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Dienstag, 13. Dezember 2011

Gothaer sieht Wachstum in allen Sparten

Die Gothaer Versicherung hat mitgeteilt, dass die gebuchten Bruttobeiträge 2011 aller Voraussicht nach um 2,7 Prozent auf 4,11 Milliarden Euro steigen werden. Alle Sparten können demnach zulegen. Für eine Gewinnprognose sei es aber noch zu früh, sagte Gothaer-Chef Dr. Werner Görg.

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Dr. Werner Görg

Den vorläufigen Zahlen zufolge verzeichnet die Krankenversicherung den größten Zuwachs bei den gebuchten Bruttobeiträgen (fünf Prozent auf 837 Millionen Euro). Dahinter folgen die Bereiche Schaden/Unfall (plus 3,2 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro) und Leben (plus 0,3 Prozent auf 1,531 Milliarden Euro). Das Wachstum in 2011 liege damit in allen Sparten oberhalb des Marktniveaus – für das nächste Jahr strebe man dieses Ziel erneut an, sagte Vorstandschef Görg. Zur Gewinnerwartung 2011 wollte sich der Gothaer-Chef allerdings nicht äußern: Vor dem Hintergrund der starken Marktvolatilität sei zum jetzigen Zeitpunkt keine seriöse Gewinnprognose möglich, so Görg.

Zufrieden äußerte sich Finanzvorstand Jürgen Meisch zu den Kapitalergebnissen des Kölner Unternehmens. Er rechne damit, dass diese in 2011 trotz Schuldenkrise und schwankungsanfälligen Märkten für alle Risikoträger im Plan liegen werden. Der Renditeabstand zum Marktduchschnitt in der Nettoverzinsung wird Meisch zufolge weiter sinken. 2010 lag die Nettoverzinsung im Leben-Bereich der Gothaer bei rund 3,8 Prozent, der Markt lag bei etwa 4,2 Prozent, so Meisch.

Das Engagement in den sogenannten PIIGS-Anleihen beträgt rund sechs Prozent an den Gesamtkapitalanlagen der Gothaer. Die Höhe der Gesamtabschreibungen auf griechische Anleihen sowie Wertpapiere von Banken-Nachrängen, darunter Institute wie Commerzbank, BCP und Dexia, bezifferte Meisch auf rund 50 Millionen Euro.

Das Engagement in Risiko-Anlagen, wie beispielsweise Hedgefonds, hat der Gothaer-Konzern weiter reduziert, so Meisch. Zudem werde man künftig die Kreditqualität durch Neuanlagen in Staatsanleihen der Eurozone, die ein Rating von AAA bis AA aufweisen, erhöhen. Vor dem Hintergrund einer entstehenden Fiskalunion seien auch Staatsanleihen aller Länder attraktiv, „die für eine Eurozone unabdingbar sind“. Deutsche Staatsanleihen werden angesichts der geringen Renditeerwartungen allerdings derzeit nicht hinzugekauft, sagte der Finanzvorstand. Einen weiterer Anlageschwerpunkt für 2012 bilden Unternehmensanleihen und Immobilieninvestments.

Im Hinblick auf die Eurokrise stellte die Gothaer eine Szenarioplanung für 2012 vor. Demnach beziffert der Versicherer die Wahrscheinlichkeit, dass die erforderlichen Maßnahmen zur Rettung des Euros von den Ländern der Eurozone umgesetzt werden, auf 80 Prozent. Vor dem Hintregrund der aktuellen Gipfelbeschlüsse sei dieser Wert vielleicht sogar noch höher, betonte Meisch.

Betriebsintern plant die Gothaer, ihre Kosten weiter zu senken. Dies soll vor allem durch die Vorgabe von Produktivitätssteigerungen für jeden Bereich erreicht werden. Die hohen Anforderungen an die versicherungstechnische Qualität (Schadenquote) gelten dabei unverändert weiter, so Görg. Dies spiegele sich auch darin wieder, dass das stark umkämpfte Autoversicherungsgeschäft mit unter 20 Prozent eine eher untergeordnete Rolle bei der Gothaer spiele.

Expandieren möchte der Versicherer vor allem im Sachbereich in Mittel- und Osteuropa. Zuletzt erwarben die Kölner 2010 den polnischen Versicherer PTU, der 2011 erstmals voll in den Jahresabschluss einbezogen wird. Die gebuchten Bruttobeiträge von PTU liegen voraussichtlich bei knapp 115 Millionen Euro. Aufgrund von umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen werde das Unternehmen allerdings einen Verlust von ein bis 1,5 Millionen Euro verbuchen, so Görg. Die Umstrukturierung verlaufe aber planmäßig und man sei froh PTU zu haben. Das Unternehmen, das laut Gothaer der elftgrößte Anbieter im polnischen Versicherungsmarkt sei, konzentriere sich auf Privatkunden und kleine bis mittelständische Unternehmen und konnte im Sachgeschäft zuletzt um 49 Prozent zulegen.

Mit Blick auf 2012 plant Görg vor allem, weitere Zukäufe im Kompositbereich in Osteuropa zu prüfen. Akquisitionen in Deutschland und Westeuropa könne er sich hingegen nur schwer vorstellen, so der Gothaer-Chef. (lk)

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