Diese Entwicklung begünstigt hat das historisch niedrige Zinsniveau. Hauskäufer können sich höhere Kreditsummen leisten, da die Raten für Hypotheken vergleichsweise klein geworden sind.

Falsch: Die traditionelle Eigenkapital-Unterlegung hat – trotz billigem Baugeld – bisher sogar zugenommen. Banken haben heute eine veränderte Risikosicht.

Hohe Liquidität: Aus Angst vor einem Währungscrash haben auch viele Vermögende ihr Geld in Immobilien angelegt. Häuser erscheinen ihnen im Wert sicherer als Wertpapiere.

Korrekt: Diese Gemengelage herrscht augenblicklich vor.

Preisblase: Der Wert aller Wohnimmobilien in Deutschland legte in den vergangenen fünf Jahren um schätzungsweise 0,5 Prozent zu – zum Teil sehr stark in einigen Innenstadtlagen, aber dem stehen negative Entwicklungen im ländlichen Raum beziehungsweise außerhalb der Ballungszentren gegenüber.

Falsch: Keine generelle Preisblase, aber neue Höchstwerte in wenigen trendigen Stadtteillagen der großen Städte.

Diese kurze Einschätzung mag einen ersten Eindruck geben, wie die Argumente gegenwärtig sind. Eine sogenannte Blase ist erst dann eine, wenn diese platzt. Doch solange die Motivlage, welche die aktuelle Nachfrage nach Wohnraum in den Metropolen speist, primär eine defensive ist – Tausch von Geldvermögen in Backsteine mangels Alternativanlage – solange ist die Diskussion von „Immobilienblasen“ oder „zu überteuerten Preisen“ eine mehr akademisch geprägte aus den Zeiten veralteter volkswirtschaftlicher Lehrbücher. Der Begriff der Renditeorientierung hat aktuell durch die Nachfrager eine Veränderung in Richtung Sicherheit erfahren.

Der Autor Dr. Thomas Beyerle leitet den Bereich “Corporate Responsibility & Research” im Managementteam der IVG Immobilien AG, Bonn.

Foto: Christian Daitche

 



Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

12/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – Kinderpolicen – Wohntrends – Leads – Besteuerung von Fonds

Ab dem 13. November im Handel.

Special 4/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fondspolicen – Indexpolicen – Betriebliche Altersvorsorge – Berufsunfähigkeitsversicherung

Ab dem 28. Oktober im Handel.

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

LVRG: Makler fürchten Schwächung

Die Mehrheit der unabhängigen Finanz- und Versicherungsmakler sieht durch das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) hauptsächlich Maklerunternehmen betroffen, so eine aktuelle Umfrage. Maklerpools sehen die Befragten demnach durch das neue Gesetz nicht bedroht.

mehr ...

Immobilien

Commerz Real setzt auf Asien

Commerz Real will das Spektrum der potenziellen Investitionsmärkte außerhalb Europas ausbauen. Nach dem Wiedereintritt in den US-Immobilienmarkt prüft das Unternehmen die Erschließung ausgewählter Regionen im Asien-Pazifik-Raum.

mehr ...

Investmentfonds

“Unbewusst Öko”

Das Thema “Öko” ist längst keine isolierte Nische, meint Gunter Schäfer, Marketing Direktor bei Ökoworld. Er sieht in dem Thema einen sich vergrößernden gesellschaftlichen Trend.

Gastbeitrag von Gunter Schäfer, Ökoworld

mehr ...

Berater

“Wir schließen weitere Übernahmen nicht aus”

Finanzen.de wurde 2004 in Berlin gegründet und ist mittlerweile einer der erfolgreichsten Leadsanbieter im Versicherungs- und Finanzbereich. Cash. sprach mit Vorstand Dirk Prössel über Veränderungen im Marktumfeld, die Entwicklung des Unternehmens und künftige Projekte.

mehr ...

Sachwertanlagen

Startschuss für KAGB-konformen Multi-Asset-Fonds

Die Deutsche Sachcapital GmbH (DSC) hat als Service-KVG von der Finanzaufsicht Bafin die Vertriebsfreigabe für den Abakus Balance 7 erhalten. Damit kann das Emissionshaus Abakus, das den Publikumsfonds initiiert, mit der Platzierung starten.

mehr ...

Recht

Urteil zum Ausparken auf öffentlichen Parkplätzen

Wer auf einen öffentlichen Parkplatz fährt oder ihn verlässt, darf darauf vertrauen, dass bereits in Parkbuchten stehende Fahrzeuge nicht plötzlich ausscheren – dies gilt zumindest dann, wenn die Fahrspur zwischen den Parkplätzen Straßencharakter hat. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (OLG) hervor.

mehr ...