Altersvorsorge in Inflationszeiten: 80 Prozent Beitragsgarantie und hohe Aktienquote

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Fabian von Löbbecke, HDI

Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) aus Ulm hat im Rahmen einer Studie für HDI analysiert, in welchem Verhältnis Beitragsgarantien zu den Renditen stehen. Das Ergebnis: Bei etwa 80 Prozent Beitragsgarantie und einem entsprechend höheren Anteil in Aktienanlagen kann die Ertragschance im Vergleich zu Produkten mit voller Beitragsgarantie signifikant gesteigert werden.

Insbesondere steigen unter Berücksichtigung der Inflation die Risiken durch ein Absenken der Garantie kaum an – in manchen Fällen sinken sie sogar. HDI hat nach eigenen Berechnungen sogar in 82 Prozent der Fälle eine Ablaufleistung oberhalb der Leistung eines Produkts mit voller Beitragsgarantie festgestellt.

Eine dauerhaft hohe Preissteigerungsrate in Deutschland höhlt den Wert von Beitragsgarantien bei Modellen der Altersvorsorge schnell und massiv aus. Je höher die Garantie, desto geringer ist zwangsläufig der Anteil an chancenreichen Kapitalanlagen, welche die Inflation wettmachen können. Analysen des ifa haben ergeben, dass insbesondere bei hoher Unsicherheit der zukünftigen Inflation niedrigere Beitragsgarantien etwa bei der betrieblichen Altersvorsorge auch für sicherheitsorientierte Anleger sinnvoll sind. Denn dadurch ist ein höherer Anteil von Aktienanlagen möglich, der insgesamt eine bessere Rendite und einen besseren Inflationsschutz erbringen kann.

Das unterschätzte Risiko

Lange Zeit wurde das Inflationsrisiko in Deutschland unterschätzt, weil die Inflationsrate seit etwa dem Jahr 2000 moderat um zwei Prozent schwankte. Schon seit März 2022 liegt sie nun aber konstant über sieben Prozent.

Mit der sogenannten „72er-Regel“ (eine Faustformel aus der Zinsrechnung, die aufzeigt, wie sich eine verzinsliche Kapitalanlage im Nennwert verdoppelt) lässt sich berechnen, wie schnell die hohen Preissteigerungen das Kapital entwerten: Bei sieben Prozent jährlicher Inflation halbiert sich schon nach zehn Jahren die Kaufkraft eines Kapitalbetrags (72 geteilt durch 7) wie etwa die einer nominellen Beitragsgarantie in einer Direktversicherung. Garantien in der Altersversorgung müssten daher neu beurteilt und bedarfsgerecht gestaltet werden, betont Fabian von Löbbecke.

Denn bei den Vorsorgemodellen sind hohe Garantien gerade bei hohen Inflationsraten nicht gleichbedeutend mit hoher Sicherheit beim Kapitalerhalt: „Das Risiko, dass der reale Wert der Altersvorsorge mit den Inflationsraten nicht mehr Schritt halten kann, steigt deutlich“, sagt Fabian von Löbbecke. Vielmehr sind reduzierte Beitragsgarantien dann sinnvoll, wenn dadurch mögliche höhere Aktienanlagen eine bessere Renditechance insgesamt erbringen.

Im Rahmen des bAV-Expertenforums des HDI im Juli 2022 wurde dieser Zusammenhang gemeinsam mit Dr. Sandra Blome vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften aus Ulm vorgestellt. Das Ergebnis der Analysen des ifa: Wird die Beitragsgarantie von 100 auf 80 Prozent gesenkt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer signifikant höheren Ablaufleistung und sinkt unter Beachtung der Inflation unter Umständen sogar das Risiko für schlechtere (inflationsbereinigte) Ablaufleistungen.

„Nach Berechnungen von HDI liegt die Ablaufleistung sogar in 82 Prozent der Fälle oberhalb der Leistung eines Produkts mit voller Beitragsgarantie“, ergänzt Fabian von Löbbecke, orstand der HDI Lebensversicherung AG und verantwortlich für den Bereich Produkte und Neugeschäft Leben.

Aktien können Inflationsausgleich schaffen

Bei anhaltend hohen Teuerungsraten sollten Anlageformen zum Aufbau einer Altersversorgung auf der einen Seite die Inflation abfedern können und auf der anderen Seite zum Schutz der Versicherten zugleich die regulatorische Sicherheit und Mindestgarantien abbilden können. „Hierfür sind Investitionen in Produktivkapital und Substanzwerte wie insbesondere Aktien besonders geeignet. Denn wissenschaftlich belegt ist: Bei einer hohen Inflation über einen langen Zeitraum ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich auch die Aktienmärkte eher positiv entwickeln“, sagt Dr. Sandra Blome.

Fondspolicen mit hoher Aktienquote als Königsweg

Eine fondsgebundene geförderte Direktversicherung bietet unter Garantie- und Renditegesichtspunkten die optimalen Voraussetzungen für den Aufbau einer auskömmlichen Altersversorgung, die auch der aktuell hohen Inflation Stand halten kann. Garantien sind wichtig und aus arbeitsrechtlicher Sicht in der bAV auch notwendig, aber sie müssen bedarfsgerecht ausgerichtet werden, um das Renditepotenzial und die Chance auf Inflationsausgleich zu erhöhen.

„Klassische Beitragszusagen mit 100 Prozent Mindestleistung haben in Zeiten volatiler Kapitalmärkte und hoher Inflationsraten ausgedient. Sie bieten Arbeitnehmenden keine Sicherheit, sondern erhöhen das Risiko des reellen Kaufkraftverlustes. Gerade in der betrieblichen Altersversorgung muss jetzt die richtige Balance gefunden werden, um einerseits den Beschäftigten aller Altersgruppen eine ertragreiche finanzielle Versorgung zu ermöglichen und andererseits die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen einer beitragsorientierten Leistungszusage sicher zu erfüllen. Deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, mit passgenauen Produkten die richtige Antwort zu geben“, resümiert von Löbbecke.

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