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27. Juni 2013, 10:00
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Unfall- und Schadenversicherer: Raus aus den roten Zahlen

Die Unfall- und Schadenversicherer in Deutschland verzeichneten 2012 den stärksten Umsatzanstieg seit 17 Jahren. Die Bestände zählen fast 300 Millionen Verträge. Doch ein Wachsen um jeden Preis kann sich die Branche nicht mehr leisten.

Schadenversicherung

Ergo geht neue Wege, um die defizitäre Wohngebäudeversicherung wieder profitabel zu machen. Im Zweifel trennt sich der Versicherer von seinen Kunden.

Was die US-amerikanische Unternehmensberatung Bain & Company über die Situation der deutschen Versicherungswirtschaft zu berichten hat, dürfte in den Ohren der Vorstände der Assekuranz zwar nicht ganz neu klingen – unangenehm bleibt es dennoch: Die deutschen Versicherer stünden vor den größten Herausforderungen der Nachkriegszeit, warnt Bain.

Versicherer zehren von attraktiven Altbeständen

Aufgrund des starken Wettbewerbs seien die Beiträge vieler Sparten mit geringen Margen kalkuliert, während die Vertriebsprovisionen hingegen oftmals sehr hoch ausfielen. Die Folge: Viele Versicherer zehrten noch von ihren attraktiven Altbeständen. Dies gelte insbesondere für die historisch äußerst profitablen Sparten wie etwa die private Unfallversicherung.

Das Neugeschäft kann dies nach Einschätzung Bains nicht auffangen – in bisher lukrativen Sparten hat der gestiegene Wettbewerbsdruck zu sinkenden Margen geführt. In historisch defizitären Sparten wie Gebäudeversicherung und Kfz verbessere sich die Margensituation nur langsam, da das Prämienniveau oft nur für das Neugeschäft angepasst werde. Das habe zur Folge, dass die Profitabilität der Versicherungsbestände sinkt.

Im Zweifel vom Kunden trennen

Die These der Bain-Berater wurde zuletzt durch den Versicherer Ergo eindrucksvoll bestätigt. Da die Düsseldorfer die Prämien für die Altverträge in der defizitären Wohngebäudeversicherung nicht einfach anheben konnten, weil die erforderlichen Vertragsklauseln fehlten, entschied man sich für eine in der Branche so noch nicht zu beobachtende Maßnahme.

Im Mai erhielten 120.000 Kunden ein Schreiben des Versicherers, in dem sie aufgefordert wurden, ihre alten Verträge in neue, laut “Süddeutscher Zeitung” um durchschnittlich 14 Prozent teurere, Policen umzutauschen.

In Einzelfällen, schrieb die Zeitung, könnten sich die Prämien sogar verdoppeln. Zudem beinhalten die neuen Verträge neben Beitragsanpassungsklauseln einen Selbstbehalt von 500 Euro, der sich beim Ausbleiben von Schäden nach und nach reduzieren soll. Kunden, die die neuen Konditionen nicht akzeptieren, erhalten die Kündigung.

Leidensdruck hoch

Eine Sprecherin verteidigte das für viele Kunden als rabiat empfundene Vorgehen damit, dass den Kunden genügend Zeit eingeräumt werde, von sich aus zu kündigen und einen neuen Anbieter auszuwählen. Das Kalkül der Ergo ist klar: Man will die Gebäudeversicherung endlich in die schwarzen Zahlen bringen, selbst wenn dies Ärger bei Hausbesitzern und negative Schlagzeilen provoziert.

Gut möglich, dass weitere Anbieter dem Beispiel der Ergo folgen werden, denn der Leidensdruck ist hoch. “Um bei anhaltend intensivem Wettbewerb und schwacher Konjunktur profitabel zu bleiben, müssen zahlreiche deutsche Versicherer ihr Neugeschäft stärker an finanziellen Erfordernissen ausrichten, also diejenigen Sparten und Produkte fördern, die nachhaltig Wert schaffen. Das verschiebt den Angebotsmix bei vielen Versicherern.

Die Anpassung von Preisniveau und Zeichnungskriterien insbesondere in den traditionell unprofitablen Sparten ist der zweite Schritt”, sagt Dr. Christian Kinder, Partner bei Bain & Company, und ergänzt: “Dauerhaft werden sich Versicherer unprofitable Sparten wie Wohngebäudeschutz und Kfz nicht mehr leisten können.”

Wachstum nicht nur Selbstzweck

Zu den Anbietern, die Wachstum im Kompositgeschäft nicht nur als Selbstzweck sehen, sondern eben auch profitabel wachsen wollen, gehört die R+V Versicherung aus Wiesbaden. Der nach Allianz und Axa drittgrößte Schadenversicherer in Deutschland kann auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2012 zurückschauen.

So erhöhte sich der Gewinn vor Steuern im Geschäftsbereich Schaden/Unfall um rund 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 192 Millionen Euro. Die Beiträge des Unternehmens stiegen um 5,5 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Der deutsche Schaden-/Unfallversicherungsmarkt verzeichnete zwar den stärksten Umsatzanstieg seit 1995, es reichte aber “nur” zu einem Plus von 3,7 Prozent auf 58,7 Milliarden Euro. Der Marktanteil des genossenschaftlichen Versicherers kletterte nach eigenen Angaben um 0,2 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Schlechter als der Markt schnitt das Unternehmen allerdings bei der Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) ab.

Seite zwei: Kleines Assekuranz-Einmaleins über Jahre vernachlässigt

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