12. Februar 2013, 12:47

Bewertungsreserven: GDV widerspricht Grünen-Sprecher

Der Streit um die Frage, wie die Bewertungsreserven von Versicherern künftig an die Kunden verteilt werden sollen, hält an: Nun hat sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gegen den finanzpolitischen Sprecher der Grünen, Dr. Gerhard Schick, positioniert.

Bewertungsreserven: Das politische Armdrücken hält an

In einer Stellungnahme vom vergangenen Freitag widersprach der Verband Berechnungen, die Schick laut einer Agenturmeldung dem “Spiegel” vorgelegt haben soll. Wie der GDV mitteilte, zeigen die Berechnungen, dass sich die Eigenkapitalrendite der Lebensversicherer in den letzten Jahren verdreifacht habe. Daraus schlussfolgere der Finanzexperte der Grünen, dass in der Frage, “ob die Mehrzahl der Versicherten weiter für Sonderausschüttungen für einige wenige Versicherte zahlen sollen, auch die Aktionäre einen Beitrag leisten sollten”, zitiert der GDV.

Bewertungsreserven: Das politische Armdrücken hält an

Dr. Gerhard Schick, Bündnis90/Die Grünen

Verband spricht von falscher Vergleichsbasis

Dr. Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des GDV, erklärte: “Wer die Gewinne der Lebensversicherer im Jahr 2010 oder 2011 ausgerechnet mit dem Krisenjahr 2002 vergleicht, tut dies aus einem einzigen, offensichtlichen Grund: um einen vermeintlichen Renditesprung der Versicherer zu konstruieren.”

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase hätten viele Lebensversicherer wegen extremer Einbrüche der Aktienmärkte 2002 nur sehr niedrige Überschüsse, so von Fürstenwerth. Die Eigenkapitalrendite der Lebensversicherer sei 2002 um mehr als zwei Drittel gegenüber der Eigenkapitalrendite des Jahres 2000 eingebrochen. “Wer solche Ausnahmejahre als Vergleichsbasis nimmt, fährt ein ziemlich durchschaubares Manöver. Zu einer sachlichen Diskussion mit dem Ziel einer fairen Kompromissfindung im Interesse aller Versicherten trägt Herr Schick damit nicht bei”, kritisiert der GDV-Mann.

Vermittlungsausschuss berät

Der Vermittlungsausschuss des Bundesrats klärt derzeit, wie Kunden mit Lebensversicherungen zukünftig an den Bewertungsreserven beteiligt werden sollen. Unter Bewertungsreserven sind bilanzielle Buchgewinne von Wertpapieren zu verstehen. Diese fallen an, wenn der aktuelle Marktwert eines Wertpapiers oberhalb des ehemaligen Kaufwertes liegt (siehe Grafik).

Bewertungsreserven: Das politische Armdrücken hält an

Dr. Jörg von Fürstenwerth, GDV

Ursprünglich war vorgesehen, dass Kunden mit Auslaufen ihres Vertrages nur noch zu 50 Prozent an den Bewertungsreserven beteiligt werden sollen, um somit die Versicherungswirtschaft zu entlasten. Gegen diese Pläne gibt es Widerstand aus der SPD und von den Grünen, da die Regelung zu einseitig zu Lasten der Versicherten ausfallen würde.

GDV: Bewertungsreserven sind “Scheinreserven”

Wegen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus bestehen derzeit sehr hohe Bewertungsreserven für festverzinsliche Papiere. Aus Sicht des GDV handele es sich dabei jedoch um “Scheinreserven”: Da die Versicherer ihre Papiere in der Regel bis zum Ende halten würden, entstünden keine tatsächlichen Erträge, da sich diese “am Ende wieder auflösen”. Der tatsächliche Wert der Zinspapiere bestehe stattdessen in der regulären Ausschüttung der Zinsen von Jahr zu Jahr, so der GDV. (lk)

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken

Bewertungsreserven: Das politische Armdrücken hält an

Wie Bewertungsreserven entstehen, Quelle: GDV

Fotos: Shutterstock; Dr. Gerhard Schick; GDV


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

02/2015

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Europa-Fonds – Private-Equity – offene Immobilienfonds – Nachwuchsmangel – Die Lebensversicherung 2015

Ab dem 22. Januar im Handel.

01/2015

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Rentenfonds – Cyber-Policen – Secondhand-Fonds – Metropolen im Immobilien-Check – Vertrieb 2015

1 Kommentar

  1. I wish we had Koi in NYC… this looks so good!
    nordstrom evening dress http://www.nordstormdresses.com/evening-dresses_c91.html

    Kommentar von nordstrom evening dress — 27. Januar 2015 @ 21:51

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Nachwuchsmangel: Generation Y ungelöst

Junge Menschen haben heute höhere Ansprüche an den Beruf als die Generation ihrer Eltern. Cash. hat mit Vertrieben, Verbänden und Maklerpools über Strategien gesprochen, um die anspruchsvollen Berufseinsteiger für die Branche zu begeistern und dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken.

mehr ...

Immobilien

Opfer oder Täter? Die Rolle der Immobilien in Marktzyklen

Welche Rolle spielen die Immobilienmärkte in gesamtwirtschaftlichen Marktzyklen? Das untersucht eine Studie des Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle in Kooperation mit dem Weltwirtschaftsforum.

mehr ...

Investmentfonds

QC Partners mit neuer Sales-Expertin

Asset Manager QC Partners, Frankfurt, baut mit Sultan Deniz (37) den Vertrieb an Dachfonds, Stiftungen, Family Offices und Vermögensverwaltern aus.

mehr ...

Berater

Finanztransaktionssteuer: Banken bereiten sich vor

Immer mehr Banken bereiten sich auf die wahrscheinliche Einführung einer Finanztransaktionssteuer vor. Dies belegt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Sopra Steria Consulting.

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI startet weiteren AIF

Der Initiator ZBI hat von der Finanzaufsicht Bafin die Vertriebserlaubnis für den geschlossenen AIF ZBI Regiofonds Wohnen erhalten, der hauptsächlich in Wohnimmobilien in der Metropolregion Nürnberg und Nordbayern investiert. Zwei Startinvestments in Fürth wurden bereits getätigt.

mehr ...

Recht

Anklage: Fast eine Viertelmilliarde Euro Schaden durch S&K

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat ihre Anklage gegen sieben mutmaßliche Hauptverantwortliche der S&K-Unternehmensgruppe präsentiert. Den beiden Firmengründern werden 49 Straftaten vorgeworfen, und zwar schwerer banden- und gewerbsmäßiger Betrug, schwere banden- und gewerbsmäßige Untreue sowie ein Fall der Anstiftung dazu im Zeitraum von Oktober 2008 bis Februar 2013.

mehr ...