Noch bevor das Altersvorsorgedepot 2027 startet, liefern sich Banken und Neobroker einen Preiskampf um künftige Kunden. Wie die Neue Westfälische berichtet, werben mehrere Anbieter schon jetzt mit Dumping-Preisen für das Nachfolgeprodukt der Riester-Rente. Verträge sind allerdings erst ab dem 1. Januar 2027 möglich. Verbraucherschützer raten Riester-Sparern deshalb, sich von solchen Angeboten nicht unter Druck setzen zu lassen.
Mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD verabschiedete der Bundestag am 27. März 2026 das Altersvorsorgereformgesetz. Die Linke stimmte dagegen, während AfD und Grüne sich der Stimme enthielten. Im Bundesrat erhielt die Reform am 8. Mai 2026 grünes Licht, bevor das Gesetz am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde. Damit steht die größte Veränderung der privaten Altersvorsorge seit der Einführung der Riester-Förderung 2002 bevor.
Im Bundestag sprach der SPD-Abgeordnete Michael Thews von einem historischen Meilenstein. Sein Unionskollege Fritz Güntzler lobt das neue Produkt als „kostengünstig, flexibler, einfacher, unbürokratischer und renditestärker“.
Was das Altersvorsorgedepot 2027 für Riester-Sparer ändert
Mit dem Jahreswechsel endet die Möglichkeit, neue Riester-Verträge abzuschließen. An die Stelle tritt das Altersvorsorgedepot als neues, staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt. Erstmals profitieren auch Selbstständige, Gewerbetreibende und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke von der Förderberechtigung - bislang gingen diese Gruppen leer aus. Außerdem können Sparer zukünftig unter drei Varianten wählen: ganz ohne Garantie, mit einer 80-prozentigen oder mit einer vollständigen 100-prozentigen Beitragsgarantie.
| Merkmal | Regelung |
|---|---|
| Start | 1. Januar 2027 |
| Neu förderberechtigt | Selbstständige, Gewerbetreibende, Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke |
| Grundzulage | 50 Prozent für die ersten 360 Euro des Eigenbeitrags, danach 25 Prozent für weitere Beiträge bis 1.800 Euro; insgesamt höchstens 540 Euro jährlich |
| Kinderzulage | Höchstens 300 Euro je Kind und Jahr |
| Kostendeckel Standarddepot | Höchstens 1,0 Prozent Effektivkosten im Jahr |
| Kosten Premium-Varianten | Nach Angaben der Verbraucherzentrale zwischen 1,5 und 2,5 Prozent jährlich, ohne gesetzliche Obergrenze |
| Garantievarianten | Ohne Garantie oder mit 80- beziehungsweise 100-prozentiger Beitragsgarantie |
| Auszahlbeginn | Ab dem 65. bis zum 70. Lebensjahr |
| Entnahme und Auszahlung | Einmalentnahme von bis zu 30 Prozent möglich, der Rest wird als Auszahlplan (mindestens bis zum 85. Lebensjahr) oder als lebenslange Rente ausgezahlt |
Förderung und Kostendeckel beim Altersvorsorgedepot 2027
Der Staat gewährt zukünftig eine Grundzulage von 50 Prozent auf die ersten 360 Euro des Eigenbeitrags. Für darüber hinausgehende Beiträge bis zu 1.800 Euro kommen weitere 25 Prozent hinzu, sodass sich insgesamt höchstens 540 Euro Förderung jährlich ab 2027 ergeben. Die Kinderzulage ist auf höchstens 300 Euro pro Kind und Jahr begrenzt. Zudem lassen sich Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr einschließlich des Zulagenanspruchs weiterhin als Sonderausgaben steuerlich absetzen.
Für das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot gilt zudem eine Kostenobergrenze von höchstens 1,0 Prozent der Effektivkosten jährlich - ursprünglich war im Gesetzgebungsverfahren noch ein Wert von 1,5 Prozent im Gespräch. Private Zusatz- beziehungsweise sogenannte Premium-Varianten fallen jedoch nicht unter diese Begrenzung. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale liegen diese Kosten zwischen 1,5 und 2,5 Prozent jährlich.
Welche Auswirkungen solche Unterschiede haben können, veranschaulicht eine Modellrechnung der Verbraucherzentrale: Bei einer Laufzeit von 40 Jahren und sechs Prozent Bruttorendite würde allein die erlaubte Kostenobergrenze von 1,0 Prozent etwa ein Drittel der erzielten Kapitalmarkterträge auffressen. Bei teureren Premium-Tarifen fällt die Renditeminderung entsprechend noch deutlicher aus.
Scalable Capital nennt als erster Anbieter konkrete Preise
Scalable Capital hat sich als erster Anbieter auf Konditionen festgelegt. Im ersten Jahr entstehen keine Kosten, ab dem zweiten Jahr fallen höchstens 0,15 Prozent laufende ETF-Kosten an. Konto- und Depotführung sowie Sparpläne, Käufe und Verkäufe bleiben gebührenfrei - Stand 24. August 2026. Damit liegt der Neobroker deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel. Bei ING, Smartbroker+ und Cosmos Direkt gab es zu diesem Zeitpunkt hingegen noch keine vergleichbaren Angaben.
Welche Fristen Riester-Bestandskunden kennen müssen
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, muss zunächst nichts unternehmen. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und laufen unverändert weiter. Für sie bleibt weiterhin der geringere Mindestbeitrag von 60 Euro jährlich maßgeblich, um die volle Förderung zu erhalten.
Wer dagegen kündigen und ins Altersvorsorgedepot 2027 wechseln will, sollte den 31. März 2027 im Blick behalten. Das Ratgeberportal finanzen.net nennt diesen Stichtag als wichtig für eine Kündigung mit Wechsel. Bei einem Guthaben von 25.000 Euro und rund zwei Prozent effektiven Kosten des Altvertrags würde ein dreimonatiges Warten demnach rund 125 Euro kosten.
Warum Experten zum Abwarten raten
Verbraucherschützer mahnen dennoch zur Vorsicht. „Hier muss man aufpassen, nicht über den Tisch gezogen zu werden“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und weiter: „Verbraucher sollten sich vor allem nicht unter Druck setzen lassen.“ Auch andere Beobachter berichten, warum viele beim Altersvorsorgedepot noch zögern.
Finanzökonom Hartmut Walz kommentiert das bislang dünne Angebot mit den Worten: „was nicht ist, kann ja noch werden“. Benjamin Brummer vom Analysehaus Morgen & Morgen rückt hingegen den Zeitpunkt in den Mittelpunkt: „Die entscheidende Frage … ist nicht nur, ob ein Wechsel sinnvoll ist, sondern vielmehr wann.“
Was das Altersvorsorgedepot 2027 für Berater bedeutet
Für Vermittler bringt die Reform doppelte Beratungsarbeit. Einerseits brauchen Bestandskunden Klarheit über Bestandsschutz, Wechseloptionen und Fristen wie den 31. März 2027. Andererseits drängt ein neues, margenärmeres Produkt auf den Markt. Der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 Prozent verschärft den Preiswettbewerb zwischen Banken, Versicherern und Neobrokern zusätzlich. Wie Vermittler diese doppelte Aufgabe meistern, zeigt ein Überblick dazu, wie Berater Kunden beim Wechsel zum Altersvorsorgedepot unterstützen.
Wie groß der Bedarf an privater Vorsorge bleibt, macht Alina vom Bruck von BarmeniaGothaer deutlich: „Für die Hälfte der Menschen reicht die Vorsorge rechnerisch gar nicht bis ans Lebensende.“















