Anzeige
14. Oktober 2013, 08:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Kampf um gute BU-Risiken führt zu Verdrängungsgeschäft”

Stephan Kaiser, geschäftsführender Gesellschafter des Fuldaer Dienstleisters BU-Expertenservice, äußert sich im Interview zu den negativen Konsequenzen der ausufernden Berufsgruppenlandschaft, der stagnierenden Absicherungsquote und zur Diskussion um eine staatliche BU-Absicherung.

BU

“Die Einführung einer staatlich geförderten privaten BU-Absicherung mit Kontrahierungszwang analog zum Pflege-Bahr könnte im Bereich des politisch Möglichen liegen.”

Cash.: Seit einigen Monaten verzeichnet der BU-Markt einen verstärkten Wettbewerb um risikoarme Berufe. Wie bewerten Sie das?

Kaiser: Leider hat in den letzten Jahren bei allen Versicherern der Trend eingesetzt, die Berufe in immer mehr Berufsgruppen zu unterteilen – hier gibt es ja bereits Anbieter, die 14 Berufsgruppen unterscheiden.

Was genau missfällt Ihnen daran?

Diese Entwicklung macht nicht nur dem Vermittler das Leben schwer, es geht auch das Prinzip des zwischenwirtschaftlichen Risikoausgleichs, das sogenannte Solidaritätsprinzip, kaputt. Leider ist dieser Trend aus meiner Sicht nicht umkehrbar, da sich ein Versicherer, der wieder zu wenigen Berufsgruppen zurückgeht, einer negativen Risikoselektion aussetzen würde.

Dadurch, dass so viele Berufsgruppen unterschieden werden, gibt es natürlich mittlerweile viele Berufsbilder, deren Prämienniveau unvertretbar hoch ist. In der Regel trifft das nicht die Besserverdiener. Wir erleben also durchaus, dass sich die vermeintlich “schlechten” Risiken nicht mehr oder nur sehr unzureichend gegen Berufsunfähigkeit versichern können. Und das sind leider sehr oft die, die diesen Schutz am dringendsten benötigen.

Müssen sich diese Menschen am Ende mit einem “BU-Schutz-Light” begnügen?

Die Prämiengestaltung einiger Versicherer lässt durchaus den Schluss zu, dass manchen Berufen nur “Risikoabwehrprämien” angeboten werden, wirklich versichern möchte man diese Berufe gar nicht.

Bleibt nur die Frage, ob die derzeitige Einpreisung der Versicherer getreu dem Motto “Büro ist preiswert, Handwerk ist teuer” wirklich risikogerecht ist. Ich bezweifle, dass der Installateur ein wesentlich höheres BU-Risiko hat als ein Sozialversicherungs-Fachangestellter.

Letzterer hat mittlerweile nicht nur überproportional oft mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen, er weiß auch, welche Knöpfe er drücken muss, um Leistungen zu bekommen – ein Vorteil, den der Installateur nicht hat.

Welche weiteren Marktentwicklungen sehen Sie kritisch?

Auf der anderen Seite häufen sich die Angebote, eine (niedrige) Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) ohne jeglicher – oder zumindest mit einer sehr reduzierten – Gesundheitsprüfung abschließen zu können.

Auch wurden in letzter Zeit einige Ersatzkonzepte, die eine Mixtur aus abgespeckter Grundfähigkeit, Dread Disease und Unfallrente darstellen, entwickelt. Diese sollten aber erst in Betracht gezogen werden, wenn eine BU nicht machbar ist; sie ist die einzige Versicherungsform, die das Berufsbild mit einem Krankheitsbild verbindet.

Nach Einschätzung des Analysehauses Franke und Bornberg hat sich die BU-Absicherungsquote von Erwerbstätigen in den letzten Jahren nicht erhöht. Rund zwei Drittel der Menschen verzichten darauf. Stoßen die Berater gewissermaßen an eine “gläserne Decke”?

Das ist aufgrund der Zahlen nicht von der Hand zu weisen. Die Gründe sind vielschichtig und meiner Meinung nach zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von den Versicherern selbst verschuldet: die oben beschriebene Berufsgruppendifferenzierung mit der einhergehenden Beitragsentwicklung verkleinert die Zielgruppe.

Seite zwei: Kampf der Versicherer um gute Risiken

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Rendite+ 3/2016 "Immobilien"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Deutschlands beste Wohnimmobilien-Standorte - Marktreport Anlageimmobilien - Aktuelle Baufinanzierungstrends - Mietrecht etc.


Ab dem 1. September im Handel.

Cash. 9/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Brexit - China - Digitalisierung - Offene Immobilienfonds - Berlin - Hitliste Maklerpools

Ab dem 11. August im Handel.

Versicherungen

Streit um Pläne für Ost-West-Rentenangleichung spitzt sich zu

Die versprochene Angleichung der Ost-Renten auf das Westniveau droht nach einem Bericht der “Berliner Zeitung” im Kabinett zu scheitern.

mehr ...

Immobilien

Lage-Rating: Frankfurt ist für Investoren attraktiv

In Frankfurt lohnt sich laut dem Lage-Rating von Immobilienscout24 und Handelsblatt Online  der Immobilienkauf im gesamten Stadtgebiet. Das Rating für Frankfurt analysiert ausgewählte Stadtteile im Hinblick auf die Investitionssicherheit und ist der zweite Teil einer vierteiligen Serie.

mehr ...

Investmentfonds

Corporate Bonds aus Schwellenländern sind attraktiv

Colm McDonagh von Insight Investment, einer der Investmentboutiquen von BNY Mellon Investment, findet viele Schwellenländeranleihen derzeit attraktiv. Die Bewertungsniveaus von Schuldtiteln aus Staaten wie Indonesien, Brasilien und Peru erscheinen vielversprechend.

mehr ...

Berater

NRW will Erben unterstützen: Milliardensummen auf unbewegten Konten

Nordrhein-Westfalen will das Problem der unbewegten Konten mit schlummerndem Vermögen in einem neuen Anlauf angehen, um Erben zu ihrem Recht zu verhelfen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Bremer Finanzausschusschef: Mindestens 480 Millionen Euro für BLB

Die NordLB sollte für den Bremer Landesanteil an der Bremer Landesbank (BLB) mindestens 480 Millionen Euro zahlen. Das sei der Betrag, mit dem Bremen 2012 seinen damals 7,5-prozentigen Anteil auf 41,2 Prozent aufgestockt habe, sagte der Bremer Finanzausschusschef Jens Eckhoff (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

mehr ...

Recht

Schadenregulierung durch den Makler: “BGH-Entscheidung macht nachdenklich”

Die Entscheidung des BGH zum Versteegen-Urteil macht nachdenklich. Sie reduziert das gesetzliche Leitbild des Maklers auf die Vorschriften der Paragrafen 59 ff. VVG. Diese regeln aber nur die Tätigkeit des Maklers bei der Anbahnung des Versicherungsvertrages. Ein Kommentar von Jürgen Evers, Kanzlei Blanke Meier Evers Rechtsanwälte

mehr ...